Software 09.03.2002, 17:33 Uhr

Miet-Software hat Zukunft

Nach der Euphorie um die drei Buchstaben ASP, das Application Service Providing, kehrt nun Realismus ein. Software zum Mieten, das zeigt die CeBIT, ist nach wie vor ein Geschäftsmodell mit Zukunft.

Zu den neuen Geschäftsmodellen in der Software-Branche gehört das Application Service Providing (ASP). Statt teure Lizenzen zu erwerben und eine Vielzahl von Programmen auf den Rechnern zu installieren, kann der Anwender über das Internet oder eine Standleitung mit einem schlanken PC (oder Thin Client) auf die Software eines Anbieters zugreifen, die er aktuell benötigt. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen können von dem flexiblen Zugriff auf Software profitieren, denn bis zu 70 % der gesamten IT-Investitionen gehen laut Analyse der Gartner Group auf das Konto der Betriebskosten, also Administration, Service und Support.

In der ersten Euphorie Anfang 2000 prognostizierten renommierte Marktforschungsinstitute wie Dataquest oder Forrester einen Weltmarkt für ASP-Dienstleistungen von über 20 Mrd. Dollar im Jahr 2003. Solche Zahlen sind allerdings heute nicht mehr realistisch, denn sowohl unter den Anbietern als auch den möglichen Anwendern ist eine gewisse Ernüchterung eingetreten. So geht der IT-Fachverband Bitkom für das Jahr 2005 von einem deutschen Marktpotenzial zwischen 1,8 Mrd. µ und 3,6 Mrd. € aus. „Das Interesse ist immer noch sehr groß. Es gibt in Deutschland Pilotkunden, aber auch zahlende Kunden. Es ist keine direkte Ernüchterung eingetreten, sondern die Realität ist eingekehrt, was ja ganz generell auch für das Thema Electronic Commerce gilt. Unter dem Eindruck früherer Prognosen wollten sich aber viele Unternehmen das ASP-Thema an das Revers heften, und eine gewisse Konsolidierung ist auch für den Anwender hilfreich. Aber mit Hilfe des ASP kann man auch im E-Business erst mal einen Auftritt probieren, ohne das Risiko der Investition in eine komplette Infrastruktur einzugehen“, so Reinhard Kreft, deutscher Sprecher des ASP Industry Consortiums.

Allerdings zögern insbesondere die mittelständischen Unternehmen, denn die Manager sind unsicher, ob beim ASP die Sicherheit ihrer Daten gewährleistet ist und welche technische Infrastruktur nötig ist. Sie sind auch unsicher, welche Qualitätsmerkmale ein Anbieter von Mietsoftware erfüllen muss und welche Kriterien bei Vertragsgestaltung sowie im Urheber- und Datenschutzrecht zu beachten sind. Zu diesen Punkten hat Kreft einige Ratschläge parat: „Aus unserer Sicht müssen es multiplizierbare Lösungen sein, also eine Software für viele Anwender. ERP als standardisierte Lösung für vertikale Anwendungen wie SAP Ready to Work ist beispielsweise für das ASP-Modell geeignet. Consulting ist dann wohl auch noch erforderlich, denn eine solche Lösung ist nicht von heute auf morgen einführbar. Auch ein CAD-Serviceanbieter könnte eine Infrastruktur für kollaboratives Konstruieren anbieten.“

Die Qualitätsmerkmale werden in den Service Level Agreements (SLAs) festgelegt, hierzu gehören garantierte Bandbreite, garantierte Verfügbarkeit der Anwendungen sowie andere vertragliche Aspekte. „Ich würde jedem, der sich für ASP-Leistungen interessiert empfehlen, die AGBs und Standard-SLAs auf der Homepage des Anbieters einzusehen. Sind diese Unterlagen nicht oder nur auf Anfrage verfügbar, würde ich schon ein Fragezeichen hinter die Seriösität des Anbieters setzen. Wir haben einen Leitfaden entwickelt, nach dem man solche Service Level Agreements analysieren kann“, warnt Kreft. „Die Einordnung von ASP-Verträgen in das Bürgerliche Gesetzbuch ist heute noch offen. Favorisiert wird momentan der Pachtvertrag. Im Tagesgeschäft sind diese Diskussionen unerheblich. Denn egal, welchen Namen der Vertrag trägt, letztlich entscheidet, was in diesem Dokument geschrieben steht“, so Rudolf Hutter, Vorstandssprecher der Münchener Einsteinet AG. „Im ASP-Vertrag sollten alle vereinbarten Leistungen so genau wie möglich beschrieben, die Folgen von Leistungsstörungen sowie Datenschutz, Datensicherheit, Haftung, Sicherheit und Verlässlichkeit ausgearbeitet und das Vertragsende samt Rückführung der Firmendaten geregelt sein. Wir legen diese Vereinbarungen in einem Rahmenvertrag, Service Level Agreements und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen fest. Im Rahmenvertrag und AGB sind grundsätzliche Fragen der Rechtsbeziehung zwischen uns und den Kunden geregelt, die SLAs fassen die speziellen Ansprüche des Kunden zusammen.“

Auch der Fachverband Bitkom hat einen ASP-Arbeitskreis gebildet und den ASP-Katalog mit Lösungen für den deutschen Markt bereits veröffentlicht. Zur Transparenz will Bitkom durch die Standardisierung von ASP-Diensten und SLAs beitragen. Im umfangreichen ASP-Katalog ist die Einsteinet mit SAP-Branchenlösungen, Content-Management-Systemen, Archivierungssystemen und OfficeXP über Terminal-Server vertreten. Auch die Siemens Business Services stellt mit ASP-Desktop Office2000 und mit Take-Off eine ERP-Lösung online zur Verfügung. Und Triaton beispielsweise bietet mit BuiSy ein Facility-Management-System an.

Ein Beitrag von:

  • Achim Scharf

    Ingenieur Achim Scharf ist Fachjournalist für Technikthemen und schreibt u.a. über Automation, Elektronik und IT-Themen.

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