Klage vor Gericht 17.12.2015, 13:13 Uhr

Microsoft soll Zwangsdownload von Windows 10 stoppen

Deutsche und amerikanische Verbraucherschützer wollen sich vom Software-Riesen Microsoft nicht mehr gängeln lassen. Sie wollen den Konzern zwingen, den Zwangsdownload von Windows 10 abzuschalten. Ob rechtliche Schritte helfen?

Ladenöffnung von Microsoft in den USA: Verbraucher wehren sich jetzt massiv dagegen, dass sie genötigt werden, das neue Betriebssystem Windows 10 herunterzuladen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg will den Konzern verklagen, nachdem er eine Abmahnung nicht akzeptiert hat.

Ladenöffnung von Microsoft in den USA: Verbraucher wehren sich jetzt massiv dagegen, dass sie genötigt werden, das neue Betriebssystem Windows 10 herunterzuladen. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg will den Konzern verklagen, nachdem er eine Abmahnung nicht akzeptiert hat.

Foto: Microsoft

Windows 10 wird auf den eigenen Rechner heruntergeladen, ob man will oder nicht. Hartnäckig verfolgt der Softwaregigant Microsoft aktuell sein Ziel, alle Besitzer von PCs und Notebooks, die nicht zur Apple-Gemeinde gehören, mit dem neuen Betriebssystem zu beglücken.

Erst nach dem Herunterladen der bis zu 6 GB umfassenden Datei, die manche Festplatte angesichts des gewaltigen Volumens aufstöhnen lässt, wird der Besitzer gefragt, ob er Windows 10 installieren will. Sollte er davor zurückschrecken und sich für sein altes Betriebssystem entscheiden, muss er die Datenflut selbst entfernen – oder mit dem 6-GB-Paket leben.

Abmahnung war erfolglos

„Diese Geschäftspraxis ist inakzeptabel, da sie eine unzumutbare Belästigung darstellt“, sagt Cornelia Tausch, Vorstandsmitglied der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, die vor Gericht durchsetzen will, dass Microsoft mit dieser Praxis Schluss macht. Eine Abmahnung hatte der US-Konzern nicht akzeptiert. In den USA arbeiten Kritiker an einer Sammelklage gegen Microsoft.

Oberfläche von Windows 10: Microsoft lädt das neue Betriebssystem auch ungefragt auf die User von Windows-Rechnern. 

Oberfläche von Windows 10: Microsoft lädt das neue Betriebssystem auch ungefragt auf die User von Windows-Rechnern. 

Foto: Microsoft

Im Laufe der Zeit hat der Riese aus Redmond den Druck auf die Nutzer seiner Betriebssysteme ständig verstärkt. Nur denjenigen, die tiefer in die Geheimnisse ihres Computers einsteigen (können), gelingt es noch, dem Zwangsdownload zu entgehen. In jüngster Zeit lässt Microsoft seinen Kunden nur noch die Wahl, den Download, der sich als Update tarnt, „gleich oder später“ vorzunehmen.

Anwalt sieht eine „unzumutbare Belästigung“

Der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke, der sich auf IT-, Medien- und Internetrecht  spezialisiert hat, sieht die Verbraucherzentrale im Recht: „Aus meiner Sicht darf ein Download nicht ohne Zustimmung des Nutzers gestartet werden, weil der Nutzer dadurch in unzumutbarer Weise belästigt wird. Gerichte haben bereits entschieden, dass die unverlangte Zusendung einer Ware eine solche unzumutbare Belästigung darstellen kann, auch wenn hierfür keine Bezahlung verlangt wird.“

2020 endet Unterstützung für Windows 8 und 8.1

Wenn es gelingt, vor Gericht eine Änderung der Microsoft-Praxis zu erwirken, werden sich wohl nur die Windows-7-Nutzer freuen. Denn die sind mit ihrem Betriebssystem oft zufrieden. Diejenigen, die unter Windows 8 und 8.1 zu leiden haben, werden dagegen das Angebot mit Kusshand akzeptieren.

Wie auch immer: Im Jahr 2020 will Microsoft den Support für die älteren Betriebssysteme einstellen. Dann ist ein Wechsel unumgänglich, und nicht mehr kostenlos, es sei denn, man wagt den Umstieg auf ein anderes Betriebssystem wie Linux, das dazu noch kostenlos ist, wenn man es privat nutzt.

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