Blockade der Blocker 09.12.2015, 15:49 Uhr

Microsoft verschärft Update-Zwang auf Windows 10

Seit dem Sommer gibt sich Microsoft sehr großzügig und schenkt jedem Nutzer von Windows 7 oder Windows 8 sein neues Betriebssystem Windows 10. Demnächst auch denen, die es noch gar nicht haben wollen. 

Terry Myerson (li.), Microsofts Executive Vice President für Betriebssysteme, und Joe Belfiore bei der Vorstellung von Windows 10. Das war Ende September 2014. Aussitzen will das Unternehmen die Umstellung der Windows-User auf das neue Betriebssystem nicht. Sondern baut Druck auf für ein schnelles Update. 

Terry Myerson (li.), Microsofts Executive Vice President für Betriebssysteme, und Joe Belfiore bei der Vorstellung von Windows 10. Das war Ende September 2014. Aussitzen will das Unternehmen die Umstellung der Windows-User auf das neue Betriebssystem nicht. Sondern baut Druck auf für ein schnelles Update. 

Foto: MICROSOFT

Die Ankündigung im Sommer kam für viele überraschend: Wer eine legale Lizenz für die Betriebssysteme Windows 7 oder 8 besitzt, kann innerhalb von einem Jahr kostenlos auf das nagelneue Betriebssystem Windows 10 umsteigen. Wer erst danach umsteigt, muss zahlen.

Der Deal kam gut an, immerhin 100 Millionen Nutzer haben die Option inzwischen gezogen und sind mit Windows 10 unterwegs. Eigentlich eine Erfolgsgeschichte, doch der Softwareschmiede aus Redmond kann es offenbar nicht schnell genug gehen, das Ziel hinter der Aktion zu erreichen: das Pannensystem Windows 8 vom Markt verschwinden zu lassen.  

Microsoft zieht die Daumenschrauben an

Bisher nervte Microsoft schon mit einer häufigen Einblendung, die darauf hinwies, dass die installierte Windows-Version zum kostenlosen Upgrade berechtigt ist. Diese permanente Erinnerung ließ sich bisher mit einem kleinen Tool aus dem Internet unterbinden, welches ganz simpel die zu einem Upgrade berechtigten Anwendungen blockierte. Diesen Trick hat Microsoft nun ausgehebelt, indem es diese kleinen Tools immer wieder bei jedem Neustart des Computers als Update installiert.

Blockade der Upgrade-Blocker hat System

Das führt dazu, dass die Nutzer immer wieder mit der Upgrade-Benachrichtigung konfrontiert werden, selbst wenn der Nutzer diese im Vorfeld schon ausgeblendet hat. „Microsoft hat dieses Update mehrere Male veröffentlicht. Auch wenn der Name des Updates nicht angepasst wurde, ist jede Version für sich eine neue Version“, erläutert Josh Mayfield, der eines der beliebtesten Upgrade-Blocker programmiert hat gegenüber der Fachzeitschrift Computerwelt. Mayfield glaubt, dass diese Blockade der Blocker die Basis legt, für eine wahre Upgrade-Offensive Microsofts, die im kommenden Jahr auf die Computernutzer mit Windows 7 oder Windows 8 zurollt.

Windows 10 wird „Optionales Update“

In den nächsten Wochen wird Microsoft damit beginnen, Windows 10 als „Optionales Update“ einzuspielen. Windows-Nutzer, die ihr System auf „Alle optionalen Updates installieren“ gesetzt haben, sind dann plötzlich mit Windows 10 als neuem Betriebssystem unterwegs. Auch dann, wenn sie mit ihrer bisherigen Version eines Betriebssystems ganz zufrieden waren.

Windows 10 präsentiert sich nicht mehr ganz so kachellastig wie Windows 8.

Windows 10 präsentiert sich nicht mehr ganz so kachellastig wie Windows 8.

Foto: Peter Steffen/dpa

Es folgt Schritt zwei der Upgrade-Offensive aus Redmond: Anfang 2016 wird Windows 10 zum „Empfohlenen Update“. Und solche empfohlenen Updates werden in den Standard-Einstellungen von Windows 7 und Windows 8 automatisch installiert. Diese Pläne hat Microsoft selbst Ende Oktober in seinem Blog veröffentlicht.

Noch Pannen beim Umstieg auf Windows 10 

Das ist für Millionen Nutzer der älteren Windows-Versionen ärgerlich. Erst recht vor dem Hintergrund der vielen Berichte von entnervten Menschen, bei denen der Umstieg auf Windows 10 schlicht nicht funktioniert hat. Da fehlt dann plötzlich der Sound, es gibt Speicherprobleme, Dateien gehen verloren, die Uhrzeit funktioniert nicht mehr oder der Zugriff auf den Rechner wird wegen Passwort-Problemen gleich ganz verweigert. 

Support endet im Jahr 2020

Schützen kann sich jeder Nutzer eines gut funktionierenden Computers mit einem der beiden älteren Betriebssystemen nur, indem er sich in die Untiefen dieses Betriebssystems begibt und dort die Standard-Einstellung so verändert, dass empfohlene Updates nicht automatisch installiert werden. So gewinnt man Zeit, bis die Kinderkrankheiten von Windows 10 behoben sind. Allerdings wird  Microsoft auch derart renitente Computernutzer noch herumkriegen. Denn der Support für die alten Windows-Betriebssysteme endet im Jahr 2020.

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