Mobilfunk 11.02.2000, 17:24 Uhr

Mannesmann unter neuer Regie

Mit der friedlichen Fusion von Vodafone und Mannesmann werden die Weichen neu gestellt – in den Traditionssparten der Düsseldorfer ebenso wie im weltweiten Mobilfunkmarkt.

Fusionen fordern ihren Tribut – Arbeitsplätze zumeist, aber auch anderes. Ein Opfer in der vor acht Tagen verkündeten friedlichen Fusion zwischen Vodafone und Mannesmann dürfte der Name des deutschen Traditionsunternehmen sein. Schon montieren Grafiker in Fotos das Logo des britischen Mobilfunkriesen auf das Düsseldorfer Mannesmann-Hochhaus.
Zwar sollen die Telekommunikations-Teile zunächst weiterhin Mannesmann Mobilfunk und Mannesmann Arcor heißen, andere Unternehmensfelder werden jedoch noch in diesem Jahr Feder lassen. Aus Aufsichtsratskreisen war zu hören, dass die Automobilzulieferungs- und Maschinenbausparte der Mannesmann AG unter neuem Namen an die Börse gebracht werden. Favorit aus einer Reihe von Vorschlägen sei zurzeit das Kürzel „Atecs“ für advance technologies. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, „der Prozess der Namensfindung ist noch nicht abgeschlossen“. Eine Entscheidung werde sehr bald fallen. Schließlich sollen 52 % dieses Konzernteils Mitte des Jahres an der Börse platziert werden.
An dieser von Mannesmann geplanten Strategie der Zweiteilung hat auch die Fusion nichts geändert. Sie war am Freitag letzter Woche vom Aufsichtsrat der Düsseldorfer gebilligt worden. Nach einer wochenlangen Übernahmeschlacht musste sich Klaus Esser, Chef des erfolgreichsten privaten Telekommunikations-Anbieters Europas, gegen Vodafone-Chef Chris Gent geschlagen geben. Mit einem Aktientausch im Wert von rund 400 Mrd. DM gelang Gent die bislang teuerste Fusion der Wirtschaftsgeschichte.
Nach den bislang veröffentlichten Plänen wird Mannesmann an dem gemeinsamen Unternehmen 49,5 % halten. Düsseldorf soll eine von zwei europäischen Zentralen für die Telekommunikations-Aktivitäten bleiben. Gent erklärte zufrieden, mit der Übernahme sei der „machtvollste und beste Multimedia-Konzern der Welt“ entstanden. Die Integration der Unternehmenskultur und der Kompetenzen von Mannesmann werde „höchste Priorität“ haben.
Mit Enttäuschung hat die Belegschaft der Mannesmann AG auf den Zusammenschluss reagiert. Betriebsratsvorsitzender Friedrich Apfelbaum nannte den Jubel der Börsianer „beschämend“. Der Betriebsrat habe sich monatelang gegen die Fusion gewehrt und versucht, dem Vorstand den Rücken zu stärken. Die Angst um Arbeitsplätze im Düsseldorfer Konzern sei nun sehr groß, so Apfelbaum. Im Interview mit den VDI nachrichten (VDI nachrichten vom 4. 2. 00) hatte Vodafones Business Development Manager Clarke Richards Arbeitsplatzverluste infolge der Fusion auch in den traditionellen Mannesmann-Sparten ausgeschlossen.
Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage ist mehr als die Hälfte der Deutschen geschockt von Gents Erfolg. Die Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder erwägt nun, ein neues Übernahmegesetz anzuschieben.
Während den Mannesmann-Mitarbeiter bei den Töchtern Rexroth, Fichtel und Sachs, aber auch VDO große strukturelle Veränderungen bevorstehen, scheint die Zukunft der Mobilfunker gesichert. Durch die Fusion von Vodafone Airtouch mit Mannesmann wird der größte Mobilfunkkonzern der Welt mit über 42 Mio. Kunden entstehen in elf europäischen Ländern wird Vodafone/Mannesmann den ersten oder zweiten Platz einnehmen, und im zersplitterten US-Markt ist die Gruppe für die unvermeidliche Konsolidierung in einer guten Startposition. Der Mobilfunk-Marktanteil des neuen Riesen liegt weltweit über 10 %, mit Abstand folgt die japanische NTT DoCoMo mit 6 %.
„Mit dieser Marktmacht im Rücken kann Gent seine Netze ausbauen und neue Angebote entwickeln“, mutmaßen Branchenbeobachter. Wie diese Netze künftig gestrickt sind, beobachten sie mit Spannung. Zwar sollen die beiden Festnetztöchter Arcor und Infostrada am Unternehmen beteiligt sein. Doch Vertreter der Glasfasernetze, wie Arcor-Chef Harald Stöber, wollen Gent die kombinierte Mobilfunk-Festnetz-Strategie noch etwas schmackhafter machen.
Die Konkurrenz ist schon beunruhigt. So fürchtet man z. B. bei Viag Interkom, dass der Branchenriese mit aggressiven Preisen auf strategisch wichtigen Märkten Druck machen und schwächere Konkurrenten aus dem Markt drängen könnte. Grund genug für die Münchener, die Brüsseler Wettbewerbshüter anzurufen.
Vodafone hat bei der EU-Kommission bereits am 14. Januar den Übernahmeplan eingereicht. Die Prüfungsphase endet in wenigen Tagen. Fest steht, das fusionierte Unternehmen muss sich schnellstmöglich von dem zweitgrößten britischen Mobilfunkbetreiber Orange trennen, denn aus kartellrechtlichen Gründen darf kein Unternehmen in Europa in einem Land mehr als eine Lizenz besitzen.
Die großen Investmentbanker analysieren bereits die Orange-Situation: Galten bislang France Télécom und die niederländische KPN als aussichtsreichste Übernahme-Kandidaten, so hat sich in den letzten Tagen die erst zwei Jahre alte NTT DoCoMo in den Vordergrund geschoben. Was DoCoMo für die Verkäufer von Orange besonders interessant machen könnte, ist die starke finanzielle Position der japanischen Gesellschaft, die durchaus in der Lage wäre, den Kaufpreis in bar zu entrichten. In Kreisen von Londoner Investmentbanken wird zurzeit ein Preis von 35 Mrd. Dollar genannt, ein Wert also, der noch höher liegt als der Preis, den Mannesmann vor Monaten zahlte. Die Japaner wollen ihr Mobiltelefongeschäft durch Zukäufe auf eine breitere Basis stellen – anvisierte Ziele sind Europa und die USA. DoCoMo soll dabei für so manche Zugeständnisse offen sein, glauben die Banker. Man würde sich auch mit einer einfachen Mehrheit begnügen. DoCoMo schließt also eine Verständigung mit France Télécom oder KPN über eine gemeinsame Orange-Übernahme nicht aus. PO/zel/RB
Händedruck mit Folgen: Vodafone-Chef Chris Gent und Mannesmann-Chef Klaus Esser besiegeln die bislang größte Fusion der Wirtschaftsgeschichte. Esser wird im Vorstand die traditionellen Mannesmann-Sparten leiten.

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