Internet 21.02.2003, 18:23 Uhr

„Mails & More“ – Internet in 12 000 m Höhe

Breitbandiger Internetzugang im Flugzeug – besonders Geschäftsreisende werden diesen Lufthansa-Service zu würdigen wissen.

Breitbandiges Internet im Flugzeug klingt auf den ersten Blick eher banal, beinahe selbstverständlich und logisch – doch welche technischen Hürden bis zur Realisierung zu meistern waren, erläutert Andy Schweiger, IT-Consultant der Lufthansa Systems im Projekt, an einem Beispiel: „Nehmen Sie mal zu Hause Ihre TV-Satellitenschüssel in die Hand und rennen dann mit 900 km/h los. Wenn Sie es schaffen, sie dabei so sauber auf den Sendesatelliten ausgerichtet zu lassen, dass Ihre Lieben daheim einen erstklassigen und unterbrechungsfreien Empfang haben, dann sind Sie gut – und zwar verdammt gut.“
Das 10-köpfige Team hatte nicht nur sicherzustellen, dass sämtliche Internetdienste aus Sicherheitsgründen entkoppelt bleiben von der Flugzeugelektronik, sondern auch zu klären, wie ein stetiger Satellitenempfang gewährleistet bleiben kann. In 36 000 m Höhe wartet für den Europabereich ein normaler TV-Eutelsat-Satellit auf Empfang, über dem Atlantik wird ein Hand-over auf einen Intel-Satellit für den USA-Bereich vorgenommen. „Die Abstrahlung der Satelliten beträgt nur 1° – schließlich wollen wir ja neben dem Flugzeug nicht auch noch ganze Landstriche bestrahlen oder die Nachbarsatelliten stören“, erläutert Schweiger.
In Cooperation mit „Connexion by Boeing“ wurde deshalb eine Sende-und -Empfangseinrichtung entwickelt, die in Verbindung mit dem boardeigenen GPS-System für lückenlosen Sendebetrieb sorgt. Auf dem Rücken der Boeing 747 sind Faced-Array-Antennen montiert, die die Datenpakete auf die Reise schicken und dafür sorgen, dass der Strahl immer auf die Satelliten ausgerichtet bleibt. Nachdem die Datenpakete die Satelliten erreicht haben, werden sie zu Bodenstationen in Europa (Leuken/Schweiz) oder in den USA (Littleton) abgestrahlt. Erst dann gehen die Daten ins Internet. Dabei betragen die Signallaufzeiten zwischen 0,6 s und 1,2 s. Das reicht zwar (noch) nicht für wirklich befriedigendes Videoconferencing oder IP-Telefonie, doch Surfen, Download (3 Mbit/s, bis 20 Mbit ausbaubar), Upload (128 kbit/s, bis 1 Mbit ausbaubar) oder E-Mail-Verkehr funktionierten bei Tests der VDI nachrichten etwa in gewohnter ISDN-Geschwindigkeit, wie man sie von zuhause kennt.
An Bord hat der IT-Provider Lufthansa Systems ein Netzwerk installiert, das – bei zumindest 400 theoretisch angeschlossenen Sitzplätzen – mit dem eines mittelständigen Unternehmens vergleichbar ist. In der Umrüstphase der 747 wurden rund 4,5 km Kabel verlegt für eine Ethernet-Verkabelung sowie 5 Access-Points in die Innenverkleidungen integriert, die alle den drahtlosen IEEE-Standard 8002.11b unterstützen.
Konkurrenzlos ist das Lufthansa/Boeing-System allerdings nicht. Das von Tenzing entwickelte Internetsystem des europäischen Airbus-Konsortiums beruht allerdings auf einer langsamen Schmalbandverbindung und bietet kein reines „Internet“, sondern lediglich Webseiten, die vor dem Start auf dem Board-Server gespeichert werden. E-Mails werden vom Tenzing-System zwischengespeichert, unter anderem auch deshalb, weil die Internetverbindung via Satellit noch nicht lückenlos verfügbar ist. Zwar ist das etwa 50 000 € teure Tenzing-System etwa um den Faktor 10 günstiger zu installieren als Lufthansas Connexion by Boeing, doch ob die Flugreisenden es als „echtes Internetangebot“ akzeptieren, bleibt abzuwarten.
Intensiv widmete sich Lufthansa Systems dem Thema Sicherheit: „Unser System in der Maschine ist kein eigener Knoten im Netz und kann von daher auch nicht angepingt werden“, so Schweiger. Zusätzlich wird der Funkverkehr hochverschlüsselt. Über die Satellitenverbindung kann zudem ein Virtual Private Network (VPN) aufgebaut werden, das den Reisenden einen verschlüsselten Datentunnel in ihr Intranet gewährleistet.
Wählt man sich ein, befindet man sich zunächst auf dem Lufthansa-Portal FlyNet, das Informationen zu Reisezielen, Touristik oder Boardangeboten bietet. Erst nach Klicken auf „Connexion by Boing“ steht die ganze Bandbreite des Internets zur Verfügung. Greg Miller, Geschäftsmann aus Baltimore, ist sichtlich angetan: „Ich kann E-Mails schreiben, im Internet recherchieren und sogar innerhalb meines eigenen Firmennetzwerks arbeiten!“
Die Boeing 747–400 (Sachsen-Anhalt) ist derzeit die einzige Maschine der Lufthansa mit Internetzugang (Frankfurt-Washington-Frankfurt, LH 418/419). Bis April ist dieser Dienst in der dreimonatigen Testphase für die Flugreisen kostenfrei, später – voraussichtlich ab Mitte 2004 – wird „Internet im Flugzeug“ auf mehreren Lufthansa-Routen angeboten werden und soll dann ca. 30 € bis 35 € kosten. Auch British Airways, traditionell eher Airbus und damit dem Tenzing-System verbunden, setzt künftig auf Connexion by Boeing und wird Internet im Flugzeug auf ausgewählten Strecken anbieten.   PETER KELLERHOFF

  • Peter Kellerhoff

    Peter Kellerhoff

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Automobil, Nutzfahrzeuge, Schiff, Bahn, Verkehr, Mobilität, E-Mobilität, Software, Cloud, Internet, KI

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