Mobilfunktechnik 01.06.2012, 11:56 Uhr

LTE-Mobilfunk stößt in Deutschland auf Hindernisse

Long Term Evolution (LTE) soll die nächste Stufe auf dem Weg zur mobilen Gigabyte-Gesellschaft einläuten. Doch im Gegensatz zu Asien und den USA verläuft die Nachfrage in Deutschland bisher schleppend – was nicht nur am Wirrwarr um die Frequenzen liegt.

Die Nachfrage nach LTE verläuft in Deutschland schleppend.

Die Nachfrage nach LTE verläuft in Deutschland schleppend.

Foto: Deutsche Telekom AG

Vodafone gibt Vollgas: Schon auf der Startseite ihres Internetauftritts trommeln die Düsseldorfer für das LTE-Netz, das „immer und überall verfügbar“ sein soll – „turboschnell und ohne DSL“. Tatsächlich begann das Unternehmen schon zur CeBIT 2012 mit der aktiven Vermarktung LTE-fähiger Smartphones, während sich die Konkurrenz zunächst mit dem Verkauf von Datensticks und Routern begnügte, die vor allem die toten Winkel der Republik bedienen sollten, die bisher vom Breitbandinternet abgehängt waren. In Kürze will Vodafone in einigen Großstädten mobile Datenraten bis zu 100 Mbit/s anbieten – 50 % mehr als bisher.

Möglich machen das Highspeed-Plus die neu nutzbaren Frequenzen um 2,6 GHz, während man sich bisher wegen der von der Bundesnetzagentur festgelegten Versorgungspflichten in ländlichen Regionen auf den 800-MHz-Bereich konzentrierte. „In den Bundesländern, in denen die Bewohner schneller das breitbandige LTE-Internet nutzen können, wird Vodafone auch LTE in den Städten anbieten“, berichtet Dirk Ellenbeck, Leiter Kommunikation Technik & Innovationen bei Vodafone.

Telekom: 2012 wird das LTE-Jahr

Der Konkurrent Deutsche Telekom, der eine eigene Website für den Datenschnelldienst freischalten ließ (www.lte-city.de), trommelte kürzlich auf mehreren Veranstaltungen für den Turbo-Start in Hamburg, Leipzig, München und Bonn, wo per Surf-Stick, Tablet oder Notebook im Frequenzbereich um 1,8 GHz ebenfalls bis zu 100 Mbit/s möglich sein sollen. Berlin ist dann im Juni dran. „2012 wird das LTE-Jahr“, prophezeit Telekom-Technikchef Bruno Jacobfeuerborn.

Ab Anfang 2013 wollen die Bonner die LTE-Nutzung sogar in Verbindung mit Prepaid-Tarifen anbieten, voraussichtlich ein Jahr später soll dann auch die IP-basierte Sprachübertragung möglich sein, wie aus einem internen Papier hervorgeht.

Es herrscht also Aufbruchsstimmung in der Branche – doch in den Köpfen vieler Verbraucher ist der Mobilfunk der vierten Generation (4G) noch nicht angekommen. Zwar könnten nach einer Umfrage des Hightechverbandes Bitkom bereits 14 Mio. deutsche Haushalte den neuen Mobilfunkstandard nutzen, nachdem über 3000 entsprechende Basisstationen in Betrieb genommen wurden. Aber nicht mal 200 000 Kunden nutzen die neue Technologie, obwohl nach der Versorgung des ländlichen Raums immer mehr Metropolen an das 4G-Netz angedockt werden und der Bitkom unlängst in einer Mitteilung frohlockte: „Bis Ende dieses Jahres wird LTE in rund 300 Städten verfügbar sein und die bestehende Breitbandversorgung erheblich verbessern.“

LTE-Durchbruch lässt auf sich warten

Dass der kommerzielle Durchbruch auf sich warten lässt, mag zum einen daran liegen, dass die verfügbare LTE-Hardware bisher nur auf bestimmten Frequenzen funkt und damit nicht mit jedem Netz kompatibel ist. Von der internationalen Nutzung ganz zu schweigen, die gerade für viel reisende Business-
kunden bedeutsam ist. So kassierte beispielsweise Apple das werbewirksame Luxus-Feature 4G für das neue iPad unauffällig wieder ein, als kritisiert wurde, dass sich der Tablet-Star nur in die nordamerikanischen LTE-Netze einbuchen kann. Nun wird die Mobilfunkvariante des Tablets schlicht mit dem unverbindlichen Zusatz „Cellular“ beworben.

Ein großes Hemmnis sind aber zweifellos auch die happigen Gebührenaufschläge, mit denen sich die deutschen Carrier den Einstieg in die Technologie honorieren lassen, wenn man mit dem Laptop oder Tablet online gehen möchte (s. Tabelle). Ist das im jeweiligen Tarif inkludierte Datenvolumen verbraucht, wird bei Vodafone oder Telekom gnadenlos auf 64 kbit/s heruntergeregelt – und die vielspurige Datenautobahn zum holprigen Feldweg.

Die Telefónica-Marke O2 will erst Anfang Juli mit Paketen für die mobile LTE-Nutzung an den Start gehen es besteht aber wenig Hoffnung, dass die Konditionen erheblich besser sein werden. Vorerst ganz aus dem Highspeed-Rennen verabschiedet hat sich die KPN-Tochter E-Plus. „Für uns steht erst einmal HSPA+ mit Datenraten bis 21,6 Mbit/s im Fokus“, betont Pressesprecher Klaus Schulze-Löwenberg. „Der Start von LTE wird erst erfolgen, wenn ein entsprechender Kundenbedarf und ausreichend Endgeräte zu massenmarktfähigen Preisen vorhanden sind.“

LTE-Smartphones: Löwenanteil ist für USA und Asien bestimmt

Das kann dauern. Zwar erwartet die Global Mobile Suppliers Association (GSA), ein Zusammenschluss von Han-dyherstellern und Netzausrüstern, dass 2012 weltweit 347 neue LTE-Smart-
phone-Modelle in den Handel kommen, doch der Löwenanteil ist für die Märkte in den USA und Asien bestimmt, in denen der schnelle Datenstandard längst zum Höhenflug angesetzt hat: Allein der japanische Netzbetreiber NTT Docomo konnte im ersten Quartal dieses Jahres rund 400 000 LTE-Handsets absetzen.

In Deutschland wird aber schon beim wichtigen Ausbau der Breitbandnetze von Behördenseite gebremst. „Derzeit liegen mehrere Tausend Anträge zur Genehmigung von Richtfunkstrecken bei der Bundesnetzagentur, die wegen Personalmangels nicht fristgerecht bearbeitet werden können“, kritisiert der Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Jürgen Grützner. „Hier muss endlich gehandelt werden!“

Mobile LTE-Tarife in Deutschland 

Bisher bieten nur die Telekom und Vodafone Tarife für die Nutzung des Datenturbos mit USB-Stick, Tablet oder Smartphone an. Die Preise sind hoch, und die beworbenen Übertragungsraten von 50 Mbit/s stehen noch längst nicht überall zur Verfügung. Außerdem wird nach dem Verbrauch des tariflich festgelegten Datenvolumens auf 64 kbit/s heruntergebremst. (s. Tabelle auf dieser Seite)

LTE: Mobiler Highspeed-Rausch mit Hindernissen

LTE: Mobiler Highspeed-Rausch mit Hindernissen

Ein Beitrag von:

  • Frank Erdle

Stellenangebote im Bereich Softwareentwicklung

ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften-Firmenlogo
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Informatiker/-in für Software Security und Security Testing als Wissenschaftliche/-r Mitarbeiter/-in Winterthur (Schweiz)
Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth-Firmenlogo
Jade Hochschule Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth Professur (W2) für das Gebiet Medizinische Informatik Wilhelmshaven
Murrelektronik GmbH-Firmenlogo
Murrelektronik GmbH Applikationsingenieur / -Techniker (m/w/d) Kirchheim/Teck, Oppenweiler / Mobile working / remote
Northrop Grumman LITEF GmbH-Firmenlogo
Northrop Grumman LITEF GmbH Entwicklungsingenieur Software (m/w/d) Freiburg
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften-Firmenlogo
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Dozent/in für Informatik (Fachbereich Intelligent Information Systems) Winterthur (Schweiz)
Knauf Engineering GmbH-Firmenlogo
Knauf Engineering GmbH Ingenieur (m/w/d) für Automatisierungstechnik und Robotik Iphofen (Raum Würzburg)
OPTIMA packaging group GmbH-Firmenlogo
OPTIMA packaging group GmbH HMI / SCADA Programmierer (m/w/d) Schwäbisch Hall
DESY Deutsches Elektronen-Synchrotron-Firmenlogo
DESY Deutsches Elektronen-Synchrotron Entwicklungs- und Softwareingenieurin (w/m/d) für industrielle Prozesskontrollen Hamburg
Innoma System GmbH-Firmenlogo
Innoma System GmbH Softwareentwickler*in (m/w/d) Schwalbach-Hülzweiler
B. Braun Melsungen AG-Firmenlogo
B. Braun Melsungen AG Expert Operational Technology (w/m/d) Melsungen

Alle Softwareentwicklung Jobs

Top 5 IT & T…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.