Mobilfunktechnik 11.05.2012, 11:57 Uhr

LTE: Mobiler Internetturbo mit Startschwierigkeiten

Drei Buchstaben stehen für das mobile Internet der Zukunft: LTE, Long Term Evolution. Doch die Einführung in Deutschland verläuft schleppend. Aktuell ist lediglich eine geringe Zahl an Routern, Datensticks und Smartphones für den neuen Standard verfügbar – aber das ist nicht das einzige Problem.

Die Einführung von LTE verläuft schleppend.

Die Einführung von LTE verläuft schleppend.

Foto: Deutsche Telekom AG

Als Apple-Chef Tim Cook Anfang März das neue iPad präsentierte, war die Verzückung groß: Als eines der Highlights wurde der Anschluss an die neue LTE-Welt angepriesen. Doch schon einen Tag später setzte bei europäischen Konsumenten Ernüchterung ein: Das iPad funkt lediglich in den USA und Kanada im breitbandigen Mobilfunk, wo für LTE das 700-MHz- und das 2100-MHz-Band reserviert sind.

Hierzulande setzen die großen Mobilfunker vor allem auf Frequenzen in den Bereichen 800 MHz und 2600 MHz. Während 2011 vor allem die Erschließung DSL-loser Gebiete auf dem Land im Vordergrund stand, soll LTE jetzt auch Smartphone-Nutzer in Metropolen wie Hamburg, Köln oder Frankfurt anlocken.

Vodafone vermarktet bereits LTE-Smartphones

Am weitesten lehnt sich Vodafone aus dem LTE-Fenster: Die Düsseldorfer vermarkten bereits drei Smartphones für den mobilen Surfrausch, der künftig Download-Geschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s ermöglichen soll. Unter optimalen Bedingungen dauert die Übertragung eines einstündigen DVD-Videos (4,7 GByte) dann nur noch 6 min. Zum Vergleich: Bei der erweiterten UMTS-Technik HSPA würde das mit 7,2 Mbit/s bis zu 1,5 h dauern.

Die Realität sieht derzeit aber anders aus: Weil die Mobilfunkbetreiber im LTE-Regelbetrieb noch nicht Vollgas geben, werden meist nur Datenraten zwischen 20 Mbit/s und 50 Mbit/s erreicht.

Wer trotzdem in das neue Webzeitalter einsteigen will, um große Datenmengen schnell übertragen zu können, hat die Wahl zwischen LTE-fähigen Routern wie der Fritzbox 6840 LTE (ab 300 €) für den stationären Einsatz oder USB-Surfsticks für Notebooks und Tablet. Die gibt es bei Vodafone und der Deutschen Telekom mit zweijährigem Mobilfunkvertrag für weniger als 10 € ohne Vertrag kosten sie zwischen 100 € und 150 €.

„Zusätzlich werden wir bald sogenannte MiFi-Devices anbieten“, kündigt Dirk Ellenbeck, Leiter Kommunikation Technik & Innovationen bei Vodafone, an. Und meint damit sogenannte Mini-WiFi-Router. „Die kleinen akkubetriebenen Router machen LTE unterwegs über WLAN für bis zu fünf Geräte wie Tablets oder Notebooks verfügbar.“

HTC päsentiert im Frühjahr erstes LTE-Smartphone

Als erstes LTE-Smartphone kam im Frühjahr das HTC Velocity 4G auf den Markt, das mit Android 2.3 plus zweijähriger Vertragsbindung ab 49,90 € angeboten wird. Zur weiteren Ausstattung des Dual-Core-Geräts mit 1,5 GHz zählen HSPA, WLAN, ein 4,5 Zoll großer Touchscreen (540 x 960 Pixel) sowie eine HD-Kamera mit 8 Megapixel.

Als Alternative ist seit Kurzem das Samsung Galaxy S II in einer LTE-Variante erhältlich (ab 149,90 €). Es bietet im Vergleich zum gleichnamigen Verkaufsschlager ohne LTE ein größeres Display und einen schnelleren Prozessor mit zwei Kernen. Auch den Akku haben die Koreaner aufgebohrt. Das erst vor einer Woche vorgestellte Galaxy S III dagegen hat in Europa kein LTE an Bord.

Als drittes Gerät ist das Optimus True HD LTE von LG Electronics angekündigt: Das Smartphone mit dem sperrigen Namen verfügt über ein 4,5-Zoll-Display (1280 x 720 Pixel). Auch dieses Modell wird von einem 1,5 GHz starken Dual-Core-Prozessor angetrieben.

Test: LTE-Smartphones funktionieren noch nicht reibungslos

Erste Praxistests mit den LTE-Phones ergaben, dass deren Einsatz im Netz noch Einschränkungen mit sich bringt. So ist es beispielsweise nicht möglich, über LTE Daten aus dem Internet abzurufen und gleichzeitig zu telefonieren, da die Sprachübertragung über GSM oder UMTS läuft („Circuit Switched Fall Back“), was erheblich am Akku zehrt. Problematisch ist auch, dass ein Anruf beispielsweise eine auf dem Handy laufende Banking-App stört und die gesicherte Onlineverbindung abbricht.

Solche Szenarien dürften der Grund sein, warum die Telekom erst im Sommer LTE-Smartphones vermarkten will: „Die Integration verschiedener Technologien in einem Endgerät stellt höchste Anforderungen an die Endgerätehersteller sowie Netzbetreiber“, erklärt Pressesprecher Dirk Wende. „Wir führen zunächst einen Testlauf mit ausgewählten Kunden durch, um abseits der Laborwerte detaillierte Informationen zu sammeln.“

O2 steigt ab Juli in LTE-Technik ein

Ähnlich abwartend gibt man sich in der Münchner Telefónica-Zentrale. O2-Sprecher Markus Oliver Göbel nennt als Vermarktungsstart den 2. Juli: Ab diesem Zeitpunkt sollen die Kunden „einen LTE-fähigen Surfstick von ZTE und mindestens zwei Smartphones“ kaufen können. Dass die Palette an LTE-fähigen Smartphones in diesem Jahr insgesamt überschaubar bleiben wird, liegt vor allem an den Chipherstellern: Qualcomm hat kürzlich Engpässe bei der Produktion des Snapdragon S4 mit LTE-Unterstützung eingeräumt, und Nvidia kann seinen neuen Prozessor für Mobilrechner (Tegra 3+) erst ab Herbst liefern.

Brancheninsider wie John Delaney, Research Director Consumer Mobile bei IDC, wundern sich dennoch über den „trägen LTE-Rollout in Europa – ganz im Gegensatz zu Nordamerika“. Delaney erwartet aber, dass sich die Technologie schneller durchsetzen wird als UMTS: „Die Netzbetreiber wollen LTE, weil sie mehr Bandbreite bei geringeren Kosten benötigen, und die Nutzer, weil sie Apps mögen, die von der mobilen Highspeed-Connectivity leben – beispielsweise Multi-Player-Spiele.“

 

Ein Beitrag von:

  • Frank Erdle

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