Software 21.12.2007, 19:32 Uhr

Linux gelangt auf Schleichwegen vom Server auf die Arbeitsplatzrechner  

Windows ist auf über 85 % aller Client-PCs die Einheitskost. Mit neuen Versionen schicken sich die Linux-Anbieter jetzt an, auch den Desktop zu erobern.

Führende Linux-Anbieter wie Red Hat und Novell Suse geben zu, dass Desktop Linux noch eine Weile brauchen wird, bis es auf Client-PCs in bedeutendem Ausmaß vertreten ist. Statt die Windows-Bastion frontal anzugreifen, verfolgen sie daher eine Strategie der Einkreisung und schrittweisen Ersetzung. „Die Strategie Red Hats besteht darin, vom Server auf den Desktop vorzudringen“, erläutert Jan Wildeboer, Solution Architect bei Red Hat. „Dabei sagen wir nicht, wir seien das bessere Windows.“

Bei Novell Suse hat Holger Dyroff, Vice President für Linux-Produktmanagement, eine klare Vorstellung davon, wo sein Markt ist: nicht beim Heimanwender, sondern in den Unternehmen. Er hat sechs Marktsegmente ausgemacht, die für Desktop-Linux infrage kommen: Thin Clients, Fixed Function Workstations (Kioske, Verkaufsstationen), Transactional Workstations, etwa in einer Autovermietung, schließlich den klassischen Windows-Markt des Basic Office Workers und die Technical Engineering Workstation (für CAE und CAD).

Den Power User, so Dyroff, könne er als einziges Marktsegment nicht adressieren. Für Grafikbearbeitung etc. benötige dieser Anwender eine Hochleistungsmaschine. Von Apple etwa bekäme er sie. „In den ersten drei Segmenten haben wir einen Marktanteil von 3 bis 5 % erreicht und auf der Technical Engineering Workstation sogar über 5 %“, freut sich Dyroff.

Diese Prozentzahlen klingen nicht berauschend, aber nur vor dem Hintergrund, dass Windows auf weltweit über 500 Mio. PCs läuft. Die Linux-Anbieter können auf Großkunden verweisen, die mehrere zehntausend Linux-Client-Lizenzen gekauft haben. Namhaftester europäischer Suse-Kunde Novells etwa ist die PSA Group mit den Automarken Peugeot und Citroën.

Die PSA Group, die 20 000 Linux-Clients und 2500 Linux-Server installieren will, „stand vor der Wahl, auf Windows Vista zu migrieren, doch die Kosten für Lizenzen und Migration waren zu hoch“, sagt Dyroff. „Das Unternehmen spart nun 90 % der Lizenzkosten. Der Schulungsaufwand für Vista und Office 2007 ist etwa genauso hoch wie für die Migration auf Suse Enterprise Desktop und OpenOffice.org.“

Suse Linux Enterprise Desktop (SLED), auf die Bedürfnisse von Geschäftsanwendern zugeschnitten, ist aber nur ein Desktop-Linux von vielen. Obwohl sich die alljährlich durchgeführten Benutzerumfragen der Linux Foundation und von DesktopLinux.com in den genauen Prozentanteilen widersprechen, ergeben die Umfragen in mancher Hinsicht ein deutliches Bild: „Die Zahl der Linux-Anwender hat sich zwischen 2006 und 2007 ungefähr verdoppelt“, erläutert Chefredakteur Steven J. Vaughan-Nichols von DesktopLinux.com, „und Ubuntu bleibt nach wie vor die bevorzugte Linux-Distribution.“

Demnach erreicht die Familie des Debian-basierten Ubuntu 30 % Marktanteil, gefolgt von OpenSuse plus SLED (21%), Fedora/Red Hat (9 %) und anderen. Da Ubuntu von Haus aus mit der Arbeitsoberfläche Gnome ausgeliefert wird, hat Gnome mittlerweile KDE als beliebtesten Desktop abgelöst. Mit dem Release 4.0 wollen die KDE-Entwickler im Januar 2008 diese Scharte wieder auswetzen. Neben den üblichen Betriebssystemkomponenten wie Dateimanager, Browser und Remote Client wurde KDE 4 um Bluetooth- und Blogging-Support ausgebaut.

Das Pendant Fedora 8, das Red Hat seit November mit einer komplett überarbeiteten Oberfläche anbietet, lässt sich individuell für Spiele, Entwickler und elektronisches Labor anpassen. Aber es gebe noch viel zu tun, geben Dyroff und Wildeboer zu. Kürzlich etwa hat Suse die Integration mit Microsofts Verzeichnisdienst Active Directory auf Kundenwunsch hin berücksichtigt, und die Linux-Gemeinde entwickelt Hardwaretreiber und ERP-Anwendungen. Für die Verwaltung der Linux-Desktops stellt Novell sein Produkt Zenworks Linux Management und Red Hat das Tool Red Hat Network bereit. „Der Einsatz lohnt sich ab 30 bis 40 Linux-Clients“, so Wildeboer, während er sich für Dyroff Zenworks erst ab 50 bis 100 Clients bezahlt macht.

Während es quelloffene Verwaltungswerkzeuge für Linux-Server gibt, zeigen sich für Clients erst Anfänge, so etwa das Opensource-Tool Gosa von Gonicus – die Stadt München verwaltet damit ihre Linux-Desktops – und der Corporate Server von Univention. Die Linux Solutions Group e.V. (Lisog.org) hat entsprechende Angebote getestet und beurteilt. Projektleiter Nico Gulden: „Unter den gezeigten Produkten sollte es dem Anwender möglich sein, eine geeignete Lösung zu finden.“

MICHAEL MATZER

www.Lisog.org

www.Desktoplinux.com

www.Novell.de/Linux

www.redhat.com

 

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