Mobilfunk 29.10.1999, 17:23 Uhr

Leichter wechseln mit gleicher Handy-Nummer

Die Mitnahme der Handy- Nummer beim Anbieterwechsel sorgt für neuen Zündstoff zwischen Netzbetreibern und Service-Providern. Noch in diesem Jahr soll die Regulierungsbehörde dazu eine Entscheidung fällen.

Der Paukenschlag steht offenbar kurz bevor: „Endlich kommt Bewegung in die Sache“, freut sich Peter Sobotka vom Moerser Telefonclub TCS. Dass in Bonn die Regulierungsbehörde an einer Neuerung für den deutschen Handy-Markt bastelt, sorgt vielerorts für Aufregung. Es geht der Wettbewerbshürde Nr. 1 im boomenden Mobilfunkmarkt an den Kragen – so sehen es zumindest all jene, die sich seit Jahren für die netzübergreifende Rufnummernportabilität einsetzen.
Dazu zählen Service Provider wie Talkline, Debitel und Mobilcom, aber auch Telefonmakler und Verbraucherschützer. „Für Geschäftskunden bringt die derzeitige Praxis riesige Probleme – und für Privatleute zeichnen sich auch immer mehr negative Folgen ab“, so Talkline-Sprecher Stefan Klebor. Gegner der Portabilitäts-Vorschrift waren bislang vor allem die Netzbetreiber wie T-Mobil und Mannesmann Mobilfunk, die von der Wechselhürde profitieren und sich seit Anfang 1998 mit Erfolg gegen eine Übertragbarkeit der Nummern gewehrt haben.
Nun soll es schnell gehen: Vermutlich noch vor Jahresende wird die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP) entscheiden, ob deutsche Handy-Kunden künftig ihre Rufnummern behalten dürfen, wenn sie die Mobil-Telefongesellschaft wechseln.
Attraktiver wird die Kündigung auslaufender Zwei-Jahres-Verträge bei Nummernmitnahme zum neuen Anbieter in jedem Fall: Momentan führt der Wechsel der Telefongesellschaft im deutschen Mobilfunkmarkt automatisch zu einer neuen Rufnummer – eine lästige und teure Fußangel.

Unsicherheiten über den technischen Aufwand

Viele Service Provider und TK-Berater sehen darin einen klaren Verstoß gegen § 43 des Telekommunikationsgesetzes. Doch aufgrund technischer Probleme, so die Regulierungsbehörde, wurde die Umsetzung des Paragrafen bis Ende dieses Jahres ausgesetzt. Jetzt steht die Behörde unter Druck: Schon auf einer der kommenden Präsidiumssitzungen soll über eine Beschlussvorlage zur Rufnummernportabilität im Handy-Markt entschieden werden.
Zuvor gibt es nach unbestätigten Angaben noch einmal eine Anhörung in Bonn, an der auch die Netzbetreiber D1, D2, E-Plus und Viag Interkom teilnehmen. Unsicher ist, welcher (technische) Aufwand mit einer neuen Vorschrift verbunden ist – und welche Kosten. Die Interessensvertretung der privaten Telefongesellschaften VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) bezieht in diesem Streit erst gar keine Position zu diesem Thema, da zu ihren Mitgliedern Netzbetreiber wie Service Provider gehören.
Auf der Suche nach Argumenten lohnt ein Blick ins Ausland. Hier finden beide Lager Unterstützung. So wird in Ländern wie Frankreich oder Japan eine Rufnummernportabilität als unnötiger Markteingriff betrachtet. In den USA plant die Aufsichtsbehörde FCC die Einführung der Nummernportabilität bis Ende März 2000. Der stark regional gegliederte US-Handy-Markt lässt sich jedoch nur schlecht mit deutschen Verhältnissen vergleichen.
Eher als Orientierung geeignet: Die Briten und Niederländer haben längst die Nummernmitnahme im Mobilfunk eingeführt. In beiden Fällen zunächst als Anruf-Weiterleitung – mit entsprechenden Komforteinbußen. Alan Penney, Nummerierungsexperte der britischen Regulierungsbehörde Oftel will die technische Realisation jedoch modernisieren: „Künftig wollen wir weg von der Weiterleitung, hin zu Lösungen in Intelligenten Netzen.“
Nun soll, glaubt man Insidern, eine bereits in Auftrag gegebene Studie die Einführung der Rufnummernportabilität empfehlen. Gleichzeitig scheint der Regulierungsbehörde allerdings bewusst zu sein, dass die technische wie organisatorische Umsetzung nicht mehr bis zum Jahreswechsel passieren kann. „Die Realisation der Vorschrift würde vermutlich bis Ende des Jahres 2000 dauern“, so Talkline-Sprecher Stefan Klebor.
Die Regulierungsbehörde betont, dass derzeit über eine netzinterne Rufnummernportabilität diskutiert werde. Ein Alternativvorschlag, für den sich auch Peter Sobotka vom Telefonclub TCS in Moers stark macht. So könnte zumindest ein D1-Vertrag bei Debitel gekündigt und bei Abschluss eines D1-Vertrages bei Drillisch der Nummernwechsel verhindert werden. Technisch wäre dies die einfachste Möglichkeit und die sicherste Variante, um potentielle Gefahren einer netzübergreifenden Lösung (blockierte Dienste wie SMS-Versand oder WAP-Anwendungen) auszuschließen.
Geklärt werden muss schnell auch noch eine Rechtsauslegung, auf die der Sprecher der Regulierungsbehörde, Harald Doerr, schon im vergangenen Jahr aus gutem Grund hingewiesen hatte: „Wer sich den § 43 im TKG anschaut, stellt fest, dass die Vorgabe zur Rufnummernportabilität ohnehin nur für die Netzbetreiber gelten würde.“ Was er damals aussprach, könnte so manchem Nummern-Kämpfer den Wind aus den Segeln nehmen. Dann droht die Wechselhürde Rufnummer lediglich all denen, die von Netzbetreibern zu Service Providern wechseln.
ROBERT FAHLE
Noch der Klassiker: Beim Wechseln des Netzes oder des Anbieters erhalten Handy-Kunden jedes Mal eine neue Rufnummer.

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