Software 01.09.2006, 19:23 Uhr

Kreativität aus der Maschine  

Wer keine Wunder erwarte, könne durchaus Nutzen daraus ziehen.

Samsung hat schon 8000 Arbeitsplätze mit unserer Software Goldfire Innovator ausgestattet“, erklärt Alexander Huwe, Geschäftsführer der Invention Machine Germany GmbH. Auch Hewlett-Packard, Intel und 1200 weitere Firmen setzten bei Neuentwicklungen und Produktverbesserungen auf das Programm.

Software, um Ideen zu finden und Produkte weiterzuentwickeln? Trotz der Referenzen bleiben Zweifel. Doch Invention Machine ist nicht die einzige Firma, die derartige Versprechen macht. Im Internet (www.innovationssoftware.de) hat die Fraunhofer Technologie- und Entwicklungsgruppe TEG, Stuttgart, eine ganze Webseite zusammengestellt, um Interessenten einen Überblick über die Produktvielfalt zu geben. TEG-Abteilungsleiter Stefan Kohn steht den Angeboten zumindest aufgeschlossen gegenüber: „Wer keine Wunderdinge erwartet, kann durchaus Nutzen aus ihnen ziehen.“

Einfachste Programme setzen beim betrieblichen Vorschlagwesen an. Sie erlauben es der Belegschaft, Ideen via Intranet einzureichen. Die Resonanz ist laut Kohn deutlich größer, als in solchen Firmen, die auf Briefpost von ihren Mitarbeitern warten.

„Die Programme sind in den Vereinigten Staaten schon viel verbreiteter als hier“, berichtet Kohn. Er rechne fest damit, dass sie sich auch in Europa durchsetzen. Denn der Rahmen, den eine gut gemachte Software biete, erleichtere Erfindern und Entwicklern die Arbeit ungemein.

Invention Machine Chef Huwe wird es gern hören. Er baut gerade einen deutschen Ableger des US-Unternehmens auf. Noch nutzen wenige deutsche Kunden den „Goldfire Innovator“. Das Programm gibt den Weg zu neuen Ideen vor. Erster Schritt ist eine Ist-Analyse, um Verbesserungspotenziale an Produkten oder Betriebsabläufen zu erkennen. Schon dabei zwingt die Software den Nutzer, den Status quo in Modelle zu übersetzen – und über diese Abstraktion gewohnte Denkmuster zu verlassen. „Entwicklern stehen oft ihre Erfahrungen im Wege, um zu neuen Ansätzen zu gelangen“ so Huwe.

Ist ein Problem erkannt, hilft die Software beim Unterscheiden von Ursachen und Symptomen. Beim Entwickeln einer besseren Lösung kommen schließlich eine Datenbank mit 8000 technischen Wirkprinzipien aus unterschiedlichen Branchen und eine Datenbank mit 15 Mio. Patenten zum Zuge. Letztere vermittelt Entwicklern technische Anregungen ohne patentrechtlichen Ballast.

Herzstück der Software ist eine Suchfunktion, die auf ausformulierte technische Fragen der Entwickler hin Patente zu Tage fördert, die mögliche Antworten geben. Anspruch auf Vollständigkeit erheben die Patentrecherchen nicht. Vielmehr sollen Entwickler schnell Lösungsansätze anderer Branchen finden. Zudem können sie mit der Software ein Auge auf Neuentwicklungen werfen: Goldfire Innovator bietet Zugang zu 3000 nicht öffentlichen technischen Webseiten, die ebenfalls semantisch durchsucht werden. Darüber hinaus lassen sich die eigenen Wissensdatenbanken mit der Software verknüpfen, um gerade in großen Unternehmen der Gefahr von Doppelentwicklungen vorzubeugen.

Auch im Innovationsprozess selbst sorgt die Software für Transparenz: „Konstrukteure können ganz genau nachvollziehen, wie die Vorentwickler zu einer Lösung gekommen sind und welche Überlegungen sie verworfen haben“, wirbt Huwe. Das entschärfe Konfliktpotenziale und Kompetenzgerangel.

Die Software richtet sich an Großunternehmen. Pro Arbeitsplatz müssen sie 25 000 € zahlen – und die Vorteile kommen laut Invention Machine erst ab zehn Nutzern richtig zum Tragen.

Völlig anders steigt die im Januar gegründete Zephram GbR in den Markt für Ideensoftware ein. „Uns geht es um den viel beschworenen Geistesblitz“, so Prof. Graham Horton, der das Spin-off der Uni Magdeburg mit seinen Ex-Studenten Jana Görs und René Chelvier leitet. Das Trio baut mit eigens geschulten Studenten so genannte Ideenfabriken auf, in denen sie – mal mit und mal ohne Auftraggeber – Ideen zur Lösung einer vorher definierten Problemstellung entwickeln. Je nach Dauer und Teilnehmerzahl entstehen dabei mehrere hundert bis tausend Ideen.

Die Workshops der drei Ingenieure laufen gemäß Hortons Theorie vom „Idea Engineering“ nach exakt geplanten Drehbüchern ab, über deren Einhaltung ein Moderator wacht. Er gibt vor, welche Perspektive die Ideenproduzenten einnehmen. Diese wird regelmäßig gewechselt. Mal sind konservative, mal freche Herangehensweisen gefragt. Mal werden nahe liegende Ziele formuliert, mal exotische. Ein wesentlicher Teil des Idea Engineering besteht laut Horton darin, den für die jeweilige Aufgabenstellung ergiebigsten Perspektivwechsel zu finden.

Software setzt Zephram bei Online-Workshops ein. Diese laufen ebenfalls nach individuell erarbeiteten Drehbüchern unter Regie eines Moderators ab. Hortons ursprüngliche Skepsis, ob das Computer-Programm trotz der eher mauen Dynamik an einer Tastatur funktioniere, ist längst verflogen: „Online-Sitzungen sind oft effektiver als echte Treffen“, sagt er. Vermutlich falle die Angst vor Blamagen weg und stille Zeitgenossen kämen besser zum Zug. PETER TRECHOW

Von Peter Trechow
Von Peter Trechow

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