E-Business 24.11.2000, 17:27 Uhr

Kleine Betriebe meiden das Web

Der Mittelstand steht beim E-Commerce heute dort, wo Groß-betriebe vor drei Jahren stan-den, mahnen Experten. Dabei gibt es eine Vielzahl spezieller Lösungs-anbieter.

Elektronischer Geschäftsverkehr in Deutschland? Für den Mittelstand bisher kein Thema. Zu diesem Fazit kommt jedenfalls das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW/Köln). Nicht verwunderlich, denn eine Umfrage des Instituts bei 273 mittelständischen Unternehmen in Deutschland ergab: gerade einmal 11 % betreiben E-Commerce.
Christian Bühler von der Deutschen Gesellschaft für Mittelstandsberatung (DGM): „Der Mittelstand steht beim E-Commerce heute dort, wo die großen Unternehmen vor etwa drei Jahren gestanden haben.“ Wer jetzt den fahrenden Zug verpasst, riskiert, vom Markt gedrängt zu werden, warnt er. Auch Dr. Norbert Winkeljohann, Vorstandsmitglied der PriceWaterhouseCoopers (PwC) Deutsche Revision, gibt zu bedenken: „Die Wirtschaft kann Geschäftsmöglichkeiten über das Internet nicht mehr ignorieren.“Der Nutzen des E-Commerce ist nach Ansicht der Experten groß. Die Vorteile lägen vor allem in der Optimierung von Marketingprozessen, in Kosteneinsparungen und der Ausweitung von Vertriebskanälen.
Die internetbasierte Beschaffung, das sogenannte E-Procurement, stellt ein Beispiel für das Potenzial des E-Business dar. E-Procurement umfasst den gesamten Beschaffungsprozess, von der Information über die Bestellung bis hin zur Bezahlung. Nicht nur in Deutschland schießen derzeit diese virtuellen Business-to-Business-Marktplätze (B-to-B) aus dem Boden. Offenbar ein Geschäft mit Zukunft. Forrester Research etwa prognostiziert den elektronischen B-to-B-Marktplätzen allein in Europa einen Umsatz von 900 Mrd. Euro in fünf Jahren. Das entspricht einem Anteil von 6 % des EU-weiten B-to-B-Handels. Allein in Deutschland sollen im Jahr 2005 Transaktionen in Höhe von 270 Mrd. Euro via Web abgewickelt werden.
Die Outpark.com GmbH, Berlin/Dortmund, etwa ist in diesem Bereich aktiv. Gerade für kleine und mittelständische Firmen stellt das Unternehmen kundenindividuell konfigurierbare Beschaffungsbörsen im Internet bereit. Darüber hinaus bietet das Unternehmen die Entwicklung von softwarebasierten Optimierungslösungen für den Einkauf in Unternehmen an. Dabei erzeugt die Outpark-Software auf Wunsch des Einkäufers automatisch Sammelbestellungen. „Damit erzielen diese Unternehmen eine Einkaufsmacht, die bisher allenfalls Großunternehmen vorbehalten war“, meint Ralf Wallbruch von der Gesellschaft für Informationen aus der und für die Wirtschaft (giw, Essen). Durch die Bündelung der Einkaufsvolumina mehrerer Unternehmen könnten gerade im Mittelstand Einkaufspreise erheblich gesenkt werden. „Waren können im Netz bis zu 20 % billiger eingekauft werden, und auch die Kosten des Bestellvorgangs sind geringer“, bestätigt Christian Bühler von der DGM. Diese sogenannten Prozesskosten ließen sich um bis zu 90 % reduzieren.
Auch die Viscomp GmbH, Nürnberg, und die Xcom AG, Langen, haben die „Internet-Fähigkeit“ des Mittelstandes in Deutschland im Visier. Viscomp versteht sich selbst als Spezialist für Internet-Komplettlösungen für kleine und mittlere Unternehmen. Die Angebotspalette reicht von der Homepage-Erstellung über E-Commerce bis hin zu E-Business-Angeboten. Xcom wiederum bietet neben E-Business- und E-Commerce- auch Lösungen im Bereich des E-Banking an. Gerade beim Electronic Banking nimmt das Unternehmen nach eigenen Angaben eine führende Stellung in Europa ein. „Die Produktpalette reicht hier vom sicheren Homebanking-System mit integrierter Chipkartenlösung bis hin zum mandantenfähigen, voll skalierbaren Banksystem“, so Gilla Lörcher von Xcom.
Und auch die großen Telekommunikationsunternehmen entdecken in punkto Web zunehmend den Mittelstand. Um den elektronischen Handel zu fördern, will die Deutsche Telekom Kleinunternehmen anbieten, ein Jahr lang die Gestaltung und Betreuung ihres Internet-Auftritts kostenlos zu betreuen. Mannesmann Arcor wiederum wartet mit dem Angebot einer Komplettlösung für einen Online-Shop auf, in dem kleine und mittlere Unternehmen bis zu 5000 Artikel anbieten können.
Woran aber liegt es eigentlich genau, dass der Mittelstand in Deutschland in punkto E-Commerce zur Zeit noch hinterher hinkt? „Momentan stellen Sicherheitsbedenken das größte Hindernis für die Entwicklung der E–Business-Aktivitäten dar“, meinen die Experten von PriceWaterhouseCoopers. Dies betreffe vor allem die Beschaffung über das Netz. Zudem verfügten viele Unternehmen zwar über einen Internet-Auftritt, nutzten diese Plattform jedoch nicht hinreichend. „Ein Beispiel stellt der Umgang mit E-Mails dar“, so Jan Schürmann von der Uniso Internet AG. Nur 54 % der Firmen dieses Landes hielten es überhaupt für nötig, auf Mail-Anfragen zu reagieren. „Angesichts dieser Tatsache stellt sich die Frage, wofür die Unternehmen überhaupt eine Präsenz im Internet unterhalten“, meint er und gibt zu bedenken, dass mit jeder gescheiterten Mailkommunikation ein hochwertiger Kontakt verloren gehe. Schürmann: „Jede ausgeschlagene Hand wirkt sich direkt auf das jeweilige Firmenimage aus. Nach seiner Überzeugung müsse die E-Mail in Zukunft als Mittel zur Kundenbindung und -gewinnung genutzt und verstanden sowie als Marketinginstrument eingesetzt werden.
Stichwort Marketing: Großen Nachholbedarf haben mittelständische Unternehmen auch in Sachen Öffentlichkeitsarbeit. Das Unternehmermagazin „Markt und Mittelstand“ machte kleinere Unternehmen unlängst auf ihren vielfach „laienhaften“ Umgang mit der Außendarstellung ihres Betriebes aufmerksam. Aber auch hier gibt es inzwischen Hilfe: Comonweb.de, München, Trendscouts.com, Nürnberg, oder Publiceffect.de, Hamburg, bieten maßgeschneiderte PR-Dienstleistungen über das Web. JÜRGEN ACKERMANN

Von Jürgen Ackermann
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