Neue Dienste möglich 18.11.2014, 12:46 Uhr

KIT schlägt vor: Mobiles Internet über ungenutzte TV-Frequenzen

Frei werdende TV-Frequenzen könnte man in Zukunft für ein bundesweites Wifi-Netz nutzen. Diesen Vorschlag macht das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in einer Studie. Die Forscher halten es für sinnvoll, freiwerdende Frequenzen möglichst kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

Kostenloser Hotspot der Wall AG am Potsdamer Platz in Berlin: Das Karlsruher Institut für Technologie hat vorgeschlagen, freiwerdende TV-Frequenzen für das mobile Internet zu nutzen.

Kostenloser Hotspot der Wall AG am Potsdamer Platz in Berlin: Das Karlsruher Institut für Technologie hat vorgeschlagen, freiwerdende TV-Frequenzen für das mobile Internet zu nutzen.

Foto: Stephanie Pilick/dpa

Anders als die derzeit üblichen WLAN-Signale werden Fernseh-Signale in einem niedrigen Frequenzbereich übertragen. Diese Nutzung nimmt allerdings ab – die Frequenzbänder werden frei. Die Autoren der KIT-Studie, die Wissenschaftler Arnd Weber vom KIT und Jens Elsner, früherer KIT-Mitarbeiter, fordern nun, diese Frequenzen nicht neu zu vermarkten, sondern Privatleuten und Unternehmen kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Die Forscher schlagen konkret vor, ein 90-MHz-Intervall auf UHF-Bändern zu reservieren. Neben der mobilen Kommunikation für jedermann könnten auch Anwendungen wie die Veranstaltungstechnik davon profitieren, etwa für Bühnenmikrophone und -kameras, die digital senden. Aber auch Rettungskräfte könnten die Frequenzen im Katastrophenfall nutzen.

Höhere Leistung als bisheriges WLAN

Die neuen Frequenzen brächten auch einen technischen Fortschritt mit sich: Die Signale auf den niedrigen Frequenzen haben eine höhere Reichweite und überwinden auch Hindernisse wie Mauern besser. Laut Studie könnten so bestehende WLAN-Netzwerke je nach Umgebung sogar Kommunikationspartner in einer Entfernung von mehreren Kilometern erreichen.

Selbst in Städten, wo aufgrund vieler Sendestationen mit begrenzter Sendeleistung gearbeitet werden müsste, könnte die Reichweite drahtloser Netzwerke deutlich ausgedehnt werden. Sie könnten beispielsweise Passanten in umliegenden Straßen für den Datentransfer ihrer Smartphones zur Verfügung stehen.

Großer gesamtwirtschaftlicher Nutzen

„Die Realisierung unseres Ansatzes hätte weitreichende Folgen“, meint Arnd Weber. „Personen, Institutionen und Unternehmen wären bei ihrer digitalen Kommunikation in viel geringerem Maße auf teure Mobilfunknetze angewiesen.“ Weber und Elsner sehen darin auch einen großen gesamtwirtschaftlichen Nutzen, sie erwarten die Entwicklung neuer innovativer Produkte.

Junge Leute nutzen schnelles Internet unterwegs: Das KIT würde am liebsten ein 90-MHz-Intervall auf UHF-Bändern für das mobile Internet reservieren. Neben der mobilen Kommunikation könnten auch Anwendungen wie die Veranstaltungstechnik davon profitieren. Rettungskräfte könnten die Frequenzen im Katastrophenfall nutzen.

Junge Leute nutzen schnelles Internet unterwegs: Das KIT würde am liebsten ein 90-MHz-Intervall auf UHF-Bändern für das mobile Internet reservieren. Neben der mobilen Kommunikation könnten auch Anwendungen wie die Veranstaltungstechnik davon profitieren. Rettungskräfte könnten die Frequenzen im Katastrophenfall nutzen.

Quelle: Vodafone

Schon die Öffnung der bisherigen WLAN-Frequenzen habe gezeigt, dass Anwender und Unternehmen die neuen Möglichkeiten nutzen. Damals wurden neben den drahtlosen Computernetzwerken kabellose Lautsprecherboxen und Kameras, Garagenfernbedienungen, Funketiketten, Babyphones und die Bluetooth-Technik entwickelt.

Weltweite Debatte notwendig über Nutzung von Frequenzen

Damit die Frequenzen wie vorgeschlagen der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, braucht es eine weltweite Debatte. Regierungen könnten die Frequenzen auch anderweitig nutzen: für die Vergrößerung der Reichweite staatlicher Fernsehkanäle etwa oder den Verkauf an Mobilfunkanbieter. Arnd Weber und Jens Elsner schlagen deshalb vor, ihre Studie bei der World Radiocommunication Conference (WRC) zu diskutieren. Diese von den Vereinten Nationen initiierte Konferenz tagt im nächsten Jahr wieder und entscheidet auf globaler Ebene über die Nutzung von Radiofrequenzen.

Die Studie von Jens Elsner und Arnd Weber heißt „Beachfront Commons“ und wurde im internationalen Fachblatt „Telecommunications Policy“ veröffentlicht.

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