Internet 27.07.2001, 17:30 Uhr

„Keine Privatsphäre am Arbeitsplatz“

Rund drei Stunden pro Woche tummeln sich Arbeitnehmer privat im Internet, obwohl sie wissen, dass es auffallen kann. Dennoch halten die meisten die Kontrolle des Netzzugangs durch Arbeitgeber für akzeptabel.

Ein Drittel der rund 40 Mio. zählenden Online-Arbeitnehmer in den USA wird systematisch überwacht. Weltweit soll es ein Viertel von 100 Mio. vernetzt arbeitenden Beschäftigten sein, behauptet die US-amerikanische Privacy Foundation, die kürzlich eine Studie vorlegte. Diese Überwachung habe gravierende Konsequenzen für die Privatsphäre der Mitarbeiter und die Atmosphäre am Arbeitsplatz, folgert Andrew Schulman, Autor der Studie.

Die American Management Association (AMA) berichtet Ähnliches. Danach kontrollieren 78 % aller großen Unternehmen in der USA das gesamte Kommunikationsverhalten ihrer Mitarbeiter, also Telefongespräche, Mails, Internet-Verbindungen und Dateien. Es sei nicht mehr die Frage, ob die Kontrolle legitim sei, sondern wie fair sie sei, kommentiert ein Wissenschaftler der Krannert School of Management in West Lafayette (USA) die Ergebnisse. Eine Vertreterin der AMA wird mit der Äußerung zitiert, es sei „eine Illusion, am Arbeitsplatz an eine Privatsphäre zu glauben“.

„Eine kontinuierliche Überwachung ist etwas anderes als stichprobenhafte Kontrollen bei Arbeitnehmern, gegen die man einen Verdacht hegt“, betont Andrew Schulman. Er sieht in diesen verdachtsunabhängigen Kontrollen eine Verletzung der Privatsphäre. Die Ursache für das Misstrauen der Unternehmer gegenüber ihren Mitarbeitern liege vermutlich in der Erkenntnis, dass die größte Gefahr für die IT-Sicherheit nicht von außen komme, sondern von technisch gewieften Mitarbeitern, meint Schulman. Letztlich erzeuge dieses Verhalten aber eine „Atmosphäre von Verdacht und Feindseligkeit am Arbeitsplatz“, folgert der Wissenschaftler.

In Europa scheint dieses Misstrauen bereits vorhanden. Das geht aus der Untersuchung Web@Work von Websense International hervor. Der Hersteller von Filterprogrammen, die diese Kontrollen ermöglichen, befragte je 200 Deutsche, Italiener, Franzosen und Briten zum Internet-Verhalten am Arbeitsplatz. Danach geben 30 % an, Vorgesetzte zu informieren, wenn sie feststellen, dass Kollegen privat am Arbeitsplatz surfen. Besonders Deutsche und Briten neigen zum Petzen, dort ergreifen jeweils 35 % eine Initiative.

Der Internet-Missbrauch freilich ist nicht unerheblich. Immerhin 41% der Befragten geben an, sich pro Woche etwa drei Stunden privat im Netz zu tummeln. Sie tun dies, wohl wissend, dass es auffallen kann, denn 71% halten es für akzeptabel, wenn Arbeitgeber den Internetzugang kontrollieren.

„So dramatisch wie in den USA ist die Situation in Deutschland beileibe noch nicht“, beruhigt Claudia Schertel, Juristin bei Onforte, einem Telearbeitsprojekt der Gewerkschaft ver.di, „nach deutschem Recht ist die kontinuierliche Überwachung der Mitarbeiter verboten.“ Gleichwohl „ist ein Arbeitnehmerdatenschutzgesetz überfällig“, so Schertel, „mit ihm könnten Verhältnisse wie derzeit in den USA verhindert werden.“

Das Problem sei letztlich ein technisches, meint die Juristin: „Man weiß nie genau, was im Hintergrund läuft.“ Mit anderen Worten: Selbst wenn eine Kontrolle der Mitarbeiter von der Unternehmensleitung ausdrücklich ausgeschlossen wurde, kann es bei einzelnen Programmen doch der Fall sein, dass Daten festgehalten werden, um sie später beispielsweise zur Kontrolle des Kommunikationsverhaltens zu nutzen.

Die Gewerkschaften empfehlen eine Betriebsvereinbarung, wenn es um die Einrichtung eines Intranet, der Einführung von Internet oder der Installation von Filterprogrammen zum Schutz des Firmennetzes geht. In derlei Vereinbarungen sollten „Regelungen zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle sowie für die Missbrauchsbekämpfung“ enthalten sein, sagt Schertel. Außerdem sollte geklärt werden, ob privates Surfen erlaubt ist.

„In den meisten Unternehmen ist es verboten, wird aber geduldet“, weiß die Juristin. Es wird also ähnlich gehandhabt wie die private Nutzung der Telefone. Das heißt: Im Zweifelsfall kann privates Surfen ein Kündigungsgrund für unliebsame Mitarbeiter darstellen.

H ELENE CONRADY

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