Internet 12.02.1999, 17:20 Uhr

Jobsuche wird im Internet zum Erlebnis

Die Online-Bewerbung gehört vor allem für Studenten zum Standard, wenn es um eine neue Stelle geht. Mittlerweile gibt es ein großes Angebot an elektronischen Jobbörsen. Doch nicht alle Unternehmen teilen die ungebremste Begeisterung der Anbieter dieser neuen Dienste.

Jobsuche und Jobofferten im Internet haben sich bewährt. Arbeitgeber und Bewerber würden die Vorteile schätzen. So lauten die Aussagen vieler Betreiber von Jobbörsen. Jobs & Adverts, Oberursel, seit 1995 als erste deutsche Stellenbörse im Internet, hatte zu Beginn 800 Stellenofferten im Netz, 1998 waren es mehr als 10 000. Die Gesuche sind von 300 auf 7000 gestiegen, alle vier Wochen werden die Inserate aktualisiertGesellschaft für Kommunikationsforschung. Nach Studien der (GfK), Bergisch-Gladbach, eignet sich die Suche besonders für Angestellte und Selbständige. Ein häufiges Vorurteil lautet, online würden nur Jobs im DV-Bereich gesucht und angeboten. Ein Irrtum, wie Roland Metzger, Jobs & Adverts, aufgrund einer Nutzungsstatistik weiß. Auch Sigrun Bächle vom Anbieter mamas GmbH, Bühl, bestätigt die Streuung der Offerten: „Anfänglich war überwiegend der DV-Bereich vertreten, inzwischen sind wir annähernd genauso stark in anderen Berufen.“
Viele Anbieter, ob das Arbeitsamt, Zeitungsverlage oder Spezialisten, tummeln sich auf dem Markt. Sie unterscheiden sich durch ihre Handhabung, Aktualisierungszeiträume und durch Branchenzuschnitt. Suchmaschinen erleichtern inzwischen das Finden der geeigneten Angebote. Die Jäger-Managementberatung, Königstein i.T., hat herausgefunden, daß mehr als 70 % der 200 größten Unternehmen seit einem Jahr oder länger Personalmarketing im Internet betreiben. Annähernd 70 % seien mit dem Response zufrieden. Die digitalen Ausschreibungen würden die Nachteile der traditionellen Bewerbungsverfahren beheben: Lange Bearbeitungszeiten, eine hohe Arbeitsbelastung der Personalabteilungen (die Personalkosten pro Bewerbung liegen zwischen 50 DM und 150 DM). Außerdem führe der Aufwand für eine einmalige Printschaltung aus Erfahrung eher zur Masse statt Klasse. Zwar sei die Resonanz auf Online-Ausschreibungen nicht so hoch, dafür aber qualitativ besser, so Metzger. Und wenn die erste herkömmliche Suche nicht zum Erfolg führe, müsse das kosten- und zeitintensive Prozedere wiederholt werden. Das Internet ermögliche dagegen eine mehrfache, unkomplizierte, schnelle Ansprache. Auch international. Metzger verweist darauf, daß die digitalen Angebote als zusätzlicher Weg genutzt werden sollten. Solange nicht jeder potentielle Mitarbeiter ein User sei, müßten die Unternehmen auch in anderen Medien Anzeigen schalten.
Die Print-Anzeigen sind für die meisten Unternehmen nach wie vor selbstverständlich. Für die Personalmarketingabteilung von Bayer, Leverkusen, ist die digitale Suche eine kostengünstige Erweiterung der Möglichkeiten. Die Erfahrung zeige, daß die Online-Suche auch keine Gewähr dafür sei, daß sich die idealen Kandidaten bewerben würden. Der Kostenvorteil scheint für viele Unternehmen das Hauptargument zu sein, um ins Netz zu gehen. Eine Arbeitserleichterung für die Personalabteilungen muß nicht automatisch damit verbunden sein. Alexandra Spitzel von Viag Interkom, München: „Jede E-Mail muß ausgedruckt werden, bekommt einen Poststempel, wird in einen Ordner abgelegt und der entsprechenden Abteilung weitergeleitet.
Bei Nachfragen des Bewerbers muß der Vorgang aufzufinden sein.“ Das Unternehmen sieht den Vorteil der Online-Suche darin, daß bei langfristigen Ausschreibungen die Offerte einige Monate kostengünstig im Netz stehen kann und kontinuierlich Bewerbungen eingehen. Von dem Eingang qualifizierterer Bewerbungen mag man hier nicht sprechen.
Monika Knapp, Zentrales Personalmarketing Opel AG Rüsselsheim, hat die Erfahrung gemacht, daß die online-Bewerbung „zu schnell verfaßten Drei-Zeilern“ und unüberlegten Kurzbewerbungen verführe. Das Unternehmen schreibt sehr aktiv in externen Stellenbörsen aus und offeriert zur Zeit mehr Stellen im Netz als in den Printmedien. „Wir nutzen alle Möglichkeiten, um das Klientel zu erreichen. Gerade in der Gruppe der Ingenieure versuchen wir, auf allen Wegen qualifizierte Mitarbeiter zu rekrutieren.“ Doch trotz der intensiven Nutzung hält man sich mit einer Bewertung des zusätzlichen Akquirierungsinstruments zurück. Eines sei aber sicher: Wer Studenten, Absolventen und Diplomanden erreichen wolle, könne auf die Online-Ausschreibung nicht verzichten. Dies bestätigt Christine Keiner von Schitag Ernst & Young: „Ein absolutes Muß ist die Online-Annonce, die sich an Absolventen richtet.“ Für diese Zielgruppe ist der Umgang mit dem Internet so selbstverständlich wie das Telefonieren.
Daß das Internet ein attraktives Instrument des Personalmarketings ist und sich weiterentwickeln wird, belegen auch Betreiber von Jobbörsen, die mit speziellen Angeboten auf den Markt gegangen sind. Die Firma Digijob aus Düsseldorf hat für Arbeitgeber verschiedene Spezialservices entwickelt. Ein Beispiel ist der sogenannte Firmenservice. Bei Ausschreibungen senden die Bewerber nicht ihre kompletten Bewerbungsunterlagen an die Personalabteilung, sondern bewerben sich elektronisch beim Betreiber. Die Profildaten werden in einem Programm erfaßt und die Kandidaten bekommen die Möglichkeit, ihre beruflichen Kompetenzen und Erfahrungen darzustellen. Digijob kanalisiert und standardisiert die Vorauswahl, und nur von geeigneten Bewerbern werden ausführliche Unterlagen angefordert. Durch dieses Verfahren sollen die Personalabteilungen entlastet werden. Ein anderer Spezialservice: ManagerOnline, Oberursel , seit 1996 auf dem Markt, versteht sich als digitaler Head-Hunter für das Mittelmanagement. In einer Datenbank sind 12 000 Kandidaten aus allen Branchen verzeichnet. Die Direktansprache der Kandidaten ermöglicht ein sehr genaues Profil, so daß die 120 Unternehmen, die diesen umfangreichen Service abonniert haben, die für sie interessanten Mitarbeiter selektieren können. Auch dieser Service, der monatlich aktualisiert wird, spare Unternehmen Zeit und Kosten.
Für Unternehmen, in denen Unsicherheit über das Handling mit Online-Bewerbungen herrscht, die diesen Weg aber beschreiten möchten, sind diese und andere Spezialangebote interessant. Denn noch nicht alle Firmen haben die entsprechenden technischen Möglichkeiten und das Know-how.
CHRISTIANE SIEMANN
Internet-User können sich über immer mehr Stellenangebote freuen: Die Zeiten, in denen nur DV-Unternehmen neue Mitarbeiter übers Netz suchten, gehören der Vergangeneheit an. Inzwischen sind alle Branchen vertreten..

Ein Beitrag von:

  • Christiane Siemann

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