207 Millionen Euro Budget 07.07.2014, 06:55 Uhr

Japan testet Gesichtserkennung für die Olympischen Spiele 2020

Ein Blick in die Kamera soll bei den Olympischen Spielen 2020 in Japan ausreichen, um sich am Flughafen zu identifizieren, Spielstätten betreten zu dürfen und die U-Bahn zu bezahlen. IT-Unternehmen testen derzeit dafür erforderliche Gesichtserkennungssoftware – mit einem von der Regierung unterstützten Budget in Höhe von 207 Millionen Euro. 

Ein Passagier scannt seinen Fingerabdruck am John F. Kennedy International Airport in New York. An japanischen Flughäfen soll die Identifikation zukünftig über Gesichtserkennungssoftware laufen. 

Ein Passagier scannt seinen Fingerabdruck am John F. Kennedy International Airport in New York. An japanischen Flughäfen soll die Identifikation zukünftig über Gesichtserkennungssoftware laufen. 

Foto: dpa

Wenn an einem großen Flughafen Jahr für Jahr mehr als 50 Millionen Passagiere ankommen, dann müssen in den meisten Fällen jedes Jahr auch 50 Millionen Personalpapiere überprüft werden. Das ist aufwändig und zeitraubend. Dies durch eine automatisierte Gesichtserkennung drastisch zu vereinfachen, ist eine japanische Vorstellung, die in Kürze getestet wird.

In Japan sollen noch in diesem Jahr umfangreiche Tests mit dem Ziel starten, die bislang entwickelten Gesichtserkennungs-Techniken bei den Olympischen Sommerspielen 2020 nutzen zu können. Dabei schweben den Japanern viele Anwendungsmöglichkeiten vor Augen: von der Zugangskontrolle an den Sportstätten, über die Nutzung als Zahlungsmittelsystem und automatisierten Übersetzungsdienstleistungen bis hin zur Kontrolle bei der Einreise am Flughafen.

Budget für Gesichtserkennung beträgt 207 Millionen Euro

Die Tests beginnen unter Leitung der japanischen IT-Gesellschaft Accenture und der Universität von Aizu in Aizuwakamatsu in der Präfektur Fukushima. Das Budget beträgt 207 Millionen Euro, gut ein Drittel der Gelder soll dabei von der japanischen Regierung kommen. Insgesamt fünf japanische Behörden sind schon von Anfang an mit von der Partie, darunter das Innenministerium und das Wirtschaftsministerium.

Für die Gesichtserkennung sollen ab 2016 Kameras in in einem Einkaufszentrum in Aizuwakamatsu aufgebaut werden, wie die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei Shimbun berichtet. Dafür können sich Teilnehmer bei der Stadtverwaltung registrieren lassen. Gleichzeitig wollen lokale Restaurants und die Nahverkehrsunternehmen ein System aufbauen, mit dem sie mit Hilfe von Gesichtserkennung die Bezahlung der Rechnung oder der Fahrtkosten abwickeln.

Automatischer Gesichtscheck am Flughafen 

Das japanische Justizministerium will schon vom August dieses Jahres an eigene Versuche mit Gesichtserkennungstechniken an den zwei großen Flughäfen in Tokio, Narita und Haneda, unternehmen. Die Regierung rechnet mit einem starken Zustrom von Touristen schon im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele 2020 und will schon rechtzeitig vorher die Einreisekontrolle rationalisieren.

Das geplante System ist allerdings nur für Japaner gedacht. Die japanischen Reisenden werden identifiziert, indem Fotos ihrer Gesichter, die an Ort und Stelle bei der Einreise gemacht werden, mit den Photodaten im IC-Chip des Reisepasses abgeglichen werden. Über eine öffentliche Ausschreibung sollen fünf Unternehmen, die sich auf Gesichtserkennungssysteme spezialisieren, ausgewählt und deren System dann getestet werden. Der Favorit soll nach Angaben der japanischen Regierung dann im Jahre 2017 eingeführt werden. Schon vor zwei Jahren wollte Japan derartige Systeme einführen, musste das Projekt allerdings aufgrund unzureichender Genauigkeit verschieben. 

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