Betriebssysteme 02.11.2012, 19:55 Uhr

IT-Chefs zu Windows 8: „Nein danke!“

Mit aufwendigen Mega-Veranstaltungen hat Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 8 vorgestellt. In Verbindung mit neuen Tablets, wie dem Surface, will sich Microsoft besser gegenüber Apple ins Spiel bringen. Damit aber adressiert das System vorwiegend den Consumer-Markt und wird kaum Einzug in die Unternehmenswelt halten.

Windows 8 Keynote.

Windows 8 Keynote.

Foto: microsoft

Der Start von Microsofts Windows 8 war eine Ansammlung von Mega-Events rund um den Globus. Doch damit sollten vor allem die Konsumenten angesprochen werden, denn in der Business-Welt ist Windows 8 ein Nobody – und wird es vermutlich auch bleiben. So ist man bei Forrester Research bezüglich der Business-Adaption von Windows 8 äußerst skeptisch. „Microsoft hat mit Windows 8 notwendige und angemessene Änderungen am Windows-System vorgenommen, doch bezüglich der Business-Funktionalität gibt es nichts, was eine kurzfristige Einführung rechtfertigt“, meint deren Analyst Frank Gillet.

Bei der Gartner Group ist man sogar noch deutlicher. „90 % der Unternehmen werden Windows 8 nicht auf breiter Front einführen“, sagt deren Chef-Analyst Peter Sondergaard. Nur im Bereich von Außendienstlösungen sieht er einen begrenzten Einsatz von Windows RT – also von der Windows-8-Variante, die nicht auf Intel-Prozessoren basiert, sondern auf den bislang überwiegend in Smartphones eingesetzten ARM-Prozessoren. Dieser Unterschied ist wichtig, denn er bedeutet, dass keines der bisherigen Windows-Programme auf diesen Systemen direkt lauffähig ist.

Unternehmen sehen keine Anreize für Windows 8-Umstellung

Die andere – auf Intels x86-Architektur basierende Windows-8-Desktopversion – wird sich in den Unternehmen vor allem deshalb nicht durchsetzen, da die Unternehmen keinen zwingenden Vorteil für ihr Geschäft darin sehen – und weil sie noch nicht einmal die Umstellung von Windows XP auf Windows 7 abgeschlossen haben.

Laut Gartner-Analyst Michael Silver haben gegenwärtig nur 20 % der Firmen die Umstellung von XP auf Windows 7 abgeschlossen – und 15 % haben noch nicht einmal damit begonnen. „Es ist für viele Firmen eine äußerst sinnvolle Option auf den Nachfolger von Windows 8 zu warten“, sagte er jüngst auf einer Veranstaltung vor rund 8000 IT-Chefs. Immerhin ist das zehn Jahre alte Windows XP noch immer das Arbeitspferd auf den Desktops. Laut Gartner läuft es auf 41 % der weltweiten 1,5 Mrd. PCs. Damit ist es das meistgenutzte Betriebssystem.

Dass die IT-Chefs jetzt kein Interesse an einer Umstellung auf Windows 8 haben, liegt vor allem daran, dass jede Systemumstellung sehr zeitaufwendig und teuer ist. So müssen zuvor alle Applikationen ausgiebig mit allen Peripherieeinheiten getestet werden, fehlende Treiber sind zu beschaffen oder müssen unter Umständen neu programmiert werden. Auch das zentrale Systemmanagement muss angepasst werden. Parallel dazu muss das Personal geschult werden.

„Windows 8 hat gegenüber Windows 7 keine Funktionsverbesserungen, die den Einführungsaufwand rechtfertigen würden“

Und das sind nicht nur die Mitarbeiter, die an den PCs arbeiten, sondern vor allem auch der Helpdesk und die Systemadministratoren. Folglich mehren sich auch die Stimmen aus den Unternehmen, die sich gegen Windows 8 aussprechen. „Windows 8 hat gegenüber Windows 7 keine Funktionsverbesserungen, die den Einführungsaufwand rechtfertigen würden“, meint beispielsweise Doug Johnson von der American Bankers Association, die die größten Banken der Welt in puncto Technologieeinsatz berät.

Auch bei VW in den USA ist man reserviert. „Wir haben erst im vorigen Jahr 60 000 PCs auf Windows 7 umgestellt und wir werden zunächst eine umfangreiche Evaluierung vornehmen, bevor wir uns für Windows 8 entscheiden“, sagte deren CIO Martin Eickhoff gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Unternehmensabstinenz in puncto Windows 8 ist für Microsoft kein Problem

Für Microsoft selbst ergeben sich durch diese Abstinenz aber nur Imagenachteile, denn die Großkunden-Lizenzvereinbarungen enthalten normalerweise Klauseln, wonach der Wechsel auf neue Betriebssystemversionen bereits enthalten ist. Das heißt, eine Firma zahlt nicht mehr oder weniger, wenn sie auf ein neues Windows wechselt. Außerdem geht der Umsatzanteil von Win-
dows bei Microsoft kontinuierlich zurück. Vor fünf Jahren betrug dieser Anteil noch 30 %, im letzten Jahr waren es nur noch 25 % – Tendenz weiter fallend.

Microsofts wichtigstes Produkt ist schon seit Langem Office, und hier dominiert das Unternehmen den Desktop unangefochten. Alle Alternativen sind bislang an mangelnder Kompatibilität oder unbefriedigender Benutzerführung gescheitert. Auch bei den neuen Onlineangeboten ist Microsoft mit Office 365 und der Azure-Plattform in einer guten Position. 

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