Iron Dome Technik 19.08.2015, 06:55 Uhr

Israelische Wehrtechnik schützt New York vor Stromausfällen

Eine zivile Variante des israelischen Raketenabwehrsystems Iron Dome kommt zukünftig in New York zum Einsatz. Es überwacht Transformatoren, um Netzausfällen in der Stromversorgung vorzubeugen. Eine Weiterentwicklung könnte zukünftig auch vor Hackerangriffen schützen. 

Skyline von New York: Israelische Wehrtechnik überwacht zukünftig das Stromnetz. 

Skyline von New York: Israelische Wehrtechnik überwacht zukünftig das Stromnetz. 

Foto: Justin Lane/dpa

Aufgabe des Iron Dome Systems ist es, anfliegende feindliche Raketen und Artilleriegeschosse frühzeitig auszumachen, ihre Flugbahnen vorauszuberechnen und dann sicherzustellen, dass eigene Abwehrgeschosse die anfliegenden Waffen treffen und zerstören. Die zivile Variante der Iron Dome Technik konzentriert sich darauf, im Stromnetz Signale aufzuspüren, die darauf hindeuten, dass einzelne Transformatoren nicht optimal funktionieren, woraus sich schlimmstenfalls ein Netzausfall ableiten könnte.

System kann Strom im Notfall umleiten 

Ist das geschehen, so geht das System auch im zivilen Betrieb zur Gegenreaktion über: Entweder wird Strom über andere Leitungen so umgeleitet, dass das Netz auch nach Ausfall einzelner Transformatoren noch seine Versorgungsaufgabe erfüllt, oder Netzteile werden frühzeitig abgeschaltet, ehe es zu einem großen Zusammenbruch der Stromversorgung kommt.

In Israel selbst ist diese zivile Nutzungsmöglichkeit als Software vor einigen Monaten unter dem Namen Electricity Information Grid auf den Markt gekommen. Bereits genutzt wird diese Technik vom Stromversorger Israel Electric Corporation. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Transformatoren außerhalb der Kraftwerke die teuersten Bestandteile der Stromversorgungsnetze sind.

Iron Dome in Bereitschaft: Das israelische Raketenabwehrsystem fängt feindliche Raketen und Artilleriegeschosse ab. 

Iron Dome in Bereitschaft: Das israelische Raketenabwehrsystem fängt feindliche Raketen und Artilleriegeschosse ab. 

Foto: Israel Defense Forces

Die technische Anpassung der Iron Dome Software an die Architektur des amerikanischen Stromnetzes scheint nicht sonderlich aufwändig zu sein. Zur Finanzierung der Anpassung haben die New York Power Authority und das israelische Softwarehaus mPrest von der amerikanisch-israelischen Binational Industrial Research and Development Foundation insgesamt 900.000 US-Dollar erhalten. Das entspricht in etwa der Hälfte der Gesamtkosten der Anpassung. Daneben leistet das amerikanische Electric Power Research Institute technische Hilfe.

Iron Dome System soll vor Hackerangriffen schützen 

Für die Entwicklung der zivilen Variante des Iron Dome Systems gab es in Israel aber noch ein anderes Ziel als lediglich die Fernüberwachung der Transformatoren in der Stromversorgung. Die Regierung rechnet fest damit, dass es künftig mehr und mehr Cyberanschläge auf die Stromversorgung des Landes geben wird.

Dieser Gefahr wirksam zu begegnen war Anstoß zur Weiterentwicklung des Iron Dome Systems in Richtung eines sogenannten Command und Control Systems. Es analysiert ständig die Impulse, die das Stromnetz ausstößt. Werden dabei Abweichungen vom Regelbetrieb festgestellt, so kann die Software umgehend Entscheidungen treffen und gegebenenfalls sogar Netzteile sofort stilllegen.

Von israelischer Seite wird nun versucht, dem amerikanischen Kunden, der New York Power Authority (NYPA), nicht nur die Software zur Fernüberwachung der Transformatoren zu liefern, sondern zugleich auch die Software zur Früherkennung von Hackerangriffen auf das Stromnetz zu verkaufen.

Von Peter Odrich
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