Telekommunikation 06.05.2005, 18:38 Uhr

Internet-Telefonie immer beliebter  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 5. 05 – Voice over IP (VoIP), das Telefonieren über das Internet-Protokoll, ist in vielen Unternehmen kein Zukunftsthema mehr, sondern bereits tägliche Routine. Kostenersparnisse, leichtere Administration, eine flexiblere Kommunikationsinfrastruktur und erweiterte Applikationen sind nur einige der Vorteile. Doch es gibt auch Schattenseiten, wie auf der Konferenz „Voice over IP“ des Euroforum herausgestellt wurde.

Derzeit überschlagen sich die Meldungen zum Thema Voice over IP (VoIP): Cisco vermeldet den Einsatz von über 4 Mio. Cisco-IP-Telefonen in rund 17 000 Unternehmen weltweit. Netzbetreiber Colt Telecom stellte kürzlich den ersten europaweiten IP-Telefondienst – inklusive Flatrate – für Geschäftskunden vor (Colt IP Voice). Sipgate, ein Newcomer unter den VoIP-Providern, hat derzeit 100 000 Kunden und erwartet bis Jahresende eine Verdreifachung. Ähnlich sehen die Prognosen bei Web.de, Gmx und 1&1 aus, die ihre Netze zusammengeschaltet haben und bis Jahresende eine viertel Million Nutzer anstreben.

„Der Markt ist in Bewegung – endlich auf einem sehr professionellen Niveau“, meinte Prof. Thorsten Gerpott von der Uni Duisburg-Essen im Rahmen der Euroforum-Konferenz „Voice over IP“. Entsprechende Bandbreiten sind auf dem Unternehmenssektor schon länger kein Thema mehr und auch auf dem Privatsektor entwickelt sich DSL zum Quasistandard. Der anerkannte Fachmann für Telekommunikation sieht mittlerweile nur eine echte Schwelle: „IP-Telefonie steht und fällt mit einer vernünftigen Flatrate.“

Auf dem Gebiet der Flat- rates – der technischen Grundvoraussetzung für den sinnvollen Einsatz von VoIP – zeichnet sich ein harter Konkurrenzkampf ab. Gmx überraschte kürzlich mit einer unlimitierten Flatrate für unter 5 ?. Zwar gilt sie bislang nur für einige ausgewählte Städte, doch dafür gilt sie unabhängig von der gewählten DSL-Geschwindigkeit. Damit reagierte Gmx auf ein Angebot von Strato, das ebenfalls eine Flatrate unter 5 ? anbietet, jedoch nicht für alle DSL-Geschwindigkeiten. Netzbetreiber QSC wiederum arbeitet mit Hochdruck daran, bis Ende Mai über eines der größten VoIP-Netze Deutschlands zu verfügen. Dafür sicherte sich QSC die Partnerschaft von Huawei Technologies, einem der weltweit führenden Netzwerkausrüster, der die QSC-Netze mit Soft- switches und Backbones ausstatten wird.

Jenseits aller technischen Diskussionen ist die Sprachübertragung über das Internet-Protokoll schon in vielen Unternehmen und Behörden tägliche Routine. So wurden die Finanzämter von NRW Zug um Zug auf VoIP umgestellt (mehr als 8600 IP-Telefone, 5000 weitere sind für 2005 geplant). Auch die Sparkasse Mönchengladbach (39 Filialen) oder MAN-Nutzfahrzeuge mit 170 nationalen Standorten telefonieren ausschließlich über das Internet-Protokoll.

„Schwierigkeiten technischer Art gab es nicht“, resümiert Karl-Heinz Hommen-Menz, Dezernent im Rechenzentrum NRW und verantwortlich für die Umsetzung der Umstellung der Finanzämter auf VoIP. „Das Rollout hat bislang völlig ohne Reibungsverluste geklappt. Der meiste Aufwand liegt tatsächlich im Schulungsaufwand – darin, unseren Anwender zu zeigen, welche Möglichkeiten IP-Telefone und IP-Telefonie bieten.“

Die Vorteile kennt auch Jürgen Hendricks, Leiter des PC- und Netzwerksservice der Stadtsparkasse Mönchengladbach: „Oft wird meist nur die Kostenersparnis in den Vordergrund gerückt. Sie ist tatsächlich signifikant, wir rechnen z. B. mit 70 % weniger Wartungskosten. Aber ebenso positiv ist, dass wir nun ein voll redundantes System haben und einen deutlich erhöhten Komfort bei der Telefonie.“

Bei so viel Licht gibt es natürlich auch Schatten. IP-basierte Dienste, die teilweise auch über das weltweite Internet laufen, sind anfällig für Virenattacken oder Hackerangriffe. „VoIP-Gespräche sind leicht abhörbar“, warnt Jochen Nölle, Geschäftsführer des Infoportals Voip-info.de. „Und Spit – also Spam over Internet-Telephony – wird nach E-Mail-Spam das kommende Problem der Internetwirtschaft sein.“ Ernst Engelmann von Cisco ergänzt: „Unternehmen, die sich mit VoIP beschäftigen, müssen sich zwangsläufig auch mit der Sicherheit ihrer Netze und Systeme auseinander setzen. Oft wird diese Abhängigkeit jedoch verkannt oder schlicht unterbewertet.“

VoIP ist in den Köpfen der Menschen angekommen. Nach einer Studie des Hamburger Forschungsinstituts Feldteam schließen nur ein Viertel aller Deutschen grundsätzlich aus, VoIP-Dienste zu nutzen. Marktforscher von Gartner rechnen in 2 Jahren mit 10 Mio. DSL-Anschlüssen, der Voraussetzung für die Internettechnologie. Entscheidend für eine breite Marktdurchdringung ist auch die leichte Bedienbarkeit der Technik – aber da hapert es laut Nölle noch. Noch sind IP-Telefone kompliziert zu konfigurieren und umständlich in Betrieb zu nehmen. Wie es auch anders geht, beweist Skype, eine Software, die das weltweite Telefonieren über das Internet ermöglicht. Rund 28 Mio. Menschen telefonieren schon mit Skype, „allein in Deutschland haben wir etwa 1,8 Mio. Nutzer“, so Skype-Sprecherin Kat James. PETER KELLERHOFF

Definitionen

– VoIP: Abkürzung von Voice over IP. Bezeichnet die Umwandlung eines Sprachsignals in ein IP-Paket (IP = Internet-Protokoll). VoIP kann als reine Bezeichnung für den Transportmechanismus für Sprache in IP-Datennetzwerken aufgefasst werden.

– IP-Telefonie: Umfasst die gesamten Telefonieservices bzw. -applikationen, die über die IP-Infrastruktur betrieben werden (meist innerhalb des Firmennetzwerkes). Bei IP-Telefoniesystemen nutzen alle Steuerungs-, Transport- und Managementprozesse das IP-Protokoll.

– Internet-Telefonie: Unter „Internet-Telefonie“ versteht man die Übertragung von Sprache über das öffentliche Internet. pek

 

Von Peter Kellerhoff

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