Facebook aktiviert Belohnungszentrum 02.09.2013, 14:24 Uhr

Intensive Facebook Nutzer sind egoistischer als andere

Je intensiver Menschen Facebook nutzen, desto mehr interessieren sie sich vor allem für sich selbst. Zu diesem Ergebnis kamen Neuro-Wissenschaftler der Freien Universität Berlin in einer Studie im Rahmen des Exzellenzclusters „Languages of Emotion“.

Facebook und vor allem der "Gefällt mir"-Button scheinen besonders stark des Belohnungszentrum im Gehirn anzusprechen. Das haben Wissenschaftler der FU Berlin herausgefunden.

Facebook und vor allem der "Gefällt mir"-Button scheinen besonders stark des Belohnungszentrum im Gehirn anzusprechen. Das haben Wissenschaftler der FU Berlin herausgefunden.

Foto: Facebook

Intensive Facebook-Nutzer reagieren besonders stark auf Lob zu ihrer eigenen Person, interessieren sich aber nur wenig für das positive Feedback, das andere bekommen, so die Berliner Forscher. Das hat direkt mit dem Belohnungssystem des Gehirns, dem „Nuclues accumbens“, zu tun. Die 31 Facebook-Nutzer wurden für die Studie nicht nur intensiv befragt. Zugleich wurde mit der Magnetresonanztomographie (MRT) die Reaktion des Belohnungszentrums im Hirn gemessen, während den Probanden mitgeteilt wurde, wie positiv eine fiktive Gruppe von Kritikern auf das Interview regiert habe. Außerdem erfuhren sie noch, wie andere Probanden eingeschätzt wurden.

Stärkere Reaktionen bei stärkerer Facebook-Nutzung

Die Unterschiede in der Reaktion auf die eigene positive Einschätzung und die positive Beurteilung anderer waren dabei umso größer, je intensiver der so Getestete Facebook nutzt. So wird das Belohnungszentrum im Hirn eines intensiven Facebook-Nutzers stärker bei einem Lob angeregt als bei einem Geldgewinn in einem Glücksspiel. Damit wagen die Wissenschaftler die Hypothese, dass Facebook besonders stark das Belohnungssystem des Gehirns anspricht.

„Mit unserer Studie konnten wir zeigen, dass mit der Art der Verarbeitung sozialer Anerkennung im linken Nucleus accumbens die Intensität der Facebook-Nutzung von Individuen vorausgesagt werden kann“, sagt Dar Meshi, Erstautor der Studie. „Die Ergebnisse erweitern unser Wissen darüber, ob und in welchem Maße eine spezifische Aktivierung des Nucleus accumbens Rückschlüsse auf komplexe menschliche Verhaltensweisen zulässt.“

Es gehört zum Wesen des Menschen, sich um sein Ansehen zu sorgen

Facebook wurde für die Studie genutzt, weil es mit 1,2 Milliarden aktiver Nutzer zurzeit das größte soziale Netzwerk im Internet ist. Soziale Interaktionen hängen hier häufig auch mit dem Reputationsgewinn als Person zusammen. Wenn andere Nutzer der Plattform eine neue Nachricht eines Benutzers mit „gefällt mir“ markieren, könne das als positives soziales Feedback für den Urheber gewertet werden, meinen die Wissenschaftler. „Es gehört zu den Wesensmerkmalen des Menschen, sich um seine Reputation zu sorgen. Heute läuft dieses Reputationsmanagement für viele über soziale Medien wie Facebook“, so Dar Meshi.

Die 31 Probanden der Studie wurden so ausgewählt, dass sie einen Querschnitt der unterschiedlichen Facebook-Nutzer abbildeten. Kriterien für die Auswahl waren beispielsweise die Zahl der Facebook-Freunde und die Zeit, die die Nutzer täglich in dem sozialen Netzwerk verbringen.

Forscher hoffen auf weitere Ergebnisse zur Beeinflussung des Gehirns

Die Forscher erhoffen sich von der Studie wichtige Impulse für die klinische Forschung sowie für die Lern- und Bildungsforschung, da eine Facebook-Nutzung und die individuelle Aktivierung im Belohnungssystem des Gehirns miteinander in Verbindung gebracht werden können. Die Autoren betonen jedoch, dass die Studie keine Rückschlüsse darüber zulässt, ob positives soziales Feedback zu einer intensiveren Facebook-Nutzung führt oder ob die intensive Nutzung sozialer Medien die Verarbeitung von sozialem Feedback im Gehirn verändert.

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