Software 20.08.1999, 17:22 Uhr

Intel und Linux: „Born to be wired“

Kein geringerer als Intel-Chairman Andy Grove sprach zur Eröffnung der zweiten LinuxWorld im kalifornischen San José. Für die versammelten Gurus der Open-Source-Szene ein Beweis, daß sich ihre Art, Software zu entwickeln, auf breiter Front durchsetzt.

Intel-Chairman Andy Grove sieht den kommenden Intel IA-64-Prozessor unter dem Codenamen Merced als ideale Plattform für Linux und Applikationen wie den Appache Web-Server. Unter dem Titel „Born to be wired“ (angelehnt an den alten Rocksong „Born to be wild“) präsentierten Grove und Intel Vice-President Sean Maloney zur Eröffnung der LinuxWorld vergangene Woche in San José ihre Vorstellungen von der idealen E-Commerce-Plattform der Zukunft – wenn auch nur anhand einer Demonstration. Das war natürlich auch eine Mission in eigener Sache, denn während der IA-64 noch auf sich warten läßt, ist der Alpha von Compaq/Digital längst eingeführt und natürlich auch als Plattform für Linux gefragt.
Das Erscheinen von Groves und Maloney auf der zweiten LinuxWorld – nur sechs Monate nach der ersten Veranstaltung – zeigt aber exemplarisch, daß sich Linux und damit das Software-Entwicklungsmodell der Open-Source-Bewegung im industriellen Maßstab durchzusetzen beginnt. Auch mit dieser Software wird Geld verdient, und das ruft in Amerika die Anwälte, in anderen Ländern den Gesetzgeber auf den Plan. Fragen des Copyrights und des Urheberschutzes wurden auf der LinuxWorld genauso kontrovers diskutiert, wie derzeit in Deutschland, wo z. B. der ZVEI einen Patentschutz auf Programme fordert. Auf der anderen Seite argumentieren Anwender: Nur wenn bei einem Softwareprodukt der Quellcode mitgeliefert werde – eines der wesentlichen Kriterien von Open-Source-Software -, sei eine wirkliche Prüfung der Leistungsfähigkeit und Qualität des Produktes möglich.
Bruce Perens, Berater von Apple und IBM in Lizenzfragen, veranstaltete auf der LinuxWorld einen Workshop zu diesem brisanten Thema. Er hält es auch im Open-Source-Umfeld für möglich, einen eigenen, patentierten Code in Programme zu übernehmen. „Sicherlich nicht im Kern von Linux, das wäre unethisch und würde Leute zwingen, für die Benutzung eines Betriebssystems Geld zu bezahlen“, meint der Rechtsexperte, „aber im Umfeld, z. B. bei Software Libraries, ist dies durchaus möglich.“ Andererseits würde z.B. der erfolgreiche Linux-Distributor Red Hat keinerlei proprietären Code verwenden, vielmehr würde ein guter Teil des Umsatzes mit Services und Dienstleistungen erwirtschaftet.
Red Hat zeigte dann auch eindrucksvoll das wirtschaftliche Potential, das hinter Linux und der Open-Source-Bewegung steckt – mit dem ersten Börsengang aus der Linux-Szene: Die Aktie wurde am vergangenen Mittwoch zum Ausgabekurs von 14 Dollar auf den Markt gebracht und notierte schon am Freitag zu 85 Dollar – eine Versechsfachung des Kurses in nur drei Tagen! Ein solcher Erfolg ruft natürlich sofort Skeptiker auf den Plan, und so bemühten sich zahlreiche Analysten, diesen Erfolg nicht als Vertrauen in die Zukunft von Linux zu interpretieren, sondern als Nebeneffekt des Internet-Hype an den US-Börsen.
Doch Linux ist ohne Zweifel ein Faktor im Softwaremarkt. Im Bereich der Netzwerk-Server liegt der Anteil bei den Neuinstallationen schon bei 20 %, und damit deutlich höher als noch zu Anfang dieses Jahres, als IDC mit 17 % eine Steigerung von 200 % gegenüber 1998 vermelden konnte. Doch Skeptiker sehen nach wie vor Probleme. Zum einen in der kulturellen Divergenz zwischen alteingesessenen Firmen wie IBM, Compaq oder HP mit ihren Geheimhaltungs- und Sicherheitsvorschriften und der vergleichsweise doch etwas anarchischen Open-Source-Szene. Außerdem ist bisweilen zu hören, profitiere Linux vor allem von der immer breiter werdenden Skepsis gegenüber der als monopolistisch kritisierten Marktposition von Microsoft.
Ob und wie der Marktführer gegen den Wettbewerber Linux vorgehen wird, darüber rätselten die Auguren in San José natürlich auch. Nicholas Petrely, Chefredakteur des LinuxWorld-Magazine, bezweifelt, daß es nach erprobter Microsoft-Manier funktionieren könne. Wenn nämlich aus Redmond ein eigenständiges „MS-Linux“ käme, würden alle dessen Erweiterungen sofort in die Versionen der anderen Anbieter übernommen werden. Erfolgversprechender könnte da die Strategie sein, so viele Linux-Versionen wie möglich in den Markt zu werfen, um die Szene zu zersplittern. Möglicherweise – so ein anderer Analyst – werde Microsoft auch nur fortfahren, Zweifel an Linux und der Open-Source-Bewegung generell zu sähen.
Das alles ficht Linus Torvalds, den jugendlichen Vater der Linux-Bewegung, nicht an: Er kündigte auf der LinuxWorld den neuen Linux-Kernel 2.4 für Ende 1999 an, der natürlich besser, vor allem aber noch stabiler und leichter skalierbar sein soll als seine Vorgänger. „Unsere Freunde in Redmond“, so seine Spitze gegen Microsoft, „werden die Beta-Tester sein. Sie werden alles versuchen, Fehler in der neuen Version zu finden. Aber das wird ein verdammt harter Job für sie werden.“ J. D. BILLERBECK
Die grafische Benutzerumgebung KDE ist ein leistungsfähiges und flexibles Werkzeug zur Erstellung professioneller Anwendungen unter Linux.
Linus Torvalds, Begründer der Linux-Bewegung, auf der LinuxWorld: „Microsoft wird Beta-Tester unseres neuen Linux 2.4 sein.“

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