IEEE-Konferenz 19.06.2009, 19:41 Uhr

Innovation ist der Sauerstoff der Telekommunikationsbranche  

Kaum eine Branche baut so stark auf Forschung und Innovation wie die Telekommunikation, attestierten Branchenvertreter in Dresden. Dort tagten bis gestern Ingenieure des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE), des größten IT-Berufsverbands. VDI nachrichten, Dresden, 19. 6. 09, rb

„Wir erleben derzeit den Wandel von der Generation Download zur Generation Upload“, erklärte Hartmut Kremling, Cheftechniker von Vodafone und Arcor Deutschland, auf der IEEE International Conference on Communications (ICC) 2009. Menschen erstellen in zunehmendem Maße selbst Inhalte und machen sie über das Internet verfügbar. „Konvergenz bedeutet, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen und nicht die Technologie“, sagte Kremling, „auch wenn Technologie die notwendigen Voraussetzungen für Konvergenz schafft.“

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Die ICC, eine der wichtigsten Tagungen der Kommunikationsbranche, fand bis gestern in Dresden statt. In einer Vielzahl von Arbeitsgruppen und Vorträgen diskutierten Wissenschaftler und Manager aktuelle technische Fragen.

Zwar zeigt sich die Telekommunikationsbranche von der Krise bislang wenig betroffen, doch der Markt wird zunehmend global – und hart umkämpft. So warnte Hamid Akhavan, Chef von T-Mobile International, in seinem Eröffnungsvortrag vor einem Übermaß an staatlicher Regulierung. Die Telekommunikation werde derzeit vor allem von drei Trends entscheidend vorangetrieben: Digitalisierung multimedialer Inhalte, Mobilisierung des Internets und Personalisierung von Diensten und Anwendungen.

Ein hochwertiges Glasfasernetz als Rückgrat sei eine unabdingbare Voraussetzung für Fortschritte in der mobilen Kommunikation. Denn viele innovative Anwendungen seien erst aufgrund von drastisch erhöhten Bandbreiten bei der Datenübertragung möglich geworden.

Diese Entwicklung sei noch nicht beendet: „Was heute Breitband ist, wird morgen nur noch Schmalband sein.“ Und noch eine weitere Veränderung bewegt die Branche: „Früher haben wir Systeme entwickelt und den Leuten gesagt, was sie damit tun sollen“, so Akhavan. „Heute wollen die Kunden selbst entscheiden, wann, wo und wie sie Daten verarbeiten.“

Kaum eine andere Branche baut so stark auf Forschung wie die Telekommunikation. Innovation sei „der Sauerstoff für den Geschäftserfolg“, erklärten unisono hochrangige Vertreter von Konzernen wie Deutsche Telekom, Voda- fone, BT (British Telecom), Telefónica und Nokia Siemens Networks. Die Branche könne es sich nicht leisten, das Entwicklungstempo zu drosseln. Der Kundenwunsch nach einfacher Bedienbarkeit stelle die Industrie vor eine große Herausforderung, so Bruno Jacobfeuerborn, Technischer Direktor bei der Deutschen Telekom: „Um das Leben der Kunden einfacher zu machen, müssen die Systeme intelligenter und komplexer werden, ohne dass dies von außen sichtbar wird.“

Eine Voraussetzung dazu, und auf der ICC viel diskutiertes Forschungsthema: das „Cognitive Radio“ – leistungsfähige, intelligente Geräte und Kommunikationsstrukturen, die entscheidend dazu beitragen sollen, das verfügbare Frequenzband besser auszunutzen.

Forscher stellten in Dresden das Projekt EASY-C vor – vom Bundesforschungsministerium finanziert, arbeiten hier Mobilfunkunternehmen, Forschungsinstitute und die TU Dresden gemeinsam an der Entwicklung neuer Applikationen für die kommende Mobilfunkgeneration. Um weiter Techniken für höhere spektrale Effizienz zu erforschen, wird in Dresden ein weltweit einmaliges zellulares Testbett aufgebaut.

Die Kommunikationsnetze der Zukunft sollen zu selbstorganisierenden Systemen werden. Die Ingenieure wollen sie in die Lage versetzen, sich selbstständig zu planen, selbst zu konfigurieren, selbst zu optimieren und sich an Veränderungen anzupassen. Sie sollen zudem auch auf Fehler automatisch reagieren – doch bevor das gelingt, ist noch viel Forschungsarbeit erforderlich.

Zusätzliches Problem: „Alle fünf Jahre verzehnfacht sich die Datenrate“, erläuterte Prof. Gerhard Fettweis, Inhaber des Vodafone Stiftungslehrstuhls für mobile Nachrichtensysteme an der TU Dresden. „Das bedeutet: Alle fünf Jahre ist die Technologie komplett zu ersetzen.“

Und noch eine Premiere brachte die ICC ins Elbtal: Erstmals rückte das Thema „Green Communications“ auf die Agenda in der sächsischen Metropole. Für die Betreiber von Kommunikationsnetzen werden die Energiekosten allmählich zu einem bedeutenden Bilanzposten. Die Forschung ist deshalb angehalten, Lösungen zu finden, um den Stromverbrauch zu reduzieren. Gefragt sind beispielsweise Ideen für energiesparende Datenübertragung und cleveres Energiemanagement in Kommunikationsnetzwerken. So wäre es denkbar, die Datenübertragung zukünftig statt auf eine maximale Datenrate auf eine optimale Leistungsaufnahme auszurichten. ANKE MÜLLER

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