Informationstechnologie 19.03.2004, 18:29 Uhr

Informationstechnik stößt Innovation in allen Branchen an

An Innovationen führt kein Weg vorbei, wenn wir unseren Lebensstandard halten wollen. Sein Credo erklärt Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, nachfolgend. Eine Schlüsselrolle spiele dabei die Informations- und Kommunikationstechnik. In sie müsse die deutsche Wirtschaft investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Nach einigen Jahren der Stagnation meldet sich die Schlüsselbranche für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zurück. Die Informations- und Telekommunikationsbranche erwartet einen deutlichen Anstieg der Aufträge. In den kommenden Jahren – so die Prognosen – gewinnen die Märkte an Dynamik. Bereits 2004 rechnet die Computer- und Telekommunikationsbranche mit einem weltweiten Wachstum von 4 % bis 6 %. Ein wichtiger Gradmesser für den Aufschwung ist die diesjährige Messe CeBIT in Hannover. Von einer Erholung des Marktes kann nicht nur die IT-Branche, sondern die gesamte Wirtschaft profitieren. Denn moderne Informations- und Kommunikationstechnologien sind der Innovationstreiber für zahlreiche Branchen und Industriezweige.
Die Informations- und Telekommunikationsbranche gehört zu den größten Leistungsträgern der deutschen Wirtschaft. Etwa 750 000 Beschäftigte erwirtschaften einen Umsatz von mehr als 130 Mrd. $ im Jahr. Aber die volkswirtschaftliche Bedeutung der IT-Branche ist noch wesentlich größer als diese Zahlen ausdrücken: In Deutschland hängen über die Hälfte der Industrieproduktion und mehr als 80 % der Exporte vom Einsatz der Informations- und Kommunikationstechniken ab. Seit Mitte der 90er Jahre hat die Branche – nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom – sogar fast die Hälfte des gesamtwirtschaftlichen Produktivitätswachstums erwirtschaftet.
Die Informations- und Kommunikationstechnik ist damit ein entscheidender Impulsgeber für die gesamte Wirtschaft. Gewinnt die IT-Branche wieder an Fahrt, kann sie auch andere Bereiche beflügeln. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichen und initiieren Produkt- und Prozessinnovationen in zahlreichen Branchen und Industriezweigen. Sie bringen neue Funktionalitäten in die Produkte und vereinfachen Arbeits- und Herstellungsprozesse. Technischer Fortschritt in der Produktion oder in der Automobilindustrie ist ohne Informations- und Kommunikationstechnologien kaum noch denkbar. Insbesondere im Fahrzeugbau gehen viele Innovationen auf diese Technologien zurück – vom Antiblockiersystem über intelligente Airbags bis hin zu Navigationssystemen. Schon bald wird der Elektronikanteil an den Herstellungskosten eines neuen Wagens auf über 30 % steigen.
Als Enabler für andere Zukunftstechnologien spielen Informations- und Kommunikationstechnologien eine überragende Rolle im Innovationsprozess. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat zwölf Leit-Innovationen vorgestellt, die zeigen, wo sich Chancen für die deutsche Wirtschaft bieten. Alle diese Zukunftsfelder entspringen entweder aus den IuK-Technologien, hängen von ihnen ab, sind mit ihnen verbunden oder unterstützen ihre Verbreitung. Das zeigt die große Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnik als Basis- und Querschnittstechnologie. Sie leistet einen wesentlichen Beitrag zu einem nachhaltigen Wachstum.
Eine Belebung der IT-Branche hat auch positive Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Die Fraunhofer-Gruppe Informations- und Kommunikationstechnik IuK hat fünf aktuelle Themenschwerpunkte identifiziert, von denen nach ihrer Überzeugung Impulse für den kommenden Aufschwung ausgehen:
1. E-Government: Die elektronische Verwaltung ermöglicht die Neugestaltung der Beziehungen zwischen Bürgern, Verwaltung und Wirtschaft.
2. IT-Sicherheit: Zentrale Voraussetzungen für das E-Business sind Sicherheit, Vertraulichkeit und Verlässlichkeit. Neben neuen Sicherheitstechnologien durch Hard- und Software liegt die Herausforderung in der Entwicklung ganzheitlicher Sicherheitsstrategien für Unternehmen, Behörden und Privatanwender.
3. Usability & Utility Engineering: Technik benutzbar gestalten 4. Grid Computing: Hierbei werden mehrere Rechner in einer netzartigen Struktur – innerhalb von Firmen und über Firmengrenzen hinweg – miteinander verbunden.
5. Spiele und Edutainment: Multimediale Systeme bilden die Grundlage für die meisten neuen Freizeit- und Unterhaltungsangebote.
An Innovationen führt kein Weg vorbei, wollen wir auch in Zukunft unseren Lebensstandard halten. Die deutsche Wirtschaft muss in moderne Informations- und Kommunikationstechnologien investieren, um auch künftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Im vergangenen Jahr wurden nur 6 % des Bruttoinlandsprodukts in Informationstechnik und Telekommunikation ausgegeben. Deutschlands wichtigste Wettbewerber wendeten deutlich mehr Geld für IT auf – Schweden investierte knapp 9 %, Großbritannien und die USA jeweils rund 8 %. Vor allem den USA ist es in den vergangenen Jahren gelungen, durch IT-Investitionen ihre Produktivität deutlich zu steigern. Will Deutschland nicht den Anschluss verlieren, müssen nun auch deutsche Betriebe wieder verstärkt die IT-Infrastruktur ausbauen.
Die CeBIT kann hier wichtige Impulse verleihen. Die Informations- und Telekommunikations-Branche sieht nach mageren Jahren wieder Licht am Ende des Tunnels. Die Umfragen und Untersuchungen deuten auf einen Aufschwung hin. Aber schon Georg Christoph Lichtenberg wusste: Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen? Will sagen: Es nützt nichts, nur den Neu-Anfang zu begrüßen, wir müssen unsere Betriebe und sogar uns selbst aktiv verändern. Nur dann können auch Neu-Anfang und Aufschwung gelingen. HANS-JÖRG BULLINGER

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  • Hans-Jörg Bullinger

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