Telekommunikation 15.09.2006, 19:23 Uhr

„Im WLAN liegt die Zukunft“  

Private WLAN-Nutzer spannen ein weltweites drahtloses Netz, indem sie ihren Zugang anderen als Hotspot zur Verfügung stellen. „Wir haben schon jetzt mehr als 80 000 Hotspots“, so Martin Varsavsky, Gründer der FON- Community, die von Skype und Google unterstützt wird. Selbst Netzbetreibern, so der Entrepreneur, werde langsam bewusst, wie nützlich FON sein könne, um mehr DSL-Anschlüsse zu verkaufen.

Varsavsky: Was momentan fehlt, ist bezahlbarer, breitbandiger Zugang zum Internet. Die Leute sind von UMTS enttäuscht sind, weil es weder breitbandig noch sonderlich günstig ist. Außerdem ist UMTS einfach eine schlechte Technologie mit großer Latenz und langen Reaktionszeiten. WLAN ist viel schneller, doch es steht nur seinen Besitzern zur Verfügung. Die Idee von FON ist, dass alle teilen und voneinander profitieren.

VDI nachrichten: Wie groß ist die Community?

Varsavsky: T-Mobile betreibt in Deutschland, USA und Großbritannien zusammen 17 000 Hotspots. Wir haben schon jetzt mehr als 80 000. Immer mehr Geräte weisen eine WLAN-Schnittstelle auf, nicht nur Notebooks, sondern auch digitale Kameras oder etwa Nintendos Spielekonsole DS. Zum Weihnachtsgeschäft werden Microsoft und Sony Musik-Player mit WLAN anbieten, so dass man jeden Song herunterladen kann. Die Leute wollen WLAN-Zugang und deshalb wächst die FON-Community.

VDI nachrichten: War es schwierig, Skype und Google, von denen Sie 12 Mio. $ Kapital erhalten haben, von Ihrer Idee zu überzeugen?

Varsavsky: Es war schwierig, sie beide zu bekommen. Bei Skype war es einfach, denn die sind an FON interessiert, um mobil zu werden. Im November werden wir spezielle Skype-Telefone anbieten, die mit offenen WLAN-Signalen operieren. Googles Interesse an FON besteht einfach darin, möglichst viele Leute ins Internet zu bekommen, weil die Chance, dass sie dann Google nutzen, groß ist.

VDI nachrichten: Was halten Sie von freien WLAN-Netzwerken wie das in Deutschland populäre Freifunk.net?

Varsavsky: FON begrüßt jede Aktivität in diese Richtung, nur würden wir uns gerne damit verkoppeln. Wir sind bereit, uns mit allen Freifunk-Nutzern zu verschalten und ihnen User-Namen und Passwörter zu geben, damit sie über FON auch in Barcelona, Madrid oder New York surfen können. Wir wollen, dass sich alle WLAN-Netzwerke zusammentun. Das einzige Problem ist, dass wir nicht Tausende von User-Namen für ein einziges Netzwerk vergeben können. Unsere Regel lautet: Mitglied werden und einen User-Namen erhalten diejenigen, die einen Hotspot zur Verfügung stellen.

VDI nachrichten: Gibt es eigentlich Widerstand seitens der Internetservice-Provider und Telefonanbieter?

Varsavsky: Wir arbeiten schon heute mit vielen Telefonanbietern zusammen, mit Jazztel in Spanien, Laps2 in Schweden, Neuf in Frankreich und Interroute in Deutschland. Viele Leute glauben, dass FON schlecht für das Geschäft von Telefonanbietern ist. Dabei wird den Betreibern allmählich bewusst, dass wir ihnen sehr nützlich sein können, weil sich dadurch der Verkauf von DSL-Anschlüssen erhöht. Nur wer einen eigenen DSL-Zugang anbietet, kann Fonero werden und gratis woanders surfen. Wenn jemand jeden Tag bei seinem Nachbarn mitsurft und dafür jeweils 2 € oder 3 € zahlt, überlegt er sich irgendwann die Anschaffung eines eigenen DSL-Anschlusses.

VDI nachrichten: Dennoch verdienen Sie nur an den Aliens. Wie sieht Ihr Business-Plan aus?

Varsavsky: Ja, momentan gibt es nur rund 5000 Aliens. Das heißt, wir verlieren pro Monat eine halbe Mio. €. Wenn wir dagegen eine halbe Mio. Hotspots haben, werden wir beginnen, Geld zu machen. Ich gehe davon aus, dass wir an jedem Hotspot pro Monat 1 € verdienen, ungefähr ab Ende nächsten Jahres. Wir glauben an unsere Idee und finden, dass sie es wert ist, bis dahin Geld zu verlieren.

VDI nachrichten: Wird es für die Skype-Telefone ein eigenes Preismodell geben?

Varsavsky: Das Skype-Telefon plus FON-Ladegerät, das wir im November herausbringen wollen, wird etwa 150 € kosten. Unsere Router kosten nur 5 €. Das Telefon verbindet sich automatisch mit jedem FON-Hotspot man kann dann gratis telefonieren. Wir wollen Ende des Jahres ein weiteres Produkt vorstellen, das wir „FON Liberator“ nennen. Es ist unserem Router sehr ähnlich, hat aber einen USB-Anschluss und mehr Speicher. Man kann seinen iPod oder seine Festplatte direkt damit verbinden und braucht nicht mehr das Notebook für das Hoch- und Runterladen von Dateien. Sehr nützlich für Leute, die von der Fotoplattform FlickR, dem Broadcasting-Portal YouTube und kollaborativem Filesharing wie BitTorrent viel Gebrauch machen.

VDI nachrichten: Wohin, glauben Sie, wird sich die drahtlose Kommunikationswelt entwickeln und wird Wimax eine Rolle spielen?

Varsavsky: Die drahtlose Welt wird künftig wie die im Festnetz aussehen. Alles, was man im Festnetz tun kann, wird auch drahtlos möglich sein. In Europa gibt es das Schengener Abkommen. Man braucht an den Grenzen keinen Pass mehr zu zeigen. Wählt man sich aber z. B. in Italien ins Netz ein, beginnt die Roaming-Abzocke. Das muss sich künftig ändern. Ich denke, Wimax wird in ländlichen Gegenden eine Rolle spielen, aber nicht in Städten. Wimax hat eine unglaubliche Reichweite, aber nicht genügend Datendurchsatz und es ist teuer. In einer Stadt dagegen ist Reichweite nicht so interessant, weil alle auf einem Haufen wohnen. Daher glaube ich, dass in WLANs die Zukunft liegt. H. MERSCHMANN

Von H. Merschmann
Von H. Merschmann

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