Mobilfunk 26.02.1999, 17:20 Uhr

Im Tunnel ist das Handy stumm

Die Deutsche Bahn AG hat 103 ICE-Züge mit Repeatern ausgerüstet, um Handy- Telefonierern die Gespräche zu erleichtern. Doch in den vielen Tunneln nutzt auch diese Technik nichts.

Endlich gute Nachrichten von der Deutschen Bahn AG: Alle 103 ICE-Züge seien nun mit Repeatern ausgerüstet, welche die Faradayschen Käfige des Wagenkastens mit der Außenwelt verbinden, erklärt das zur Zeit vielgescholtene Unternehmen und verspricht damit Handy-Telefonierern Erleichterung. Die Antennen im Wageninneren sind mit Dachantennen verbunden und vermitteln Gespräche und Datenverbindungen in die Mobilfunknetze von D1, D2 und E-Plus. Viag-Interkom-Kunden können auf diese Netze ausweichen.
Die Repeater sind notwendig, weil die metallbedampften Scheiben und der Wagenkasten die Funksignale drastisch dämpfen und selbst in gut versorgten Gebieten nur schlechte Verbindungen erlauben. Zwei Wagen pro Zug, die mit einem Piktogramm gekennzeichnet und bei der Platzreservierung gebucht werden können, sind mit den Repeatern ausgerüstet.
Die Bahn hat lange gebraucht, diesen Schritt zu vollziehen. Schließlich kann sie sich damit bei Geschäftsreisenden profilieren, für die im Flugzeug schon lange ein Handyverbot gilt. Seit 1995 arbeitet eine Projektgruppe aus DB und Mobilfunknetzbetreibern an einer Lösung der Versorgungsprobleme. Bereits Ende 1997 sollten wenigstens die frisch gelieferten ICE2 mit Repeatern ausgerüstet sein – was sich als leere Versprechung entpuppte. Doch auch heute sind wesentliche Probleme keineswegs gelöst, denn es fehlt am Netz.
„Die Versorgung der Bahnstrecken ist ein laufendes Projekt“, sagt Denise Meggeneder vom Netzbetreiber E-Plus. Priorität hat die Strecke Bonn – Berlin. Und auch im kommenden Jahr werden nicht alle ICE-Strecken zu 100 % versorgt sein, deutet die Pressesprecherin an. Immerhin ist E-Plus von vornherein in die Planungen der Hochgeschwindigkeitsstrecke Frankfurt – Köln einbezogen. Dort zwingen viele Tunnel und die häufige Tieflage der Gleise zu einer eigenen Versorgung der Trasse.
Mannesmann Mobilfunk hat 1998 mit rund 50 neuen Basisstationen an den ICE-Strecken sein D2-Netz optimiert. Schließlich sind auch viele Zugbegleiter mit D2-Handys ausgerüstet. Wer allerdings im ICE zwischen Hannover und Würzburg oder Mannheim und Stuttgart telefonieren will, wird auch im Repeater-Wagen wenig Glück haben. Denn 159 km Tunnelstrecken sind nach wie vor unversorgt. „Die Kostenfrage ist ungeklärt“, erklärt D2-Pressesprecher Matthias Andreesen.
Zu den Tunneln haben die Mobilfunk-Betreiber keinen Zutritt. Zwar könnten die Bauwerke leicht mit einem Schlitzkabel versorgt werden, wie es etwa im Autobahntunnel am Leonberger Dreieck liegt. Doch die Kosten für die Eisenbahntunnel wollen offenbar weder Netzbetreiber noch Bahn übernehmen.
Es werde weiter verhandelt, erklären die Pressestellen lakonisch. Diese Verhandlungen ziehen sich bereits zwei Jahre hin. Wie bei den Lücken im Netz der Internet-Kiosk, den D2, Mannesmann Arcor und die Bahn in einem „Ideenzug“ testet, funktionieren soll, bleibt ein Rätsel. Nicht ohne Grund läuft der Kiosk auch offline.
Daß es auch anders geht, beweisen ausländische Eisenbahnen. Wer im Thalys von Köln nach Paris fährt, bekommt jederzeit eine Verbindung. Selbst bei 300 km/h – einer Herausforderung für Basisstationen und Handy – bricht der Funkkontakt nicht ab. Weil der vom TGV abgeleitete Hochgeschwindigkeitszug viel ruhiger fährt als der ICE, stören Telefonate kaum. Man kann sehr leise sprechen und hat selbst bei Höchstgeschwindigkeit nur selten Aussetzer. Die ausländischen D- und E-Netze sind hervorragend ausgebaut: Geschäftsleute telefonieren minutenlang mit ihren Gesprächspartnern, ohne das hierzulande übliche „Hallo, hören Sie mich?“ in das Handy brüllen zu müssen.
Wer den Mobilfunk professionell nutzt und seine Geschäftsgeheimnisse vor den neugierigen Ohren der Mitreisenden schützen will, bevorzugt diskrete Kurzmitteilungen am Handy. Für Versand und Empfang genügen schon ein paar Sekunden Aufenthalt im Mobilfunknetz. Und zum Eintippen der bis zu 160 Zeichen langen Botschaft ist im Zug sowieso reichlich Zeit. Alle anderen, die dennoch dringend telefonieren müssen, sind gezwungen, zu happigen Preisen auf die Telefonkabinen der Züge ausweichen, die mit dem analogen C-Netz verbunden sind. Die Antennen dafür hat die Bahn in den Tunneln der Hochgeschwindigkeitsstrecken selbst installiert.
F. WEIDELICH
Mit Mobilkommunikation könnte sich die Bahn bei Geschäftsreisenden profilieren, für die im Flugzeug ein Handy-Verbot gilt.
„Hallo, hören Sie mich?“ lautet in Zügen einer der meistgebrüllten Sätze von Handy-Besitzern.

Ein Beitrag von:

  • Friedhelm Weidelich

    Technikjournalist Friedhelm Weidelich schreibt seit vielen Jahren über Verkehrsinfrastruktur, Eisenbahnen und Fahrzeugbau für verschiedene überregionale Zeitungen, Online-Medien und Fachmagazine.

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