Mobilfunk 06.09.2002, 18:21 Uhr

Im Reich der Handys mit Öse

Winzig, trendy und mehr Accessoire denn Kommunikationsgerät – das sind die Handys aus dem Reich der Mitte. Trotz Marktführerschaft europäischer, amerikanischer und koreanischer Handy- hersteller sind einheimische Marken schwer im Kommen und haben gute Exportchancen. Die dritte Mobilfunkgeneration wird in China für 2003 erwartet. Chinesische Handys sind klappbar, manchmal nur noch daumengroß und obligatorisch mit Öse. Wie sonst lassen sich Maskottchen, die in 100 000 Variationen in kleinen Straßenshops angeboten werden, am Handy festmachen? Wie sonst kann man sein Handy um den Hals tragen?

Neueste Kreationen auf der CeBIT asia liegen im Extremfall in Juwelierläden. Renner auf der Messe war ein Kleinstmobiltelefon des Computerherstellers TCL mit echten oder falschen Diamanten rund um das Außendisplay. Der Spaß kostet umgerechnet 400 « bis 500 «. Ähnlich teuer ist ein erstes CDMA-Handy von Traditionshersteller Kejian aus Shenzen, das im September auf den Markt kommt.
Für 200 « ist das neue Siemenshandy „Minnie“ auf dem asiatischen Markt zu haben. Natürlich ist das kleine GSM-Handy mit WAP 1.2.1 klappbar und wird mit Öse ausgeliefert. Zielgruppe sind eindeutig junge Frauen. „Schwer im Kommen ist auch die Billigvariante um die 60 Dollar der chinesischen Hersteller Eastcom und Ketian“, kommentiert Bertrand Bidaud, Telekommunikationsspezialist für den asiatisch-pazifischen Raum bei Marktforscher Gartner, das rasch wachsende Marktsegment für breite Käuferschichten.
Es ist noch nicht lange her, dass nur wenige chinesische Handyhersteller in den einheimischen U-Bahn-Shops oder im Straßenbild zu sehen waren. Nun sind sie nicht mehr wegzudenken. Rapide stiegen die Marktanteile der rund 15 chinesischen Handyherstellern, darunter Kühlschrankhersteller wie Haier oder Hardwaregigant Legend, auf derzeit 15 % bis 17 %.
Kein Wunder: China ist weltweit der am schnellsten wachsende Mobilfunkmarkt. Laut chinesischem Ministry of Information Industry (MII) stieg die Zahl der Mobilfunknutzer von 83 Mio. Ende 2000 auf knapp 165 Mio. derzeit. Knapp 200 Mio. Nutzer erwarten Branchenkenner wie Peter Borger, Siemens“ Mobilfunkchef in China, Ende 2002.
„Wir nehmen die lokalen Konkurrenten sehr ernst“, sagt Borger. Obwohl er mittelfristig keinen Technologieführer auf dem chinesischen Markt ausmacht. Denn immer noch kaufen Handyproduzenten aus dem Reich der Mitte die Kommunikationsmodule bei großen internationalen Herstellern wie Motorola oder Siemens zu.
Wichtiger als die Technik und eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen sind ihnen Design und alle drei Monate eine neue Handykollektion mit ihrem chinesischen Markennamen. „Für uns ist das eine Win-Win-Situation“, meint Borger. „Auch wenn wir dabei Marktanteile abgeben. “
Als Neuheit stellte denn auch das französische Unternehmen Wavecom mit Niederlassungen in San Diego, Hongkong und Seoul auf der CeBIT asia das Kommunikationsmodul Quad Band Wireless Module für chinesische Handyhersteller sowie die gerade startenden PDA-Fabrikate vor. Damit können Nutzer mit Handys der Marke Volksrepublik sowohl in den USA, Südamerika, Asien und Europa telefonieren. Nur Japan bleibt mit i-mode außen vor. „Einheimischen Herstellern eröffnen sich damit Exportchancen in viele Länder, auch in den Westen“, ist Zhu Haibo, Wavecom-Manager des asiatisch-pazifischen Raums, überzeugt.
Doch nicht nur Handys sind für heimische wie internationale Hersteller ein wichtiges Geschäft. Große Hoffnungen setzen alle auf die Lizenzvergabe für die dritte Mobilfunkgeneration, die in China für die zweite Hälfte des Jahres 2003 erwartet wird. Dass es keine Versteigerung gibt, gilt in Branchenkreisen als ausgemacht. Zunächst sollen neben den beiden Mobilfunkanbietern China mobile und Unicom mit China Telecom and China Netcom noch zwei weitere Unternehmen im einheimischen Mobilfunkgeschäft entstehen.
Derzeit konkurrieren China mobile und Unicom um die Gunst ihrer Nutzer. Während das kleinere Unternehmen Unicom im Markt um die zweite Mobilfunkgeneration mit einer Marketingkampagne rund um ihr CDMA-Netz (Code Division Multiple Access) vorprescht, setzt Marktführer China mobile noch auf GSM, hegt jedoch bereits Aufrüstungspläne in Richtung TD-SCDMA-Standard bzw. UMTS.
China hat sich beim Mobilfunkstandard der dritten Generation für diese Übertragungstechnik entschieden, die mit asymmetrischem Datenverkehr arbeitet, so dass Empfangs- und Sendekapazitäten flexibel genutzt werden können. Siemens hat TD-SCDMA lokal zusammen mit der chinesischen Firma Datang entwickelt.
Laut Siemens ist die Technik noch in diesem Jahr marktreif. Damit können die bestehenden GSM-Netze in China relativ kostengünstig auf TD-SCDMA umgerüstet werden. Lukrativ für Siemens, denn der Aufbau der Netze in China bringt dem Konzern ein Viertel des Umsatzes im Infrastrukturgeschäft.
Bislang haben die Münchener rund 100 Mio. Dollar in TD-SCDMA investiert und hoffen, dass 40 Mio. Kunden bis 2005 mit diesem Standard telefonieren. Dabei ist TD-SCDMA bei der Übertragungsbandbreite und damit der Geschwindigkeit beim Austausch großer Datenmengen im Vergleich zu den anderen 3G-Standards UMTS und CDMA 2000 niedriger.
Größtes Hindernis ist derzeit noch die Entwicklung entsprechender Handys. „Anfang 2003 bringen wir die erste Generation von Handys für diese Basis auf den Markt“, verspricht jedoch Peter Borger von Siemens.
Dass es Siemens mit dem chinesischen Markt ernst ist, zeigt auch ein erstes Investment in das Pekinger Start-up Magus Soft, spezialisiert auf mobile Spiele und Unterhaltungssoftware. „Schwerpunkt ist eindeutig der chinesische Markt, denn Spiele haben immer einen spezifischen regionalen Fokus“, sagt Dietrich Ulmer, Geschäftsführer des Beteiligungszweigs Siemens Mobile Acceleration.
Wann Siemenshandys speziell für den chinesischen Markt mit Magus- Soft-Spielen auf den Markt kommen, ließ Ulmer offen. Fest steht, es werden China Mobile und China Unicom mit SMS-, WAP,- und herunterladbaren Spielen beliefert.   N. WOHLLAIB

 

Ein Beitrag von:

  • Nikola Wohllaib

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