E-Business 13.08.1999, 17:22 Uhr

Im Internet zielt Bayern auf die Champions League

Fußballfans wollen alles über ihre Stars wissen, und die Fußball-Bundesligisten liefern ihnen die Neuigkeiten – über ihre Homepage. Einige Vereine nutzen das Internet zum Online-Verkauf von Tickets.

Saisonauftakt in der Bundesliga, das Stadion ist fast voll. Es ist Samstagnachmittag, der Uhrzeiger eilt auf 15.30 Uhr zu. Viel langsamer bewegt sich dagegen die Schlange vor der Kasse. Die Fans werden nervös: So schaffen wir es nicht mehr bis zum Anpfiff auf die Tribüne. Fehlt nur noch, daß die Bude gleich geschlossen und ein Schild aufgehängt wird: Ausverkauft! Hätte man sich doch mal früher um die Karten gekümmert.
Hätte man. Dabei gibt es mittlerweile viele Wege, an Karten zu kommen – selbst für diejenigen, die weitab von Vorverkaufsstellen wohnen. Und das sind viele: Zu Bayern München, hat Manager Uli Hoeneß erkannt, „kommen 80 % der Zuschauer nicht aus München.“ Deshalb erleichtern einige Fußball-Bundesligisten ihren Fans den rechtzeitigen Zugriff – per Online-Bestellung. 17 von 18 Clubs der Eliteklasse sind mit eigener Homepage im Internet präsent, einzig Neuling Unterhaching hinkt noch hinterher. Vier der 17 – der VfB Stuttgart, Werder Bremen, Schalke 04 und Borussia Dortmund – vertreiben bereits Tickets für ihre Heimspiele über die Website die Bayern und weitere Vereine planen, nachzuziehen.
Für manche lohnt es sich allerdings kaum: Die BayArena in Leverkusen bietet nur 22 500 Plätze, die Karten sind ohnehin rasch ausverkauft. Dennoch sei die Idee der Online-Kartenbestellung auch für Bayer Leverkusen ein Thema, sagt Michael Brückmann, der für die Bayer Sportwerbung den Internetauftritt betreut: „Das Internet gewinnt stetig an Bedeutung, und wenn die Fans bald lieber ihre Karten online bestellen, müssen wir ihnen das ermöglichen.“
Beim SV Werder Bremen, dem ersten deutschen Club mit diesem Angebot, kümmert sich die Westermann GmbH schon in der dritten Saison um den Online-Verkauf. Damit ergänzt sie die herkömmlichen Vertriebswege, den Postversand per Nachnahme und den Direktverkauf an Vorverkaufsstellen.
Der Postversand mit Nachnahme-Zahlung muß 14 Tage vor der Partie erfolgen – online können sich Kurzentschlossene noch drei Tage zuvor Karten sichern. Zudem erspart die Online-Bestellung den Fußballfreunden sowohl den Weg zum Briefkasten als auch zur Vorverkaufsstelle.
Doch einen Makel hat die Methode: Der Kunde muß beim Bestellen die Nummer seiner Kreditkarte eintippen – und davor schrecken noch viele zurück, weil sie der Datensicherheit im Netz nicht trauen. Geschäftsführer Hermann Westermann hält diese Vorsicht für übertrieben: „Seine Kreditkartennummer im Internet anzugeben ist genauso sicher, als wenn man bei Karstadt mit der Karte bezahlt.“ Die Bedenken vieler Karteninhaber halten den Erfolg des Online-Ticket-Verkaufs bislang in Grenzen. Den Durchbruch erwartet Westermann dennoch: „Der Online-Ticketverkauf wird richtig anziehen, wenn sich Geldkarten-Lesegeräte durchsetzen, die am heimischen PC angeschlossen werden können.“

Die Schuhgröße der Fußballstars

Auch das Merchandising via Internet setzt sich nur langsam durch. Bislang werden rund 5 % der grün-weißen Mützen, Schals und Trikots per Mausklick geordert – aber immerhin schon für 10 000 DM bis 15 000 DM je Monat. Westermanns Programmierer arbeiten derzeit an einem direkten Pfad vom PC ins Lager. Dann soll der Fan sofort sehen können, ob das Andy-Herzog-Trikot vorrätig ist. Der Laden wird umgangen, der Bearbeitungsweg kürzer und das Online-Merchandising attraktiver.
Bis sich E-Commerce etabliert, dienen die Websites den Vereinen vor allem zur Fanbetreuung. Die Öffentlichkeitsarbeiter listen hier auf, was die Anhänger einer jeden Mannschaft wissen wollen: den Spielplan, die Tabelle, Presseberichte über die Leistungen des eigenen Teams. Zusätzlich zu diesem Mindeststandard stellen manche Seiten noch jeden einzelnen Spieler aus dem Kader vor: Wie viele Spiele hat er schon für seinen Verein absolviert, wie viele in der Nationalelf, wie groß ist er. Manche Vereine, wie der VfB Stuttgart, geben die E-Mail-Adresse ihrer Kicker an und schaffen so einen unmittelbaren Draht zwischen Fan und Star. Schalke 04 dokumentiert zudem sein Verletzungspech: Die Anhänger der Gelsenkirchener können sich täglich informieren, welche Spieler unter Blessuren leiden, wer einsatzbereit ist und wer nicht.
So erfährt der Fußballfreund alles, was er über sein Team wissen möchte, und auch manches, was er vielleicht nicht unbedingt wissen müßte – etwa daß Thorsten Legat vom VfB Stuttgart die Bayern für den besten ausländischen Verein hält, mit welcher Lebensmaxime sich Rostocks Angreifer Steffen Baumgart durchschlägt („Kopf hoch, es geht immer weiter“), welche Schuhgröße Jungnationalspieler Heiko Gerber hat (6,5).
Die Qualität des Internetauftritts entspricht oft der jeweiligen Spielstärke. Kleinere Vereine wie Hansa Rostock und MSV Duisburg begnügen sich mit eher unübersichtlichen Seiten die Web-Präzenz läuft unter der gleichen Devise wie der Kampf um den Klassenerhalt: Dabeisein ist das Wichtigste. Finanzstarke Clubs wie Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen warten dagegen mit aufwendig gestalteten Seiten auf, mit Gewinnspielen und aktuellen Interviews.
„Wir möchten unsere Fans mit interaktiven Elementen einbeziehen“, sagt Michael Brückmann aus Leverkusen. So bot Bayer 04 einen Live-Chat mit dem Spielführer Jens Nowottny an – mehrere tausend User klickten sich ein, die technische Kapazität war ausgelastet, die Aktion ein Erfolg. Ansporn weiterzumachen: „Wir wollen nun 3D-Elemente und Tondokumente einbauen. Es könnte sein, daß wir bald die Pressekonferenz nach dem Spiel im Internet übertragen, vielleicht auch Szenen vom Training.“ Und womöglich, aber das sagt bislang noch niemand, auch Szenen von den Spielen, wenn die Eigenvermarktung der Fernsehrechte einmal durchgesetzt ist.
Wenn andere Clubs soweit planen, kann der Deutsche Meister Bayern München nicht hinten anstehen. Die Bayern lassen ihre Homepage komplett überarbeiten. Derzeit stößt der Surfer, der www.bayernmuenchen.de eintippt, nur auf das Bayern-Emblem. Aber im Oktober wird er dort die neue Website finden, deren Qualität dem Selbstverständnis der Münchener entsprechen soll: europäische Spitze. „Wir spielen in der Champions League gegen die besten europäischen Mannschaften, also müssen wir auch deren Niveau haben“, sagt Stefan Mennerich, beim FC Bayern zuständig für den Internetauftritt.
Die Bayern haben sich einen entsprechenden Partner gesucht: Eine englische Agentur, die sich auf Großclubs spezialisiert hat und auch Juventus Turin und den AC Parma betreut. Die Briten bauen eine sechsköpfige Online-Redaktion in München auf, die von der Bayern-Pressestelle mit Neuigkeiten über Effenberg, Basler und Co. gefüttert wird. Für die Engländer sprach auch die Sprachkompetenz: Die künftige Homepage wird komplett zweisprachig sein, deutsch und englisch. „Bei den vielen Fans, die wir weltweit haben, in den USA und selbst in China,“, sagt Mennerich, „reicht uns eine nur deutschsprachige Seite nicht aus.“ Schließlich verzeichneten die Bayern im Mai, dem Monat des Champions-League-Finales, rund 1,5 Mio. Page-Impressions aus aller Welt.
UWE SCHMIDT
Fußball-Euphorie: Die neue Bundesligasaison, die am Wochenende beginnt, läßt die Fans zu tausenden in die Stadien strömen. Per Internet können sie sich schon vorab auf das Spiel einstimmen.

Von Uwe Schmidt
Von Uwe Schmidt

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