Telekommunikation 30.03.2007, 19:27 Uhr

„Ich verstehe mich als Unternehmer“  

VDI nachrichten, Köln, 30. 3. 07, ps – Das Kölner Telekommunikationsunternehmen QSC will kräftig wachsen. Im DSL-Geschäft hat das börsennotierte Unternehmen große Pläne. Vorstandschef Bernd Schlobohm zur Zukunft seiner Firma.

Schlobohm: In diesem Jahr wollen wir um mehr als 30 % wachsen. Der Umsatz soll Ende 2007 über der Marke von 350 Mio. € liegen. Unterm Strich planen wir einen Gewinn zwischen 15 Mio. € und 25 Mio. €.

VDI nachrichten: Wie und wo will QSC wachsen?

Schlobohm: Aus eigener Kraft. Bei unseren drei strategischen Geschäftsfeldern handelt es sich um Wachstumsmärkte. Besonders stark werden wir aber im Wholesale-Bereich zulegen. Also dort, wo wir Massenanbietern DSL-Anschlüsse zuliefern. Dieser Markt wird in den nächsten zwei Jahren verteilt. Und da wir über die Infrastruktur verfügen, um attraktive Dienstleistungen zu liefern, wird das Wachstum dort besonders hoch sein.

VDI nachrichten: Wird das QSC-Netz weiter ausgebaut?

Schlobohm: Bis zum Ende des Jahres werden wir insgesamt 2000 Hauptverteiler angeschlossen haben, derzeit sind es um die 1200. Dieser Schritt wird es uns ermöglichen, 50 % aller Haushalte zu erreichen und 70 % aller ausgeschriebenen Unternehmensstandorte.

VDI nachrichten: Wo wird das Netz ausgebaut?

Schlobohm: Im Wesentlichen sind jetzt Städte dritter Ordnung dran, also solche mit weniger als 200 000 Einwohnern. Und es geht vor allem um die Speckgürtel von Großstädten. So werden wir bis Mitte des Jahres allein über 400 weitere Hauptverteiler in Städten wie Grevenbroich, Aschaffenburg oder Hockenheim ausbauen. Aber auch Städte wie Flensburg im Norden bis Passau im Süden stehen auf dem Plan.

VDI nachrichten: Seit Kurzem präsentiert sich QSC in edlem silber, weiß und orange. Das soll den Anspruch, ein Premiumanbieter zu sein, unterstreichen. Wie wichtig sind solche Marketingmaßnahmen?

Schlobohm: Wir haben festgestellt, dass der Kunde heute mit vielen Problemen in der Telekommunikation konfrontiert wird. Es wird zu technisch argumentiert und zu sehr auf einzelne technische Funktionalitäten abgehoben, so dass er das eigentliche Produkt gar nicht mehr verstehen kann. Wir glauben, dass man durch Qualität, besonders durch guten Service und dadurch, dass der Kunde versteht, was wir ihm bieten, einen Mehrwert generieren können. Das hebt QSC von anderen Anbietern ab.

VDI nachrichten: Im Privatkundensegment ist DSL extrem billig geworden. Ist Preisverfall auch für Sie ein Thema?

Schlobohm: Preisverfall ist natürlich immer ein Thema. Besonders im Massenmarkt, für den wir ja Vorprodukte liefern. Aber der Geschäftskundenmarkt ist aus unserer Perspektive nicht so preissensitiv. Hier lebt man im Wesentlichen davon, dass man gute Qualität zu einem vernünftigen Preis anbietet. Für viele Kunden ist es viel, viel wichtiger als der Preis, dass die Leitung nicht ausfällt und immer mit hoher Qualität funktioniert.

Hinzu kommt: Der deutsche Mittelständler macht sehr gerne Geschäfte mit anderen Mittelständlern. Auch weil der Mittelständler auf Kundenseite immer noch die Möglichkeit hat, mich anzurufen. Das wird ihm bei René Obermann wahrscheinlich nicht so leicht gelingen.

VDI nachrichten: Vergangenes Jahr haben Sie die Broadnet in Hamburg übernommen. Was passiert mit dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern?

Schlobohm: Wir haben das Unternehmen seinerzeit nicht nur wegen der Netzwerksynergien gekauft, sondern auch, weil wir Talente dazu kaufen wollten. In unserer Branche gibt es heute schon den Kampf um gute Mitarbeiter. In diesem Jahr wollen wir 70 bis 100 weitere Mitarbeiter einstellen, Ingenieure, Informatiker, Leute, die eine technische Ausbildung haben sowie auch andere. Aber es wird schwierig, all diese Stellen zu besetzen. Von daher wird Hamburg ein starker Standort des Konzerns bleiben und auch ausgebaut werden.

VDI nachrichten: Vor gut einem halben Jahr haben QSC und Tele2 die Plusnet gegründet. QSC hat seinerzeit ihr DSL-Netz eingebracht, Tele2 Kapital für den Ausbau. Wann werden Sie weitere Partner mit an Bord nehmen?

Schlobohm: Mögliche dritte Partner stehen vor der Tür, aber wir lassen uns Zeit. Ende 2007, wenn wir das Ziel von 2000 Hauptverteilern erreicht haben, wird die Plusnet noch attraktiver sein.

VDI nachrichten: Wie muss der dritte Partner aussehen?

Schlobohm: Er wird nicht aus dem Geschäftskundensegment kommen oder in diesem Segment aktiv sein. Schließlich wollen wir niemand aufs Pferd helfen, der uns in unserem Kernmarkt Konkurrenz macht.

VDI nachrichten: Der DSL-Markt steht vor der Konsolidierung. Mit was für einem Auge schauen Sie auf diesen Prozess?

Schlobohm: Mit einem sehr wachsamen. Heute existieren in Deutschland vier nationale Breitbandnetze. Es wäre für uns sicher interessant, wenn es statt vier, drei würden.

VDI nachrichten: Aber doch nur, wenn QSC dabei eine aktive Rolle spielt.

Schlobohm: Im Rahmen des Möglichen natürlich. Daher werden wir beobachten, wie sich der Markt entwickelt. Ich glaube, dass die Konsolidierung innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre stattfinden wird.

VDI nachrichten: Macht das neue VDSL-Netz der Deutschen Telekom der QSC Konkurrenz?

Schlobohm: Im Geschäftskundensegment ist VDSL keine Konkurrenz. Aber wenn es ein komplett ausgebautes VDSL-Netz in Deutschland gäbe, könnte es im Massenmarkt schon Konkurrenz sein. Aber ich sehe heute keine Anwendungen, die ein VDSL-Netz rechtfertigen würden. Auch über ADSL2+, dem Standard, mit dem unser Netz ausgerüstet ist, kann man HDTV-Fernsehen schauen.

VDI nachrichten: Wie ist Ihr Verhältnis zur Deutschen Telekom?

Schlobohm: Sie ist natürlich unser größter Mitbewerber. Andererseits sind wir ein Großkunde der Deutschen Telekom. Und ich würde mir wünschen, dass wir genauso behandelt würden, wie etwa VW oder DaimlerChrysler. Schließlich überweisen wir der Telekom sehr viel Geld. Wir kaufen von ihr ja die sogenannte letzte Meile, den Kupferdraht, der vom Hauptverteiler zum Kunden führt. Darüber hinaus gibt es weitere Übertragungsleistungen, die wir von der Telekom beziehen.

VDI nachrichten: Die Deutsche Telekom will ja ihren Service verbessern. Wird QSC davon profitieren?

Schlobohm: Das ist hier die Frage. Wenn sie ihren Service auch im Wholesale-Bereich, der Anbietern wie uns Vorleistungen liefert und einer der profitabelsten Bereiche der Deutschen Telekom ist, verbessert, werden wir profitieren. Wenn sie sich aber ausschließlich auf Endkunden konzentriert, wird QSC nichts davon haben.

VDI nachrichten: Angeblich bezahlt die Telekom ihre Mitarbeiter besser als die Wettbewerber. Ist es für QSC schwierig, Mitarbeitern attraktive Verträge zu bieten?

Schlobohm: Das ist mir noch nicht aufgefallen. Möglicherweise zahlt die Telekom sehr gut im Call-Center oder Kundenservice-Umfeld. Jedoch bei anspruchsvolleren Tätigkeiten tut sie das meiner Wahrnehmung nach nicht.

VDI nachrichten: Profitiert QSC vom schlechten Betriebsklima in Bonn?

Schlobohm: Es ist nicht so, dass jetzt Busse mit Bewerbern aus Bonn vor unserer Tür ständen. Aber wir kennen natürlich keine Berührungsängste gegenüber ehemaligen Telekom-Mitarbeitern. Vorausgesetzt, sie bringen die richtige Einstellung mit. Zu uns passen nur Menschen, die ein gewisses Energieniveau mitbringen und die etwas bewegen wollen.

VDI nachrichten: Sie sind nicht nur der Vorstandsvorsitzende von QSC, sondern auch einer der Gründer. Was ist Ihr Selbstverständnis?

Schlobohm: In erster Linie verstehe ich mich als Unternehmer, obwohl ich natürlich auch angestellter Manager bin. Meine ureigenste Aufgabe ist es, auf die Unternehmenskultur zu achten. QSC basiert auf Werten wie Glaubwürdigkeit und Fairness. Hanseatische Tugenden wie Respekt und Anstand unter Handelsherren, Vertrauen – all das ist mir wichtig.

VDI nachrichten: Aber wie lange können Sie für diese Unternehmenskultur noch einstehen? An der Börse wird QSC als Übernahmekandidat gehandelt …

Schlobohm: (lacht) Das habe ich auch gelesen. Als gelistetes Unternehmen werden wir mit solchen Gerüchten immer leben müssen. Wen wir schon alles kaufen sollten oder wollten, wer uns schon alles kaufen wollte…

VDI nachrichten: Bleibt QSC auf Dauer selbstständig?

Schlobohm: So was kann man nicht planen. Aus heutiger Perspektive würde ich sagen, die Chancen stehen langfristig 50 zu 50. MARLIES RIEPE

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  • Marlies Riepe

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