Software 10.12.1999, 17:23 Uhr

„Ich habe nur das getan, wovon ich überzeugt bin“

Der Glauben, dass Leistung und Wille letztlich stärker als Vorurteile sind, beförderte Christiane Glöckler bis in die Führungsetage von Autodesk Deutschland.

Christiane Glöckler hat ihre Ziele immer fest vor Augen. Geriet sie auf dem Karriereweg ins Stolpern, trugen dazu weder fehlendes Fachwissen noch mangelndes Durchsetzungsvermögen als vielmehr gesellschaftliche Vorurteile bei. Mit zäher Beharrlichkeit ignorierte sie die Hürden, die ihr die Männerwelt in schöner Regelmäßigkeit in den Weg stellt. „Eine Frau und Führungsaufgaben – das passt doch nicht zusammen“, war der manchmal ausgesprochene, manchmal zwischen den Zeilen hörbare Einwand. Christiane Glöckler nahm die Ablehnungen auf ihre Bewerbungen meist kommentarlos hin und führte ihren beruflichen Kurs unbeirrt fort. „Manchmal habe ich mich schon regelrecht diskriminiert gefühlt. Gottlob habe ich aber diesen ´Jetzt-erst-Recht-Chararkter´“.
Bis Christiane Glöckler vor einigen Monaten auf dem Geschäftsführer-Sessel bei Autodesk GmbH in München Platz nahm, hatte sie trotz ihrer erst 43 Jahre bereits eine facettenreiche Karriere hinter sich. Den Sockel für ihr solides Selbstvertrauen legte die Mädchenschule in Bad Kissingen. „Ausschließlich unter Mädchen zu sein, war gut für mein Selbstwertgefühl, da Vorurteile hier keine Rolle spielten.“ Auf den Wunsch ihrer Mutter folgte eine Banklehre. „Das einzig Schöne daran war der Umgang mit Menschen“ – also raus aus der provinziellen Enge und dorthin, wo das Leben pulsiert. Die Anzeige, in der ein Münchner Dienstleistungsunternehmen für Banken eine Organisations-Assistentin suchte, klang vielversprechend. Mit dem kecken Vorschlag, in der Bank müsse sich die Organisationsform ändern, trat sie 1976 ihren Dienst an.
Nach mehr als zwei Jahren juckte aber das Selbstwertgefühl: „Die männlichen Kollegen im Vertrieb arbeiten ein Drittel von dem, was ich mache und verdienen doppelt so viel. Das kann doch nicht sein, dachte ich mir.“ Der erste Gedanke schien der beste: „Beim Verkauf ist man sehr viel mit Menschen zusammen. Ich wollte in den Vertrieb.“ Christiane Glöckler stieß jedoch schnell an die gesellschaftlichen Grenzen. In den Absagen hieß es so oder ähnlich: „Verkauf ist etwas Seriöses, und nichts für Mädels.“ Dass sie keinen Hochschulabschluss hat, war nie ein Thema, nur ihr Geschlecht.
Das erste Unternehmen, das sich von den Vertriebstalenten Glöcklers überzeugen durfte, war die Firma NCR (National Cash Register). „Immerhin hat man dort anerkannt, dass ich zu mehr als zum schmucken Aushängeschild tauge.“ Dennoch bringe eine Frau nach Aussage einiger Kollegen „Unruhe in den Laden“. Nach einem Jahr folgte mit der Beschäftigung bei dem Frankfurter Unternehmen Bourroghs (amerikanischer Hardware-Hersteller) die zweite Vertriebs-Stelle. Obwohl ihr Chef das „Bayern-Madel“ förderte, wo immer es ging, konnte er sich doch hin und wieder einige Spitzen nicht verkneifen: „Führungsqualitäten sind bei Frauen nun einmal nicht beurteilbar, da sie über keine verfügen“, scherzte er auf Kosten seiner Mitarbeiterin.
Das Intermezzo bei einem weiteren Münchner Unternehmen brachte ihr die Erkenntnis, wie wichtig eine harmonische Arbeitsatmosphäre ist. „Nach dieser Negativerfahrung war mir klar, dass ich vor allem als Mensch und nicht als reiner Leistungsträger wahrgenommen werden wollte.“ Bei Hewlett Packard erfüllte sich der Wunsch nach mehr Achtung und Respekt. „Erstmals zählten die guten Argumente, und nicht das Geschlecht.“ Nach einem Jahr rückte Christiane Glöckler auf den Posten der Vertriebsleiterin vor. Als Chefin von 14 Männern gestaltete sich der Einstieg schwerer als vermutet. „Ich wollte alles besonders gut machen. Ich stellte eine Härte zur Schau, die absolut überflüssig war. Gleichzeitig wünschte ich mir mehr Respekt, nach dem Motto ´bitte akzeptiert mich doch´.“ Aber erneut siegte der innere Schweinehund. „Schließlich habe ich kapiert, jeden in seiner Andersartigkeit zu akzeptieren. In leitender Funktion sollte es die Hauptaufgabe sein, jedem Mitarbeiter die geeignete Plattform zu geben, auf der er sich entwickeln kann.“ Ein Trugschluss sei es, als Manager in allen Bereichen besser sein zu wollen als die Mitarbeiter. Vielen Frauen unterliefe der Fehler, „bessere Männer sein zu wollen. Wenn sie nicht mehr sie selbst sind, geht zwangsläufig die Authentizität verloren“.
Neue Herausforderungen ließen nicht lange auf sich warten. Bei Xerox Engineering Systems erfüllte sich Christiane Glöckler zunächst den Wunsch, ein eigenes Vertriebs-Team auf die Beine zu stellen. „Es war im ursprünglichsten Sinne das Gefühl, ein neues Gebilde zu ´schaffen´. Wir hatten unter einander ein enges Verhältnis, das sehr viel Platz für neue Ideen eröffnete.“
Schließlich siegte aber 1992 die Herausforderung „Autodesk“. „Es reizte mich, in einem Unternehmen mitzuwirken, dass auf dem Wege war, sich quasi aus dem Nichts zum weltweit führenden Hersteller für PC-basierende Konstruktions- und Digital Media-Software zu mausern.“ Aber da neue Herausforderungen für Christiane Glöckler „logische Schritte“ ihres Berufslebens sind, machte sie kein Hehl daraus, mit dem Posten der Geschäftsführerin zu liebäugeln. Und dieser Wunsch ließ sich mit Empfehlungen untermauern: Als Vertriebsleiterin für Deutschland, Österreich und die Schweiz hatte sie den Umsatz auf 144,1 Mio.DM verdoppelt. „Ihre Erfahrung und der Respekt, den sie sich bei unseren Partnern erworben hat, sind wichtige Faktoren, um unsere Erfolge weiter auszubauen“, kommentierte Gerard Keraval, Vize-Präsident Europa, Glöcklers Ernennung zur Geschäftsführerin im Mai diesen Jahres.
„Die CAD-Branche befindet sich in einem stetigen Wandel, wobei wir in vielen Marktsegmenten tätig sind. Die Zukunft wird mächtig aufregend“, glaubt Glöckler. Besonders spannend sei das neue Betätigungsfeld Osteuropa und Russland, wo völlig andere Business-Regeln gelten. „Die Deutschen sind dort nicht sonderlich beliebt. Das liegt vor allem an der Oberlehrermentalität, alles immer besser zu wissen. Ich habe mir darüber viele Gedanken gemacht. Wir sind ein multikulturelles Unternehmen und stehen deshalb in der Pflicht, an diesem Zustand etwas zu ändern.“
Trotz allen Engagements sind die Zeiten des Bis-in-die-tiefe-Nacht-Arbeitens vorbei. „Nicht die Quantität, sondern die Qualität der Arbeit zählt“, entgegnet Christiane Glöckler dem überzeichneten Bild des rund um die Uhr emsigen Managers. Schließlich müsse Zeit bleiben, neue Kräfte zu tanken. „Ich lese viel, koche häufig und bin mit meinen Mann gerne unter Freunden.“ Überhaupt müsse das Umfeld stimmen. „Ich bin kein Typ, der um jeden Preis Karriere macht. In Detroit habe ich beispielsweise einen Job nach sechs Wochen quittiert, weil mir die Stadt nicht gefiel. München hat die Qualität, die ich brauche. Ich habe nie etwas getan, wovon ich nicht überzeugt war.“
Die zahlreichen Bewerbungen, die aufgrund ihres Geschlechtes abgelehnt wurden, erscheinen ihr rückblickend als gesellschaftliches Phänomen, das weitgehend überwunden ist. „Mein Tipp: Sollte so etwas heute noch passieren, sollten Frauen dies nicht persönlich nehmen. Manchmal sind überkommen geglaubte Traditionen noch in den Köpfen der Männer verhaftet. Das ist keine böse Absicht.“ WOLFGANG SCHMITZ
Autodesk ist in seiner Branche längst kein Außenseiter mehr, wie die Präsenz auf bedeutenden Messen wie der Cebit beweist. Christiane Glöckler: „Frauen sollten nicht versuchen, bessere Männer zu sein.“

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Schmitz

    Wolfgang Schmitz

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Bildung, Karriere, Management, Gesellschaft

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