Informationstechnologie 30.07.2004, 18:32 Uhr

Hightechs geben sich mit Stück der Torte zufrieden

VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 7. 04 -Wenige junge HightechUnternehmen aus Deutschland wagen die internationale Expansion auf eigene Faust. Immer öfter versuchen sie, unter der Fahne eines amerikanischen Konzerns den Weltmarkt zu erobern. Umgekehrte Fälle, in denen hiesige Firmen US-Wettbewerber aufkaufen, sind rar. Ein Hauptgrund ist der mangelhafte Kapitalmarkt in Deutschland.

Die United Internet AG ist eine Ausnahme. Der Internet Service Provider aus Montabaur will aus eigener Kraft den großen Teich überspringen. „Unser Ziel ist es, bis 2006 einer der Top-5-Anbieter in den USA zu sein“, so Pressesprecher Marcus Schaps. Dieses ehrgeizige Ziel scheint erreichbar – obwohl sich bereits über 2000 Wettbewerber zwischen Ost- und Westküste tummeln. Der Clou: „Wir haben über einen Zeitraum von 100 Tagen ein Hosting-Paket mit vielen Features kostenlos angeboten. Besteller sparen innerhalb der dreijährigen Laufzeit rund 1000 $ im Vergleich zum üblichen Marktpreis.“ Der Andrang war groß. „Wir waren Thema in allen wichtigen Web-Foren. Parallel haben wir in den relevanten Fach- und Wirtschaftstiteln geworben.“ Die Kosten der gesamten Marketing-Aktion konnten im 4. Quartal 2003 auf 2 Mio. € begrenzt werden. „Verlage gewährten uns niedrige Anzeigenpreise. Sie hoffen auf Folgeaufträge, sobald wir einen großen Marktanteil erreicht haben.“ Auch die Haben-Seite entwickele sich positiv: „Da unsere Internet-Mehrwertdienste skalierbar sind, bringt uns jeder Kunde zusätzlichen Ertrag.“
Schaps räumt ein, dass die Strategie seines Unternehmens nicht einfach auf andere Firmen übertragbar ist. „Wir konnten den Alleingang nur wagen, weil die Kosten klar überschaubar blieben und weil der US-Markt stark fragmentiert ist. Gegen ein paar dominierende Wettbewerber wären wir ohne Partner nicht angetreten.“
So sehen sich immer mehr deutsche Manager gezwungen, ihre Wachstumsziele über den Verkauf ihres Unternehmens zu realisieren. Ein typisches Beispiel ist die Suse Linux AG. Das Nürnberger Unternehmen wurde im Januar für 210 Mio. $ an die amerikanische Novell Inc. verkauft. Der ehemalige CEO Richard Seibt, heute President Novell Europe, MiddleEast and Africa, erklärt: „Gute Technologie hat immer nur wenig Zeit, zu einem weltweit akzeptierten Produkt zu werden.“ Theoretisch gebe es zwei Wege, den schnelllebigen IT-Markt zu erobern. „Man kann viel Kapital aufnehmen, eine Menge Arbeit investieren und versuchen, auf eigene Faust zu expandieren.“ Das Ergebnis sei aber ungewiss – insbesondere wegen der aktuell schwierigen Kapitalmarktsituation in Deutschland. „Alternativ kann man mit einem starken Partner fusionieren, der eine weltweite Support- und Marketing-Infrastruktur bereithält.“ Er begründet seine Entscheidung für die Variante zwei mit einem Verweis auf das Unternehmen Tivoli. „Bevor es 1995 von IBM übernommen wurde, machte es einen Jahresumsatz von 40 Mio. $ – ähnlich wie zuletzt Suse. Heute, keine zehn Jahre später, erwirtschaftet die Firma innerhalb der IBM-Softwaregroup 2 Mrd. $. Ihr Produkt wurde weltweit zu einem De-facto-Standard.“
Ebenfalls verkauft wurde die Paderborner Webwasher AG. Den Zuschlag erhielt Cyberguard aus Florida. Marketing-Leiter Thomas Friedrich erklärt die Hintergründe des Deals: „Wir ergänzen uns prima. Cyberguard als Technologieführer bei Firewalls und Virtual Private Networks ist stark in Nordamerika, dem mittleren Osten und Asien. Wir bieten Software aus dem Bereich Integrated Content Security Management an, vor allem in Europa, USA und Japan. So finden Webwasher-Produkte neue Absatzmöglichkeiten über die CyberGuard-Kanäle und die CyberGuard-Produkte über die Webwasher-Kanäle.“ Nachteile für den Standort in Deutschland seien nicht zu erwarten. „Im Gegenteil, wir suchen derzeit sogar neue Mitarbeiter.“ Eine Prognose der langfristigen Entwicklung traut sich der 35-Jährige nicht zu. „Natürlich kann keiner garantieren, dass die Zentrale in Paderborn in fünf Jahren noch besteht.“ Er gibt sich aber zuversichtlich: „Wir haben hier einzigartiges Know-how aufgebaut, das nicht ohne weiteres verlagert werden kann.“
Auch Christian Pätz blickt optimistisch in die Zukunft. Der CEO der Peppercon AG ist überzeugt: „Wir sind und bleiben in Zwickau!“ Nach der Übernahme durch den amerikanischen IT-Hersteller Raritan werde sein Unternehmen als selbstständige Business-Unit mit Planungsverantwortung weitergeführt. „Die Entscheidung über den Erhalt von Standorten sollte immer der Markt treffen“, gibt er sich entspannt. „Da hier am Standort sinnvoll gewirtschaftet werden kann, qualifizierte Arbeitskräfte vorhanden und motiviert sind, droht dem Unternehmen kein Abzug ins Ausland.“ Nötig geworden sei der Verkauf des Unternehmens allein aus strategischen Gründen. „Wir sind überzeugt, dass schon bald jeder Computer mit Fernwartungsmöglichkeiten ausgerüstet wird. Ohne Partner wäre die Entwicklung dieser Technik aber für eine Firma unserer Größe zu riskant.
Dr. Matthias Schürgers, Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik im Bundeswirtschaftsministerium, sieht die Übernahmen gelassen. „Sie sind eine ganz normale Begleiterscheinung in einer Welt der internationalen Arbeitsteilung.“ Die Exportnation Deutschland profitiere in starkem Maße von dieser Offenheit. „Natürlich kann durch solche Investitionsentscheidungen auch deutsches Know-how ins Ausland fließen“, räumt er ein. „Aber auch hier dürfen wir den Blick auf das Ganze nicht verlieren. Was die Anzahl der Patentanmeldungen anbelangt, gehört Deutschland nach wie vor weltweit zur Spitzenklasse.“ Den Verkäufen politische Zügel anzulegen, hieße, in protektionistisches Denken zurückzufallen. „Das aber würde der Volkswirtschaft garantiert schaden.“
Auf die Frage, warum deutsche Hightechs meist klein bleiben und ihrerseits nur höchst selten ausländische Firmen aufkaufen, antwortet Heinz Riesenhuber, ehemaliger Bundesminister für Forschung und Technologie: „Ihnen fehlen finanzkräftige Partner vor Ort. Großbetriebe sind zu selten bereit, Verträge mit Start-ups abzuschließen.“ Zu konservativ sei deren Einstellung gegenüber Innovationen.
Suse-Mann Seibt schlägt in die gleiche Kerbe: „Neue Technologien werden in den USA offener aufgenommen und früher gefördert.“ Außerdem verweist er auf die schwierige Marktstruktur in Europa. „Wegen der vielen Sprachen ist es ungleich schwieriger, ein flächendeckendes Marketing aufzubauen.
Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger schiebt den schwarzen Peter in Richtung Finanzmarkt. „Nicht nur an der Börse, auch bei den Kreditinstituten gibt es Defizite. Die deutsche Volkswirtschaft ist die dritt- oder viertstärkste in der Welt. Unsere größte Bank aber rangiert im internationalen Vergleich nur auf Rang 15.“ Auch innerhalb der Institute müsse ein Umdenken einsetzen. Gefragt sei mehr Mut zum Risiko. „Basel II mit seinen Instrumenten zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit von Unternehmen ist eigentlich ein richtiger Ansatz. Er droht aber zu verkommen. Statt in Erbsenzählermanier nur Risiken aufzusummieren, müssen auch Chancen fair bewertet und bei der Kreditvergabe berücksichtigt werden.“ Das sollten auch Wagnisfinanzierer beherzigen. „Der VC-Markt hat sich in den letzten Jahren vom Risikounterstützungsmarkt zum Risikoverhinderungsmarkt entwickelt.“ Insgesamt sei die Verkaufsstrategie junger Unternehmen nachvollziehbar. „Viele sagen sich: Lieber ein kleines Stück von der Torte, als am Ende zu verhungern.“ S. ASCHE

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