Mobilfunk 12.11.2004, 18:34 Uhr

Handytickets: Kleingeld ade!

VDI nachrichten – Datendienste wie M-Ticketing und M-Parking nutzen nicht nur Providern, sondern auch öffentlichen Auftraggebern und Verbrauchern. Dass solche Services keine Visionen mehr sind, zeigen Beispiele aus Wien, Köln und dem Vogtland.

Die Mobilfunkbranche stöhnt über sinkende Umsätze pro Teilnehmer. Doch sie entdeckt auch stets neue Hoffnungsträger wie M-Parking oder M-Ticketing. Städte, Gemeinden und öffentliche Verkehrsgesellschaften erhoffen sich von solchen Verfahren verringerten Verwaltungs- und Supportaufwand und damit geringere Kosten. Endnutzer profitieren, weil sie nicht mehr nach Kleingeld suchen müssen und ihre Käufe jederzeit erledigen können. So weit die Theorie.

Wie die Praxis aussieht, kann man z. B. in der österreichischen Hauptstadt bestaunen. In Wien verwenden die meisten Autofahrer noch papierene Parktickets, die sie blockweise an Kiosken kaufen. Als Alternative zu diesem Anachronismus stand zur Diskussion, alle rund 120 000 bewirtschafteten Parkplätze im Stadtgebiet mit Parkscheinautomaten auszustatten – 50 Mio.  € hätte das gekostet. Ein Konsortium rund um Siemens Business Services schlug die M-Parking-Lösung vor. „Jetzt zahlen wir für zehn Jahre M-Parking einen Gesamtpreis von 15 Mio.  €“, sagt Klaus Baringer, Senatsrat der Stadt Wien, zufrieden. Derzeit haben rund 50 000 Autofahrer ihre Mobil-Telefonnummer und ihr Kfz-Kennzeichen im Internet registriert. Sie können nun per SMS Park-Zeitkontingente vorbuchen und sie in Form einzelner Tickets „abparken“. Die Bezahlung erfolgt über das Paybox-System oder per Kreditkarte.

Kontrolliert wird online: Die Streifenpolizisten greifen anhand der Kfz-Nummer drahtlos auf die Daten des Autofahrers im Internet zu. Im ersten Jahr erwirtschaftete das System ein Defizit von 100 000  €. „Ende 2005 wollen wir den Break Even erreichen, für den wir 10 % der 650 000 Interessierten als Teilnehmer brauchen“, sagt Baringer. Rund 15 000 zusätzliche Teilnehmer in 15 Monaten- das zeugt nicht gerade von überbordender Begeisterung. Einer der Gründe: Autofahrer brauchen nach wie vor eine Parkscheibe. Außerdem müssen sie die Kosten für ihre SMS bezahlen.

Wie die Handytickets im öffentlichen Personennahverkehr aussehen, lässt sich seit letzter Woche auch in Köln bestaunen. Nach positiven Erfahrungen vor allem der Nachbarstadt Bonn und in Osnabrück haben sich auch die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) für den Service der Hamburger Teltix entschieden. „Einfach anrufen und schon kommt das Ticket aufs Handy“, so beschreibt Teltix-Geschäftsführer Jochen Baumeister den Service. Doch zuvor müssen die Kunden sich über das Internet oder bei einer Verkaufsstelle des KVB anmelden. Die Abrechnung erfolgt über virtuelle Teltix-Guthabenkonten, die per Lastschrift oder mittels Bareinzahlung aufgefüllt werden. T-Mobile-Kunden können über das dortige Bezahlsystem „Mobile Wallet“ bezahlen.

Clou für die Kunden: Die Abrechnung erfolgt im Bestpreissystem, das z. B. das günstigere 4er-Ticket oder Tagesticket berücksichtigt. Nach Baumeister entsprechen die Einführungskosten den Kosten für einen einzigen Fahrkartenautomat. Die Hamburger müssen es wissen, sie sammeln seit Januar 2003 in Osnabrück Erfahrungen.

Den Kinderschuhen entschlüpft ist auch ein System von Siemens Business Services, das im April beim Vogtland Verkehrsverbund seinen Feldtest erfolgreich bestand. In der Region mit 290 000 Bewohnern und in angrenzenden tschechischen Gebieten testeten 441 Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs zwei Monate lang die Vogtland-Card Mobil. Jetzt geht das System in den Echtbetrieb. Die Verkehrsbetriebe rechnen damit, dass zunächst 10 % bis 15 % der Nutzer dem Handy den Vorzug vor dem Kleingeld geben.

Die Testnutzer registrieren sich einmal, laden ein Applet auf das Handy und können dann direkt über das Internet oder mit dem Mobiltelefon Fahrkarten für alle öffentlichen Verkehrsmittel der Region kaufen. Bei Kontrollen kann der Kunde aber auch sein E-Ticket auf dem Handy vorzeigen oder die Kartennummer ansagen, über die der Kontrolleur dann online auf die Daten zugreift. Die Abbuchung der Tickets erfolgt derzeit mit der monatlichen Mobilfunkrechnung.

Zum Kartenkauf nutzen die Anwender entweder ein Daten- oder ein neues, kontextsensitives Sprachportal, in dem jeweils das gesamte Fahrplan- und Tarifsystem hinterlegt ist. Die Transaktionskosten für die nötigen Gespräche oder SMS trägt auch im Vogtland der Kunde. Allerdings hat er beim Kauf seiner Fahrkarte 10 % Rabatt gegenüber dem Käufer am Automaten.

„Wir erhoffen uns von dem System mehr Diebstahlsicherheit und weniger Schwarzfahrer“, erklärt Karlheinz Meinel, Geschäftsführer der Verkehrsverbund Vogtland GmbH. Die Begleitforschung ergab, dass die neue Lösung für die Anwender genauso gut funktioniert wie ein Ticketautomat.
Nun wird das von Siemens Business Services konzipierte System anderen deutschen Verkehrsbetrieben angeboten.  Und Teltix? Die Hamburger Spezialisten werden schon nächste Woche einen neuen Kunden präsentieren.

 

Von A. Rüdiger/R. Bönsch

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