Mobilfunk 29.05.2009, 19:41 Uhr

Handy-Ortung: Big Brother und Helfer zugleich  

Das Handy verspricht Erreichbarkeit – überall, jederzeit. Handybesitzer können aber auch geortet werden – jederzeit, überall. Besorgte Eltern und hilfsbedürftige Senioren werden für die neuen Dienste umworben. Doch Missbrauch ist nicht ausgeschlossen. VDI nachrichten, Bonn, 29. 5. 09, rb

Das Handy als Helfer in der Not – mit dieser Botschaft werben verschiedene Ortungsdienste. So können Eltern etwa herausfinden, ob sich ihre Kinder noch in der Schule, bei einem Freund oder schon auf dem Nachhauseweg befinden. Angehörige können prüfen, ob sich ein Demenzkranker in seiner Wohnung aufhält oder bereits durch die Stadt irrt. Aber auch verirrte Wanderer, verunglückte Extremsportler oder in Not geratene Segler können per Handy geortet werden. Im Vergleich zu einer Handyortung sind Lösungen, die sich auf das Satellitensystem GPS stützen, zwar genauer und zuverlässiger, aber auch erheblich teurer.

Zu den günstigen Handyortungs-Diensten gehören etwa Nowhere.de (2,99 €/Woche) und AOL-Friendsfinder, die anbieten, „Freunde“ zu finden. „Track your Kid“ (45,90 € im 1. Jahr) wiederum will Kinder orten. „Track your Handy“ (kostenfrei), Mecomo und Avetana versprechen die Ortung gestohlener Handys. Locate24.de hingegen hat sich auf die Lokalisierung von mobilen Geräten wie Fahrzeugen, Baumaschinen oder Wachpersonal spezialisiert, um mit Autovermietungen und Speditionen ins Geschäft zu kommen.

Auch der Suchmaschinenkonzern Google bietet mit seinem neuen Dienst „Google Latitude“ einen eigenen kostenfreien Ortungsdienst an. Er basiert auf dem Prinzip der Selbstentäußerung: Jeder kann freiwillig selbst seinen Freunden und Verwandten anzeigen, wo er sich befindet. Dafür genügt es, ein kleines Programm auf dem Netbook oder dem Smartphone zu installieren.

Der Anbieter ermittelt die Position des Handynutzers über die Position der zum Handy nächst gelegenen Sendemasten. Dabei berücksichtigt er die Reichweite des Senders sowie die Laufzeit des Signals zwischen Handy und Sender. Der Diensteanbieter stellt den so lokalisierten Bereich auf einer Internetkarte dar. In den Städten können Handys auf bis zu 50 m genau geortet werden, da es dort mehr Sendemasten gibt – auf dem Land können es mehrere Kilometer sein.

Damit kein Handybesitzer unwissentlich überwacht wird, verlangen die meisten Dienste eine SMS-Aktivierung. Standortdaten dürfen Telekommunikationsunternehmen nämlich nur dann an Ortungsdienste weitergeben, wenn die Besitzer der Geräte eingewilligt haben. Wenn sie die Geräte anderen überlassen, müssen diese über die Einwilligung unterrichtet werden. Mitnutzer werden aber oft über den Ortungsdienst nicht informiert. Daher ist das Verfahren der Verbraucherzentrale Sachsen schon länger ein Dorn im Auge. Referentin Beate Scharf meint, dass das SMS-Verfahren nicht beweisen könne, „dass die Bestätigungs-SMS auch wirklich vom Inhaber des Handys stammt“.

Der Dienst Locate24.de verlangt deshalb eine schriftliche Einverständniserklärung. Andere Dienste schicken regelmäßig SMS-Nachrichten ans Handy, um eine unwissentliche Überwachung zu erschweren. „Ehebruch24“ hingegen wirbt ganz offen mit dem Bruch des Datenschutzes: „Gehen auch Sie auf Nummer sicher und überprüfen Sie die Treue Ihres Partners.“ Das jedoch verstößt gegen das Telekommunikationsgesetz. Es verlangt, dass alle Geräte-Nutzer unterrichtet werden müssen.

Datenschützer haben bei Ortungsdiensten generell etwas Bauchschmerzen. So stellt die nordrhein-westfälische Landesdatenschützerin Bettina Sokol fest, dass „oftmals die datenschutzrechtlich und arbeitsrechtlich einzuhaltenden Grenzen überschritten werden“. Kein Problem hat sie damit, wenn die Überwachung erst dann stattfindet, wenn es etwa bereits zum Auto- oder Warendiebstahl gekommen ist. Für unzulässig hält sie es jedoch, wenn Speditionen z. B. kontrollieren wollen, wie schnell die Fahrer fahren und wie lange sie Pausen machen. Sokol betont: „Beschäftigte dürfen keineswegs einem permanenten Kontrolldruck ausgesetzt sein.“ CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

Ein Beitrag von:

  • Christiane Schulzki-Haddouti

    Freie Journalistin und Buchautorin in Bonn. Scherpunktthemen: Bürgerrechte, Informationsfreiheit, Datenschutz und Medienethik.

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