Mobilfunk 12.02.2010, 19:45 Uhr

Gutes Geschäft mit alten Handys  

Jedes Jahr werden allein in Deutschland Millionen neuer Handys gekauft. Doch was geschieht mit den alten? Neue Geschäftsmodelle versuchen, aus potenziellem Schrott Geld zu machen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 12. 2. 10, rb

Nach einer aktuellen Bitkom-Umfrage hat in Deutschland ungefähr jeder Fünfte mehrere Handys. 2007 wurden in Deutschland 33 Mio. neue Handys verkauft. Daten darüber, wie viele gebrauchte einen neuen Besitzer fanden, gibt es jedoch nicht. Weltweit existieren inzwischen mehr als 4 Mrd. Mobilanschlüsse. Es gibt Unmengen Handys auf der Welt. Alle werden irgendwann zu Müll.

Darin sah lange niemand ein Problem. Noch vor drei Jahren kam eine Studie von Nokia mit 6200 Befragten aus 13 Ländern, darunter auch die Aufsteigernationen Indien, China und Brasilien, zu dem Schluss, dass nur 3 % der Han- dynutzer ihre Altgeräte recyceln lassen. Nur die Hälfte der Befragten wusste überhaupt, dass dies möglich ist, drei Viertel hatten an diese Option noch nie gedacht.

Heute ist das etwas anders. Die oben bereits zitierte Bitkom-Umfrage, an der 1000 Deutsche teilnahmen, kommt immerhin auf knapp 26 % Anwender, die ihre ausrangierten Mobiltelefone in irgendeiner Form einer sinnvollen Verwendung zuführen: 12,5 % tragen sie zurück zum Händler, 7,1 % spenden sie und 6,4 % bringen sie zur Elektromüll- entsorgung. Die meisten stapeln ihre alten Mobiltelefone jedoch zu Hause (31,2 %) in der Schublade oder geben sie an Bekannte weiter (28 %). Nur noch 3,7 % versenken ihr Altgerät in der häuslichen Mülltonne.

Die Hersteller und Mobilfunkanbieter haben erkannt, dass sie es ihrem Um- weltimage schuldig sind, die Rücknahme von Handys zu fördern. Allerdings findet man entsprechende Angebote nicht unbedingt auf der ersten Seite der viel besuchten Webangebote, sondern oft gut versteckt im Bereich Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung, auch Corporate Social Responsibility (CSR) genannt. Diesen Bereich suchen allerdings nur wenige auf.

Aus dem Hang zum Handy-Horten haben findige Unternehmen inzwischen ein Geschäftsmodell gemacht: Sie kaufen Altgeräte an, die meist noch halbwegs funktionsfähig, aber nicht mehr schick sind, und führen sie wieder einer Verwendung zu. Es gibt sie als Ladenkette – wie das Franchisemodell „Second Handy“ – und vor allem im Internet. „Asgoodas.nu“ mit Sitz in Frankfurt an der Oder beispielsweise kauft seit November 2008 Altgeräte zurück. Davon gibt es in Deutschland jährlich 8 Mio., schätzt Geschäftsführer Christian Wolf. 1500 davon sammelt er momentan pro Monat wieder ein. Zukünftig rechnet er mit weiteren 20 % bis 40 % monatlich.

Interessenten geben die Merkmale ihres Geräts in die Website ein und sehen sofort, wie viel Geld sie dafür bekommen. Von Asgoodas.nu bekommen sie einen Freiumschlag, den sie nur füllen und zur Post tragen müssen. Der Anbieter bereitet die meisten Handys wieder auf und verkauft sie online weiter – in Deutschland, aber auch in Polen. Recycelt wird ausschließlich in Deutschland, verkaufen möchte Wolf am liebsten in ganz Europa, aber nicht auf anderen Kontinenten, aufgrund der dort meist ungeregelten Entsorgung. Nur rund 5 % werden zur Endverwertung gegeben. Mit einigen Providern wie den E-Plus-Töchtern Blau oder Simyo bestehen Verträge, außerdem kooperiert Wolf gern mit dem Fachhandel: „Wir versuchen hier Win-win-Modelle zu generieren.“

Größere Pläne hat das britische Unternehmen Zonzoo: Eingabe in nationalisierte Websites nahezu überall in der Welt, Hausabholung der Geräte beim Kunden oder Postversand, Aufbereitung, Weiterverkauf oder Endverwertung. Aufkauf und Verwertung sollen strikt innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen stattfinden, um illegalen Müllexport zu vermeiden.

Datensicherheit ist hier auch ein Thema: Das Unternehmen fordert einerseits seine Kunden auf, im Vorfeld ihre gespeicherten Daten zu löschen, übernimmt dies andererseits zur Sicherheit auch selbst vor der weiteren Verwertung des Geräts.

Zonzoo startet sein Geschäft derzeit in verschiedenen Ländern Europas und steckt pro Land 3 Mio. € in Marketingmaßnahmen. Neben Kooperationen mit Providern, die teils schon bestehen, ist später auch der Aufbau von Recycling-Shops geplant.

Außerdem möchte Gründer und CEO Colin Armstrong-Bell das Geschäft auf weitere Geräte wie Laptops, Digicams, MP3-Player, PDAs und Spielekonsolen ausdehnen. Diese werden heutzutage nur sehr selten recycelt. Auch ans Gute ist gedacht: Armstrong-Bell spendet grundsätzlich 5 % Aufschlag auf den Rückkaufspreis jedes Geräts an eine wohltätige Organisation, die sich der Verkäufer selbst aussuchen kann. Das ist nicht einmalig: Auch Asgoodas.nu spendet, aber nur, wenn der Anwender es will. ARIANE RÜDIGER

 

Von Ariane Rüdiger
Von Ariane Rüdiger

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