Telekommunikation 20.05.2005, 18:38 Uhr

Großreinemachen in der Vermittlungsstelle  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 20. 5. 05 – Die Netzwerke in der Telekommunikation stehen vor dem Umbruch. Lange beschworen, läuft jetzt die Umstellung auf Techniken, die auf Basis des Internet Protocol (IP) arbeiten.

Anbieter von Infrastruktur für Telekommunikationsnetze sind optimistisch: Sowohl Alcatel als auch Marconi oder Siemens rechnen damit, dass Netzbetreiber und Diensteanbieter weltweit für ihre Netz auf internetbasierte Technologie, die so genannten IP-Netze, setzen.

„Bisher sind IP-Netze vor allem in den Unternehmensnetzen installiert“, erklärt Alf Henry Wulf, Vorstand Marketing und Vertrieb bei der Alcatel SEL AG. „Der Durchbruch der IP-Kommunikation in den öffentlichen Netzen steht noch bevor“, hofft er.

Stefan Kindt, Geschäftsführer bei Marconi in Deutschland, geht davon aus, dass Services wie „Voice over IP (VoIP) in den nächsten Jahren die Geschäftsmodelle der Netzbetreiber bestimmen und die Datendienste noch deutlicher zunehmen werden“.

Die Übertragung von Daten macht bereits heute den Großteil des Verkehrs in öffentlichen Telekommunikationsnetzen aus. Dennoch trägt sie mit einem vergleichsweise geringen Anteil von geschätzten 20 % zum Umsatz der Netzbetreiber bei. 80 %, erwirtschaften diese nach wie vor mit der Sprachkommunikation (PSTN/ISDN) und mit Mietleitungen: „Allein in Westeuropa sind dies rund 140 Mrd. € pro Jahr“, schätzt Alcatel-Manager Wulf.

Anzahl und Dauer von Telefongesprächen im Festnetz sind jedoch tendenziell rückläufig. „Ein harter Wettbewerb und die Konkurrenz der Mobilfunkanbieter zwingt die Festnetzbetreiber neue attraktive Services zu marktfähigen Preisen zu bieten“, weiß auch Marconi-Manager Kindt.

Große Netzbetreiber haben den Umbau ihrer Infrastrukturen bereits gestartet. British Telecom (BT) hat den Umbau des gesamten landesweiten Telefonnetzes in eine Mehrdienste- und IP-basierte Infrastruktur („21st Century Network“) bis 2009 angekündigt. Auch die Netzwerksparte der Deutschen Telekom, die T-Com, will bis zum Jahr 2012 die gesamte Sprachtelefonie in Deutschland über Datenleitungen abwickeln.

Der Trend ist weltweit: In den USA investiert SBC Communications in den nächsten fünf Jahren 1,7 Mrd. $ in den Aufbau einer IP-Infrastruktur für Zugangs- und Glasfaser-Technik. Mit seinem Projekt „Lightspeed“ will SBC bis Ende 2007 rund 18 Mio. Haushalte in den USA mit IP-Fernsehen, Hochgeschwindigkeits-Breitbanddiensten sowie IP-Sprach- und Wireless-Produkten versorgen.

Das in den vergangenen Jahrzehnten weltweit aufgebaute Telefonnetz mit seinen rund 1,3 Mrd. Festnetzanschlüssen eignet sich nur für eine schmalbandige digitale Datenübertragung.

Charakteristisch für das alte Netz ist sein hierarchischer Aufbau: Der einzelne Teilnehmer ist an einer Teilnehmervermittlungsstelle angeschlossen. Die ist dann mit einer Knotenvermittlungsstelle verbunden und diese an Weitverkehrsvermittlungsstellen.

Während der Zugang im Teilnehmeranschlussbereich („local loop“) auf analoger oder digitaler Technik basiert, sind die Vermittlungsstellen der Telekommunikationsanbieter inzwischen untereinander fast alle digital mit einander vernetzt. Diese Vermittlungsstellen stellen die Basis-Leistungsmerkmale wie Wählton, Wählen und Klingelsignale zur Verfügung.

Netze der nächsten Generation, die IP für die Signalisierung und die Sprachübertragung nutzen, sind effizienter als bisherige Infrastrukturen: „Während in herkömmlichen TDM-Netzen (Time Division Multiplexing) die nicht benötigte Bandbreite nicht aufgeteilt werden kann, steht dem Netzbetreiber bei der der paketbasierten Sprachübertragung nach dem Internet Protocol die gesamte Kapazität zu Verfügung“, erklärt Norbert Günther von Alcatel.

Das Netz der nächsten Generation nutzt das Signalisierungsprotokoll SIP (Session Initiation Protocol). Die Steuerung der Verbindung, im Fachjargon Call-Handling genannt, und die Abrechnung erfolgen über softwarebasierte Vermittlungstechnik. Soft- switch nennt sich dieses Stück Technik: Er stellt das Herz eines Netzes der nächsten Generation dar.

Das Session Initiation Protocol (SIP) baut auf dem Internet Protocol auf und ist daher unabhängig von der Systemplattform (Betriebssystem, Hardware). Das SIP-Signalisierungsprotokoll unterstützt fast alle multimedialen Kommunikationsanforderungen wie etwa Videokonferenzen oder die Zusammenarbeit in Datendiensten.

Marktforscher glauben, dass langfristig die Internet-Protocol-basierte Telekommunikation die bisherige Struktur komplett ablöst. Forrester schätzt, dass in Westeuropa bis 2010 rund 30 % der Telefonate im Festnetz über Voice over IP (VoIP) ablaufen. Bis 2020 soll sogar eine 100-%ige VoIP-Durchdringung erreicht sein.

Das stellt auch die Regulierungsbehörde vor neue Herausforderungen: Der Präsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP), Matthias Kurth, sieht es als „Aufgabe der Regulierung, faire und verlässliche Rahmenbedingungen für die Verbreitung von VoIP-Produkten und -Dienstleistungen zu schaffen. Dabei gilt es gleichzeitig, die Ziele zur Verbesserung des Anschlusswettbewerbs und der Schaffung von Anreizen zum Ausbau alternativer Infrastrukturen sicherzustellen.“

Marktforscher Andreas Johannsen von Mummert Consulting sieht in dem Umbau der Netze vor allem Chancen für mehr Geschäft der Anbieter: „Mit einer einheitlichen IP-basierten Infrastruktur können sie zum Beispiel Telematikanwendungen viel leichter als bisher in den Markt bringen.“

DOROTHEA WENDELN-MÜNCHOW

Von Dorothea Wendeln-Münchow
Von Dorothea Wendeln-Münchow

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