Privatsphäre wird geschützt 03.06.2013, 13:00 Uhr

Google Datenbrille kommt ohne App zur Gesichtserkennung auf den Markt

Befehle wie „Merke Dir dieses Gesicht“ oder „Finde Freunde in der Menge“ können mit der Google Datenbrille nicht ausgeführt werden. Aus Datenschutzgründen schränkt Google die Nutzung von Kamera und Mikrofon in der Datenbrille zunächst ein.  

Das unbemerkte Filmen von Menschen mit der neuen Internet-Brille Google Glass will der Internet-Gigant Google verhindern. In seinen Standards für Entwickler hat Google das Verbot aufgenommen. Im Bild Google-Entwickler im Mai auf einer Entwickler-Konferenz in San Francisco.

Das unbemerkte Filmen von Menschen mit der neuen Internet-Brille Google Glass will der Internet-Gigant Google verhindern. In seinen Standards für Entwickler hat Google das Verbot aufgenommen. Im Bild Google-Entwickler im Mai auf einer Entwickler-Konferenz in San Francisco.

Foto: Google

Frühestens in einem Jahr will Google seine Datenbrille serienmäßig produzieren. Dann kommt die Brille jedoch ohne Gesichtserkennung und Stimmmustererkennung auf den Markt. Nach den neuen Datenschutzregeln für Software-Entwickler will Google selbst Apps dieser Art nicht erlauben. „Benutzen Sie die Kamera oder das Mikrofon nicht, um Informationen, die jemand anderen als den Nutzer identifizieren, abzugleichen und sofort anzuzeigen“, heißt es dort.

Damit soll vermieden werden, dass Menschen ohne ihr Wissen per Foto oder Video aufgenommen werden. Bevor Apps erlaubt werden, die automatisch Gesichter und Stimmen von Menschen im Umfeld der Brille erkennen können, will Google zunächst einen Datenschutz-Mechanismus entwickeln.

Kontrolle bleibt bei Google

Es war Googles eigener Wunsch, dieses Verbot in den Regelkatalog aufzunehmen. Das Unternehmen will selbst die Kontrolle über die Apps auf der Datenbrille behalten. Die Privatsphäre von Menschen im Umfeld eines Datenbrillenträgers soll geschützt werden. Zudem soll von außen erkennbar sein, ob eine Datenbrille eingeschaltet ist oder nicht. Nur bei eingeschalteter Brille sollen Kamera und Mikrofon verwendet werden können.

Google könnte mit dieser Haltung nicht nur auf die Rückmeldungen von Testpersonen reagiert haben, sondern auch auf die Kritik von US-Politikern. Diese stellten in einem Brief an CEO Larry Page kritische Fragen zum Datenschutz. Unter anderem geht es den Politikern darum zu verhindern, dass die Brille ohne Zustimmung Daten sammelt, ohne dass die Betroffenen davon wissen.

„Weil Google Glass noch nicht veröffentlicht wurde und wir uns hinsichtlich Googles Datenschutzplänen für das Gerät unsicher sind, gibt es eine Reihe unbeantworteter Fragen, die wir stellen”, heißt es in dem Schreiben des Datenschutzausschusses, der vom Republikaner Joe Barton geleitet wird. Hinsichtlich der Gesichtserkennungstechniken haben die Abgeordneten besondere Sorge. Desweiteren fragen sie, wie es mit dem Datenschutz bei der Genehmigung neuer Anwendungen für Google Glass aussieht. Google hat bis zum 14. Juni 2013 Gelegenheit, auf die Fragen und Bedenken einzugehen.

In der Geschichte des Suchunternehmens Google gab es schon einige Probleme mit dem Datenschutz. Das soziale Netzwerk Google+ verwendet bereits seit zwei Jahren eine Gesichtserkennung. Die Street-View-Fahrzeuge sammelten Daten privater WLAN-Netze, angeblich unbeabsichtigt.

Brille konnte von Software-Entwicklern schon gehackt werden

Softwareentwickler waren bereits in der Lage, die Datenbrille zu hacken. Während einer Google-Konferenz im Mai zeigten zwei Mitarbeiter sogar, dass man dem Unternehmen die Kontrolle über diese Brille entziehen kann.

Die Computer-Brille Google Glass ist eine Brille mit integriertem Computer. Vor den Augen des Trägers befindet sich ein kleiner Bildschirm mit integrierter Kamera. Es ist möglich mit dieser Brille zu telefonieren, fotografieren und zu navigieren. Aufgrund der Tatsache, dass bereits zwei Milliarden Menschen Zugang zum Internet haben und innerhalb der nächsten Jahre weitere fünf Milliarden hinzukommen, wird die Nutzung mobiler Geräte rasant ansteigen. Daher gilt Googles Datenbrille auch als Internet-Projekt der näheren Zukunft. Derzeit testen Software-Entwickler, Journalisten sowie ausgewählte Nutzer die Google-Brille.

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