Software 13.05.2005, 18:38 Uhr

„Googeln“ im Datenarchiv  

VDI nachrichten, San Francisco, 13. 5. 05 – Veritas, US-Hersteller für Speichersoftware, stellte auf seiner diesjährigen Kundenveranstaltung neue Softwarepakete vor, besonders für die E-Mail-Archivierung. Das Hauptthema jedoch war die anstehende Fusion mit Symantec.

Besonderes Interesse bei den Neuvorstellungen erhielt das aus der Übernahme von KVS entstandene Enterprise Vault. Diese Software adressiert die scharfen gesetzlichen Auflagen in den USA bezüglich der Langzeitspeicherung von E-Mails.

Enterprise Vault verwaltet vor allem Outlook-Dateien sehr effizient. Sie kann einzelne, ältere Nachrichten aus den komplexen Outlook-Dateien herauslösen und auf preisgünstigere Speichereinheiten auslagern. In dem jeweiligen Outlook-File wird stattdessen ein Link auf die Nachricht gesetzt, so dass dieses Archivieren für den Nutzer keine Verfügbarkeitsbeschränkung bedeutet.

Die zukünftigen Erweiterungen von Enterprise Vault laufen unter den Kodenamen „Bighorn“ und „Panther“. „Unser Katalog mit allen archivierten Dateien lässt sich einfach indexieren und mittels einer “Google-ähnlichen“ Abfrageoberfläche kann der User dann selbst nach seinen archivierten Files suchen und sie wieder auf sein System zurückspeichern“, sagt Veritas“ Vice-President Jeremy Burton.

Mit diesem „Googeln“ im E-Mail-Archiv ist es zum Beispiel möglich, dass der Nutzer versehentlich gelöschte Dateien selbst wieder auffindet und sie dann wie bei einem Internet-Down- load auf sein System zurücklädt. Systemadministratoren werden diese Möglichkeit zu schätzen wissen: Bisher müssen sie diese Arbeiten von Hand für ihre Anwender ausführen.

2006 soll eine kontinuierliche Backup-Funktion, der „Panther“, auf den Markt kommen, bei der jede neue Version eines Files oder Datenblocks sofort automatisch archiviert wird. Ein Klick auf „Speichern“ speichert dann nicht nur die Datei auf dem lokalen System des Nutzers ab, sondern augenblicklich auch eine Kopie im Datenarchiv. Jede Zwischenversion einer Datei kann damit zurückgeladen werden.

„Mit unserem “Continous Data Protection“ lässt sich das System wie ein digitaler Videorekorder exakt auf jeden früheren Zustand zurückstellen“, lautet Burtons Erklärung für die Funktion.

Die Schwachstelle: Es fällt eine immense Datenmenge an. Wer eine Powerpoint-Datei von 15 MByte zehnmal ändert, benötigt auf seinem lokalen System immer nur 15 MByte, doch im Archiv fallen dafür 150 MByte an. Deshalb, meint Burton, sei dieses permanente Backup vorerst nur für kleine und mittlere Unternehmen sinnvoll.

Obwohl diese vielen neuen Features sehr interessant waren, ging es auf der Hausmesse, der Veritas Vision, in den Diskussionen weniger um Software, sondern mehr um den Service und die anstehende Fusion des Unternehmens mit Symantec.

„Wir werden der Marktführer im Bereich Infrastruktur, so wie es Oracle bei den Datenbanken und SAP bei den ERP-Systemen sind“, sagte Veritas-Chef Gary Bloom in seiner Eröffnungsrede siegessicher. Die Fragen aus dem Auditorium zeigten: Es gibt noch eine gehörige Portion an Skepsis an der Fusion.

„Ich weiß noch immer nicht, was mir die Fusion bringen soll“, sagte Stephen Nisniewski, Datacenter-Manager bei Merrill Lynch. Ein Systemadministrator aus dem Auditorium fragte Bloom, ob denn nach der Fusion endlich die verwirrende Lizenzpolitik vereinfacht und nachvollziehbar sein wird? Dieses Problem scheint vielen Kunden unter den Nägeln zu brennen, denn der Fragesteller erhielt dafür von den 3500 Anwesenden mindestens ebenso viel Applaus wie Bloom zuvor für seine Rede.

In seiner Antwort bestätigte Bloom das Problem, konnte aber nur wenig zusagen. Eine Taskforce-Gruppe sei geschaffen, die neue Lösungen ausarbeiten soll und einige Ideen seien bereits auf ihre Machbarkeit hin untersucht worden. Wann es aber eine verbindliche neue Regelung geben wird, ließ Bloom offen. Für die Kunden ist eines der Hauptprobleme, dass ihnen Veritas nicht sagen kann, welche und wie viel Lizenzen sie haben.

Für Veritas ist das Problem genau umgekehrt: „Kunden nutzen unsere Software meistens mehr, als sie lizenziert haben, und das müssen wir in Zukunft überwachen“, sagte Bloom gegenüber der Presse.

Ein weiteres Wachstum über Firmenzukäufe scheint vorprogrammiert. Symantec-CEO John Thompson, auch neuer Chef des Gesamtunternehmens aus Veritas und Symantec, schwärmte bereits von „weiteren sinnvollen Unterscheidungsmerkmalen durch ein integriertes Netzwerk-Management“.

Wegen seiner bisherigen Aufkauf-Politik hat die Wall Street Thompson bereits den Spitznamen „Deal-Junkie“ gegeben und vergleicht Symantec immer mehr mit Computer Associates. Einige Industrieanalysten sind weiterhin skeptisch. „Je komplexer die Systeme sind, umso komplexer sind die Integrationen – und dann bleibt die Frage: Wer braucht solche Megalösungen?“, kritisierte Bill Hurly, Analyst bei der Enterprise Storage Group, die geplante Fusion und die damit in Aussicht gestellten Produktintegrationen. HARALD WEISS

Symantec und Veritas nach der Fusion

Bis Juni soll die geplante Fusion der beiden Softwarehäuser abgeschlossen sein. Symantec war bisher durch Datensicherheit bekannt, Veritas durch Software für die Datenspeicherung und Backup.

So wird dann das neue Unternehmen aussehen:

Name: Symantec

CEO: John Thompson

Umsatz*: 4,6 Mrd. $ (Symantec: 2,6 Mrd. $, Veritas: 2 Mrd. $)

Mitarbeiter: 12 900

Ein Beitrag von:

  • Harald Weiss

    Freier IT-Journalist, IT-Analyst und IT-Consultant in Kaiserslautern. Nach verschiedenen Positionen in Softwareentwicklung,  MarCom und PR, 17 Jahre President New York Reporters in New York. Seit 2016 freischaffend wieder in Deutschland.

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