Telekommunikation 03.08.2012, 11:00 Uhr

Glasfaserverbindungen gefragt wie selten zuvor

Es ist rund zehn Jahre her, dass die Glasfaserkabelindustrie nahezu komplett zusammenbrach. Allein in den USA gab es Abschreibungen in Höhe von 90 Mrd. $ auf unverkäufliche und unvermietbare Verbindungen. Doch jetzt erlebt die Branche eine Renaissance. Cloud Computing, leistungsstärkere Geschäftsanforderungen und vor allem die neuen breitbandigen Mobilfunkgeräte treiben vielerorts die Netze an ihre Belastungsgrenzen. Ihnen kann nur mit massivem Ausbau der Infrastruktur begegnet werden.

Nach Angaben der Marktforscher von CRU wurden allein in den USA im letzten Jahr knapp 20 Mio. Meilen (über 32 Mio. km) an neuen Glasfaserkabeln verlegt – der höchste Wert seit dem Boom des Internets vor über zehn Jahren.Auch bei den Unterseekabeln gibt es einen Boom. So wird derzeit ein neues Kabel zwischen Nord- und Südamerika sowie entlang der westafrikanischen Küste verlegt. Ein internationales Firmenkonsortium plant eine fast weltumspannende neue Glasfaserverbindung, mit der die BRIC-Länder, also Brasilien, Russland, Indien und China, sowohl untereinander als auch mit den Wirtschaftsmetropolen in Europa, Japan und Nordamerika verbunden werden sollen.

Betreiber investieren in großem Umfang in Glasfaserverbindungen

Level 3, Betreiber einer eigenen weltweiten Glasfaser-Infrastruktur, investiert in diesem Jahr erstmals seit 2000 wieder in neue Kabelverbindungen. „Der Bedarf ist vorhanden, es gibt Wohngebiete, die mehr Bandbreite verschlingen als ganz New York vor 15 Jahren“, gibt Level-3-CEO James Cowe als Grund für die neuen Investitionen an. „Wir beobachten ein exponentielles Wachstum der Datenmenge, die über unseren Knoten transportiert wird“, bestätigt Henk Steenman, CTO bei der Amsterdam Internet Exchange, einem der weltweit größten Internetknoten.

Dieses rasante Wachstum entstammt den ultramodernen Internetnutzungen: Im Endkundenbereich sind das Streaming-Video statt Videothek, Skype-Videokonferenzgespräche statt Audio-Verbindungen und im professionellen Bereich sind es Highend-Video-Verbindungen, wie Ciscos Telepresence, sowie die Nachfrage aus dem Finanzsektor nach immer schnelleren Übertragungen und Auftragsabwicklungen.

Doch das alles ist harmlos im Vergleich zum explosionsartig anwachsenden Bandbreitenbedarf der neuen mobilen Anwendungen – allen voran die Tablets und die Smartphones – UMTS- wie LTE-Modelle. 500 000 Smartphone-Apps gibt es inzwischen, die alle mit Daten versorgt werden wollen. Bei Cisco meint man, dass sich bis 2016 das mobile Internetdatenvolumen alljährlich verdoppeln wird.

Das bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass sich auch die gesamte Infrastruktur verdoppeln muss. „Unsere Ingenieure finden stets schnellere Übertragungsmethoden, die die bestehenden Glasfaserverbindungen besser ausnutzen“, sagt Will Hughes vom australischen Telekomriesen Telstra, der unter anderem in vielen Unterseekabelverbindungen engagiert ist.

Vor allem lokale Netze stoßen an ihre Leistungsgrenze

Die Netzbetreiber stimmen dieser Einschätzung zu, doch nach deren Ansicht ist es nicht das Kernnetz, das sogenannte Backbone, das an seiner Leistungsgrenze operiert, es ist vor allem ein lokaleres Problem. So musste O2 Telefónica Deutschland Ende letzten Jahres Netzprobleme eingestehen, da der Run auf Smartphones die Netze in vielen Teilregionen überstrapazierte.

Auch TV-Kabel-Kunden klagen hierzulande in verschiedenen Städten über Netzprobleme. „Glasfaser fehlt bei der Anbindung mobiler Basisstationen zur Versorgung von Gewerbegebieten, Hotels, Krankenhäusern, Universitäten und Luxuswohngegenden, in denen es genügend zahlungskräftige Internetnutzer gibt, die bereit sind einen Aufpreis für einen schnellen Breitbandanschluss zu bezahlen“, sagt Hunter Newby, Chef bei Allied Fiber, einem Start-up, das ein eigenes Glasfasernetz aufbaut. Es soll an bandbreitenintensive Anbieter wie Amazon, Netflix, Hulu und Google vermietet werden.

Cloud-Rechenzentren erhöhen den Bedarf an Glasfaserverbindungen

Einen weiteren Bedarf für neue Glasfaserverbindungen gibt es im obersten Business-Bereich: Bei der Anbindung von Cloud-Rechenzentren, deren Standorte sich immer mehr nach günstigem Strom und guter Kühlung richten.

So will der Seekabelbetreiber Hibernia Atlantic ein neues Transatlantik-Kabel verlegen, das New York mit Island verbinden soll. „Islands Infrastruktur bietet ideale Voraussetzungen für leistungsfähige Cloud-Rechenzentren, doch es fehlt eine schnelle Anbindung an die datenintensiven Regionen in Europa und Nordamerika“, heißt es in einem Firmenprospekt.

Eine weitere bedeutende Anwendung der neuen Glasfaserverbindungen sind Redundanzschaltungen gegen Betriebsausfälle sowie Geschwindigkeitsverbesserungen bei der Anbindung von Trader-Terminals und ähnlich zeitsensiblen Applikationen.

So konnte das Start-up Northeastern ITS seine Investition von 300 Mio. $ in ein neues Glasfaserkabel von Chicago nach New York in ein lohnendes Servicegeschäft umwandeln. Der Grund dafür ist einfach: Die neue ITS-Verbindung ist kürzer als die bisherige – die Deals der Chicagoer Börsenbroker können so um bis zu 3 ms schneller abgewickelt werden als bisher.

Doch die große Unbekannte beim gegenwärtigen Glasfaserausbau ist der Return-on-Investment beim Massengeschäft. Während sich alle einig sind, dass die Verbraucher ein schnelles Internet auf dem Handy und zu Hause schätzen – umso unsicherer sind die Prognosen, wenn es darum geht, ob die Nutzer auch bereit sind, dafür zu bezahlen.

Andrew Odlyzko von der University of Minnesota warnte bereits vor einer neuen Investitionsruine. „Ein annähernd kostendeckender mobiler Datenverkehr wird für die meisten Smartphone-Nutzer zu teuer sein“, lautet seine Einschätzung, mit der er darauf anspielt, dass die gegenwärtigen Preise für einen exzessiven mobilen Datenverkehr von den Netzwerkbetreibern noch hoch subventioniert werden.

Aber auch bei der Rentabilität der Glasfaseranschlüsse bis ins Haus sind Zweifel angebracht. So hat die amerikanische Kleinstadt Chattanooga ein Preisgeld von 300 000 $ bereitgestellt, mit dessen Hilfe neue breitbandintensive Internetanwendungen entstehen sollen. Hintergrund ist, dass die Stadt bereits seit 2010 flächendeckend einen Zugang von 1 Gbit/s anbietet – doch keiner will ihn haben. In zwei Jahren fanden sich nur acht private und 18 geschäftliche Kunden für dieses Angebot. Der Grund: Der Zugang kostet 350 $ im Monat, wogegen der Standardzugang mit 10 Mbit/s nur 40 $ kostet.

  • Harald Weiss

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