Telematik 07.01.2005, 18:36 Uhr

Gelungener Mautstart mit nur wenig Einbuchungskunden

VDI nachrichten, Aachen, 7. 1. 05 -Den ersten Härtetest hat das neue Lkw-Mautsystem in Deutschland mit Bravour bestanden. Allerdings wird für das satellitengestützte System nun das zweite Wochenende zu einer größeren Nagelprobe, wenn der Güterkraftverkehr auf deutschen Autobahnen wieder Normalmaß erreicht. Denn zum Start ins Neue Jahr floss der Lkw-Verkehr noch urlaubsgebremst spärlich ins Land.

Der von vielen Kritikern zur Einführung der Lkw-Maut erwartete Superstau blieb an den Einbuchungsstationen auf den deutschen Autobahnen aus. Am belgisch-deutschen Grenzübergang Lichtenbusch bei Aachen langweilten sich am vergangenen Wochenende die von Toll Collect, Berlin, eingesetzten Mauthelfer. Denn im eigens für die Unterbringung der Buchungsterminals installierten Container herrschte gähnende Leere.
„Am Montag hatten wir an den insgesamt vier Terminals gerade einmal 100 manuelle Einbuchungen“, schilderte Mauthelferin Sabine Ertl die Situation. Ähnliche Erfahrungen machte auch Dr. Peter Ritter. „Der Andrang an unserer Raststätte war zum Start der Lkw-Maut deutlich geringer als an den übrigen Wochenenden des Jahres“, beschreibt der Betreiber der Raststätte Aachener Land die Verkehrslage an der ersten Anlaufstelle auf deutscher Seite nach dem niederländisch-deutschen Grenzübergang. Das Einbuchungsterminal an seiner Raststätte habe bis Montagmittag gerade einmal acht Vorgänge registriert.
Den ruhigen Mautstart ohne Stauprobleme bestätigte Udo Freialdenhofen für Deutschland insgesamt. „Sowohl an den westlichen, als auch an den östlichen Landesgrenzen gab es keinen großen Andrang an den manuellen Buchungsterminals“, so der Sprecher der Toll Collect GmbH. Dies erklärt er mit der relativ hohen Zahl von automatischen Buchungen per On-Board-Unit (OBU). „Das Verhältnis zwischen automatischen und manuellen Buchungen per Internet oder an den Buchungsterminals betrug am vergangenen Montag 29 000 OBU- zu 7000 manuellen Einwahlen in das System“, so der Unternehmenssprecher. Insgesamt seien zum Start der Lkw-Maut am 1. Januar 321 000 OBUs in deutsche und ausländische Lastkraftwagen installiert gewesen. „Und die ganze Maschine läuft wie ein Schweizer Uhrwerk“, freut sich Freialdenhofen.
Holger Ortwig dagegen ist bei aller Champagnerlaune nur bedingt davon überzeugt, dass damit der Start in die Lkw-Maut bereits reibungslos geglückt ist. „Die erste Woche des Jahres ist durch das deutlich verringerte Verkehrsaufkommen nicht repräsentativ. Daher steht die eigentliche Feuerprobe dem System am kommenden Wochenende noch bevor“, mutmaßt der Prokurist der internationalen Spedition Hammer, Aachen. Denn im Vergleich zum Normalzustand habe sich der Güterkraftverkehr auf deutschen Autobahnen zum Jahreswechsel auf höchstens 30 % reduziert.
Dies begründet der Logistikexperte mit den in dieser Zeit anstehenden Inventuren bei Versendern und Empfängern und der Tatsache, dass einige Produkte nach der umsatzstarken Vorweihnachtszeit erst wieder produziert werden müssten. Hinzu komme, dass viele Speditionen wie auch Produktionsbetriebe bis zum 6. Januar Betriebsferien haben. „Wir müssen abwarten was passiert, wenn am kommenden Wochenende zahlreiche nicht mit OBUs ausgerüstete Lkw auf das deutsche Autobahnnetz drängen. Diese werden beispielsweise aus den baltischen Staaten kommen und deren Speditionen haben noch keine Registrierung, weshalb für sie die Buchung per Internet wegfällt“, erklärt Ortwig. Nach seiner Meinung hätte der Einführungstermin der Lkw-Maut an die Anzahl der im In- und Ausland eingebauten On-Board-Units gekoppelt werden müssen.
„Aus meiner Sicht funktioniert das System nur dann reibungslos, wenn etwa 800 000 der insgesamt 1,4 Mio. jährlich auf unseren Autobahnen fahrenden Lkw mit einem automatischen Erfassungssystem ausgerüstet sind“, spekuliert Ortwig. Die alternativen Buchungsmöglichkeiten per Internet oder Buchungsterminal dagegen seien nur wenig praxisorientiert und keine wirkliche Alternative. Bei dieser Art von Buchung müsse der Fahrer neben den Fahrzeugdaten auch gleich die genaue Strecke angeben, die er zu fahren gedenkt. Müsse er jedoch davon abweichen, so sei eine entsprechende Korrektur am nächsten Terminal notwendig. „Das senkt natürlich die Produktivität signifikant. Darüber hinaus halte ich dadurch entstehende Umwegfahrten für nicht ökologisch“, so der Prokurist der Aachener Spedition.
Vor diesem Hintergrund wirft Ortwig Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe schwere Versäumnisse und Naivität vor. Der Politiker habe sich ebenso wie Toll Collect zu sehr mit den technischen Problemen des Maut-Systems beschäftigt und darüber die konzeptionellen Schwierigkeiten weitestgehend vergessen. So sei beispielsweise nicht zuletzt das Auffinden von Fahrtzielen sehr kompliziert. Und dieses Problem gelte verstärkt für ausländische Lkw-Fahrer.ROLF MÜLLER-WONDORF/Si

 

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Siebenlist

  • Rolf Müller-Wondorf

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