Mobilfunk 04.10.2002, 18:22 Uhr

Flaues Geschäft mit UMTS

Sparen und Restrukturieren. Denn auf absehbare Zeit ist eine Erholung nicht in Sicht.

Siemens, einst Vorzeigeunternehmen der deutschen Wirtschaft, gerät derzeit vorwiegend mit dem Schlagwort „Personalabbau“ in die Schlagzeilen. Vor allem die Netzwerksparte ICN und der Mobilfunkfunkbereich ICM machen den Münchnern fortgesetzt Sorgen, und erst jüngst musste ICN-Vorstand Thomas Ganswindt empörten Mitarbeitern in der Zentrale an der Hofmannstraße erklären, warum 2300 von ihnen – jeder Dritte – gehen soll. Bei ICM fallen aktuell 700 Jobs weg. Und auch weitere Konzernteile wie Siemens Business Services oder Siemens Industrial Solutions & Services bauen Personal ab.
Für ICN-Sprecher Thomas Schepp liegt eine der Hauptursachen auf der Hand, stimmt er doch in das Klagelied ein, das auch andere Netzwerkausrüster singen. Es sei der Rückgang der Investitionen bei den hoch verschuldeten Telekommunikationsgesellschaften, der den Networkern die Ergebnisse verhagelt. 30 % bis 40 % weniger als in den vergangenen Jahren gebe beispielsweise die Telekom an Auftragsvolumen heraus.
Angesichts solcher Entwicklungen will Matthias Bellmann, Personalchef bei ICN, „schnell eine gesunde Kostenbasis für einen langfristig schwachen Markt finden“. Denn Siemens rechnet nicht damit, dass sich der Sektor in absehbarer Zeit auf breiter Front erholt. Das Marktsegment Mobilfunk-Netzwerke beispielsweise sei in diesem Jahr zwischen 10 % und 15 % geschrumpft und werde sich im kommenden Jahr noch einmal um 5 % vermindern, prognostiziert ICM-Sprecher Axel Schafmeister.
Freilich – die Gewerkschaften urteilen da anders. „Es ist ja nicht so, dass der Telekommunikationsmarkt ein sterbender Bereich wäre. Er verändert sich nur“, meint Wolfgang Müller, bei der bayrischen IG Metall für Siemens zuständig.
Wer bei diesem Stichwort an den schnellen mobilen Internet-Standard UMTS denkt, muss sich freilich von zu hohen Erwartungen verabschieden. Die Kosten für den Aufbau von UMTS-Netzen – die hohen Lizenzgebühren herausgerechnet – liegen um etwa 30 % niedriger als für herkömmliche GSM-Netze, rechnet Schafmeister zudem habe es einen Preisverfall gegeben. Da dürfte also für die Netzwerkausrüster weniger zu verdienen sein, als manch einer gehofft hatte.
Wirtschaftsexperten sehen allerdings die Gründe für die Krise der Siemens-Netzwerker nicht nur außerhalb des Unternehmens: Konzernchef Heinrich von Pierer habe zu spät auf auflaufende Verluste reagiert, nachdem Ganswindt-Vorgänger Roland Koch im Sommer 2001 bereits einen dreistelligen Millionenverlust bilanzierte und daraufhin seinen Stuhl räumen musste. Unter Ganswindt konzentriert sich ICN jetzt auf drei Geschäftsfelder: die Konvergenz von Daten und Sprache (IP-Konvergenz), optische Netze und Zugang zu Breitbandnetzen. Freilich, so urteilt beispielsweise Frank Rothauge, Analyst bei der Bank Sal. Oppenheim, habe es viel zu lang gedauert, bis der Restrukturierungsplan vorlag, der laut Ganswindt bis zu 2 Mrd. € an Einsparungen bringen soll. Dirk Rübesamen von WestLB-Panmure bewertete das aufgelegte Sparprogramm bei ICN als zunächst zu zaghaft. Schließlich sei für die gesamte Branche „auch 2003 keine deutliche Erholung abzusehen“. Letzteres bestätigt auch von Pierer. Er lässt sich in der Konzernzeitschrift Siemens Welt zum Thema ICN mit den Worten zitieren: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass so bald keine grundlegende Besserung eintritt.“
Da hilft es wenig weiter, dass ICN in seinen Kernbereichen nicht einmal die Marktführerschaft inne hat. Bei den Netzwerken für Firmenkunden hat Cisco die Nase vorn. Und bei den Telekommunikationskonzernen setzt Alcatel mit weltweit 5,2 Mrd. € etwa doppelt so viel um wie die Münchner – vor allem wegen der Siemens-Schwäche auf dem U.S.-Markt, wo sich ICN laut IG-Metaller Wolfgang Müller „zahlreiche Fehlinvestitionen geleistet hat“. Schließlich sei dies einer der Hauptgründe für die leeren Kassen, nachdem während der Boom-Jahre der späten 90er gut verdient wurde, findet der Gewerkschafter, nicht ohne darauf zu verweisen, dass Heinz-Joachim Neubürger, der Finanzvorstand der Siemens AG, einen großen Teil des Siemens-Pensionsfonds „in Aktien verspekuliert“ habe. Die Problemlage durch die miserable Börsennotierung der Infineon-Aktie, in die der Pensionsfonds offensichtlich stark investierte, hatte die Konzernleitung jüngst einräumen müssen.
Angesichts dieser Lage im Unternehmen dürfte sich Konzernchef von Pierer anlässlich eines Ausflugs nach Ägypten ein bisschen wie Indiana Jones im Film „Der Jäger des verlorenen Schatzes“ gefühlt haben. Mit Staatschef Hosny Mubarak unterzeichnete von Pierer einen 650 Mio. € werten Rahmenvertrag über den Ausbau des Telefon-Festnetzes im Land der Pyramiden.
THOMAS FINKEMEIER

Ein Beitrag von:

  • Thomas Finkemeier

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