Telekommunikation 03.08.2001, 17:30 Uhr

Faxen ohne Ende: Werbeflut kaum zu stoppen

Unerwünschte Zusendung von Werbefaxsendungen hat in den letzten Monaten überhand genommen. In Deutschland gesetzlich unzulässig, kommt ein großer Teil solcher unerbetenen Informationen meist aus dem Ausland, wo sich die Betreiber sicher wähnen.

Morgens um 6:03 Uhr klingelt das Faxgerät: „Sparen, sparen, sparen!“, schreit es von der Faxseite: „Fabrikverkauf, umgehen Sie den Einzelhandel!“ Ein Unternehmen aus Sheffield (Großbritannien) lädt ein, alles Wissenswerte darüber über eine Abrufnummer sich nach Hause zu holen – für 3,63 DM pro Minute. Nur ein Beispiel für viele nutzlose und kostspielige Werbefaxe.

Eine E-Mail an die Deutsche Telekom, sie möge bitte diesen Unsinn abstellen, scheint naheliegend. Die Telekom bleibt freundlich und gibt rasch Antwort: Leider kann man da selber nichts machen. Die Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation (RegTP) hat die fraglichen 0190er-Nummern im Teilbereich für „Premium Rate“-Dienstleistungen im Rahmen der Liberalisierung des Fernmeldedienstes an diverse Zuteilungsnehmer weitergegeben. Eine Liste der Rufnummernblöcke und ihre Zuordnung auf Lizenznehmer könne man per Computer von der Webseite der RegTP in Bonn herunterladen.

Was macht jetzt derjenige, der keinen PC und keinen Internetanschluss hat? Er wendet sich an die Verbraucherzentrale und fragt dort an, was man gegen die unerbetene Faxwerbung tun kann. Zunächst kommt die Aufforderung mit der Post, man möge bitte 20 DM einzahlen, da eine Rechtsauskunft gegeben werden soll. Nach Zahlung des geforderten Betrags stellt sich dann ein paar Tage später ein Brief ein: „Telefaxwerbung ist im privaten Bereich ohne ausdrückliches Einverständnis des Empfängers unzulässig, es sei denn, zwischen Absender und Empfänger besteht Geschäftsverbindung. Um sich gegen unerwünschte Telefaxwerbung aus Deutschland zu schützen, kann man sich in eine Sperrliste beim VDMA in Frankfurt eintragen lassen. Dieser Eintrag hat allerdings nur Wirkung gegenüber Firmen, die dem Verband VDMA angeschlossen sind. Schwierig wird es, wenn die Werbefaxe von ausländischen Unternehmen stammen … Die staatenüberschreitende Rechtsverfolgung in der EU ist sehr kosten- und zeitintensiv. Zustellungen gerichtlicher Verbote müssen auf dem diplomatischen Weg erfolgen, was regelmäßig mehrere Monate in Anspruch nimmt. Trotz eindeutiger Rechtslage ist es also rein faktisch kaum möglich, der Flut ausländischer Werbefaxe wirksam zu begegnen.“

Also zurück zur Liste der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation. Der letzte Stand der heruntergeladenen Liste erweist sich schon nicht mehr als aktuell, weil genau das Unternehmen, welches man als Erstes (sozusagen als Hauptverursacher) anschreibt, mittlerweile umgezogen ist. Ein Schreiben also an die Extracom AG, man möge bitte dafür sorgen, dass in Zukunft über die eigene Faxnummer keine unerwünschte Werbung mehr gemacht wird. Auf noblem Firmenbogen ein paar Tage später die Antwort: „Diese Rufnummern werden von uns nicht selbst genutzt, sondern … an verschiedene Anbieter weitergegeben. Wir haben die beanstandete Rufnummer an die Firma ETS ServaTel GmbH weitergegeben, mit der Aufforderung Sie aus den Verteilern zu streichen.“

Also noch ein Brief an die Firma ETS Servatel, man möge doch bitte so nett sein und die eigene Faxnummer aus allen Faxverteilern herausnehmen. Das Unternehmen ist höflich und schnell: „… und teilen wir Ihnen mit, dass wir keinerlei unaufgeforderte Werbung per Telefax betreiben.“ Wie bitte? „Wir haben die fragliche Abrufnummer einem Unternehmen zur weiteren Nutzung überlassen. Bitte wenden Sie sich an die Firma Data Concept GmbH, …“

Irgend etwas läuft hier schief mit der Deregulierung. Man kann nicht den Endteilnehmer, der ja letztlich alle diese angeblichen Serviceleistungen bezahlen soll, derartig entrechten. Dass auf das Recht „Privacy“ ein gesetzlicher Anspruch besteht, den dann die Netzbetreiber nicht garantieren können, grenzt an Missbrauch von Macht. Und den sollte man in einem Land auch dann anprangern, wenn man sich damit unbeliebt macht.

DELANO L. KLIPSTEIN

Stellenangebote im Bereich Softwareentwicklung

in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Informatiker als Softwareentwickler C++/Qt für industrielle Systeme (m/w/d) Garching bei München, München
Pixida-Firmenlogo
Pixida Functional Owner – Digital Services und Connected Devices (m/w/d) München
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Softwareingenieur (m/w/d) ASPICE für Entwicklungsprozesse Weissach
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG IT Security Expert (m/w/d) Digital Workplace Weilimdorf
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Jungheinrich Aktiengesellschaft Embedded Softwareentwickler (m/w/d) Norderstedt
XTRONIC GmbH-Firmenlogo
XTRONIC GmbH Embedded Software Developer (w/m/d) Böblingen
SimonsVoss Technologies GmbH-Firmenlogo
SimonsVoss Technologies GmbH Senior Middleware Stack Architect (m/w/d) Unterföhring bei München
DIgSILENT GmbH-Firmenlogo
DIgSILENT GmbH Ingenieur Elektrotechnik (w/m/d) Anwendungsentwickler C++ Gomaringen
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Service-Experte (w/m/d) Data-Streaming Weilimdorf
XTRONIC GmbH-Firmenlogo
XTRONIC GmbH Requirements Engineer Bereich Kombiinstrumente (m/w/d) Böblingen

Alle Softwareentwicklung Jobs

Top 5 IT & T…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.