Mobilfunk 14.04.2006, 18:43 Uhr

EU-Kommissarin gegen happige Roaming-Gebühren  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 13. 4. 06, rb – Seit über fünf Jahren hat die EU-Kommission die hohen Gebühren für Handytelefonate im Ausland im Visier. Sie stiegen weiter. Nun will EU-Kommissarin Viviane Reding ernst machen und die Preise per Verordnung regulieren.

Den Schock kennt jeder Handybesitzer, der aus dem Ausland zurückkehrt: Statt dem gewohnten zweistelligen Betrag prangt eine stattliche dreistellige Euro-Zahl auf der Mobilfunkrechnung. Schuld sind die Netzbetreiber, die sich seit einem Jahrzehnt bei Auslandsreisenden ungeniert bedienen. Wer sein Handy im Ausland nutzt, bezahlt nicht nur Minutenpreise bis zu 5 € für den Anruf nach Hause. Auch für ankommende Gespräche werden 69 Cent bis 129 Cent pro Minute fällig. Roaming, das Umherstreifen im Ausland, ist teuer.

Schon 2002 vermutete EU-Kommissar Mario Monti ein Preiskartell der europäischen Netzbetreiber. „Wie wollen noch in diesem Jahr handeln, so dass Verbraucher im Ausland nicht geschröpft werden“, kündigte Monti an. Trotz Durchsuchungen gelang es nicht, u. a. den vier deutschen Mobilfunkfirmen Preisabsprachen nachzuweisen.

Nun macht Viviane Reding, EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, einen neuen Anlauf. „Es ist höchste Zeit, dass Bürger auf Auslandsreisen in den Genuss der Vorteile des Binnenmarkts kommen, und zwar in Form deutlich niedrigerer Kommunikationsgebühren“, fordert sie. Das Ziel: keine Extra-Gebühren mehr für ankommende Gespräche innerhalb der EU und die gewohnten Inlandspreise für im Ausland abgehende Gespräche.

Letztere kosten in der EU zwischen 1 € und 4 € pro Minute. Wer in acht Jahre alten Tariftabellen von T-Mobile, damals noch D1, nachsieht, findet eher gestiegene Preise: 73 Cent bis 92 Cent kostete 1998 eine Verbindung von Österreich nach Deutschland, heute sind es 89 Cent. Für ankommende Gespräche sind 69 Cent fällig, 3 Cent mehr. Ab Mai 2006 verlangt auch E-Plus, mit 55 Cent bisher der Günstigste, 69 Cent für die Weiterleitung der Gespräche in Europa. Inzwischen sind im Festnetz die Preise deutlich gesunken. Handys in Österreich erreicht man für 14 Cent, 12 Cent teurer als beim Festnetzanschluss. Die Differenz zeigt, wie viel die Terminierung, also die Weiterleitung zum Handy, wirklich kostet. Dazu kommt noch ein winziger Aufwand für die Abrechnung zwischen den Netzbetreibern.

Die Vereinigung der europäischen Regulierungsbehörden (ERG) will mitziehen. „Wir unterstützen nachdrücklich die Initiative, dieses Problem anzugehen“, sagt Vorsitzender Kip Meek vom britischen Regulierer Ofcom. In Großbritannien hatten Netzbetreiber zuletzt die Preise weiter erhöht. Der spanische Regulierer zeigt sich dagegen hartleibig, denn das Urlaubsland profitiert am meisten von den Ausländern und hat mit die höchsten Roamingpreise in Europa.

Manfred Rühl, Vorstand des Deutschen Verbands für Post und Telekommunikation, wünscht sich mehr Druck vom Regulierer: „Die Bundesnetzagentur sollte gegen diese Oligopole massiver vorgehen.“

Die deutschen Netzbetreiber finden die Drohung aus Brüssel unangebracht. „Um niedrige Preise anbieten zu können, versuchen wir die Großhandelspreise, die wir insbesondere in den klassischen Urlaubsländern zahlen, durch Verhandlungen abzusenken. T-Mobile zahlt an diese Operators sehr viel mehr aus, als wir einnehmen. Leider sind diese Betreiber nicht immer bereit, ihre Preise zu senken“, so Marion Kessing, Pressesprecherin von T-Mobile, und verweist auf schon reduzierte Auslandstarifmodelle. „Wir sind uns sicher, dass auch die Industrie als Ganzes erkennen wird, dass weiter sinkende Preise in ihrem Interesse sind.“

Vodafone sieht das nicht anders: „Eine Regulierung halten wir nicht für notwendig, der Wettbewerb funktioniert gut. Mit unserem Reiseversprechen kann man ein Telefonat im Ausland zu Inlandspreisen zuzüglich einmalig 75 Cent telefonieren“, erläutert Voda- fone-Pressesprecherin Marion Stolzenwald.

Im Nachbarland scheint der Wettbewerb nicht härter zu sein: Österreicher bezahlen in Deutschland mit ca. 1,35 € pro Minute noch mehr als Deutsche dort im Urlaub. Beispiele, die kleine und große Preisunterschiede zeigen, listet die EU auf einer wenig bekannten aktualisierten Website auf.

Bis Mitte 2007 will Viviane Reding die Preise per EU-Verordnung auf ein vernünftiges Niveau drücken. Doch es könnte anders kommen, spekuliert Telekommunikationsfachmann Kai Petzke von Teltarif.de: „Statt im Ausland billiger wird es dann im Inland teurer, insbesondere bei Telefonaten in Fremdnetze.“ Das hätten die Banken vorgemacht, als sie für die Geldautomatenbenutzung im Ausland nicht mehr höhere Gebühren verlangen durften: Die Abhebung an Fremdautomaten im Inland wurde drastisch teurer.

FRIEDHELM WEIDELICH

Von Friedhelm Weidelich
Von Friedhelm Weidelich

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