Mobilfunk 17.11.2006, 19:25 Uhr

Erste Zertifikate für virtuelle Parkscheine  

Das verspricht das so genannte Handy-Parken. In Deutschland ist es allerdings noch im Versuchsstadium.

Für die neue Technik fehlt es den Betreibern und ihren Auftraggebern, den Kommunen, an Rechtssicherheit. Zwar wurde der § 13 der Straßenverkehrsordnung, der einen schriftlichen Parkzettel vorschreibt, bis Ende 2007 befristet außer Kraft gesetzt. Doch erst Anfang dieser Woche bestätigte das Bundesverkehrsministerium, dass die Befristung aufgehoben wird und damit der virtuelle Parkschein auf Dauer erlaubt ist. Ein entscheidender Schritt für das Handy-Parken, denn bislang mochten weder Betreiber der Systeme noch Kommunen in das neue System investieren.

Die Neuregelung des Berliner Ministeriums ist für den Leiter der Kölner Verkehrszentrale, Thomas Weil, nur ein erster Schritt, aber nicht ausreichend. Der Rheinländer vermisst noch immer einen einheitlichen Standard, der auch über die Stadtgrenze hinaus gilt.

Im Grunde, so wünschen es sich die Mitglieder der Projektgruppe „Mobile Bürgerdienste“ der Initiative D21, muss der mobile Parkschein ein ähnlich übergreifendes System bieten wie die Geldautomaten der Banken: An jedem beliebigen Ort in Deutschland könnte dann über das Mobiltelefon die Parkgebühr entrichtet werden.

Eine mögliche Standardisierung könnte die Abrechnung über die Mobilfunkrechnung sein. Doch bislang zeigen die Netzbetreiber wenig Neigung, sich in das Projekt Handy-Parken einzubringen. Grund seien zu geringe Umsatzerwartungen, vermuten die Akteure des Projekts „Mobile Bürgerdienste“.

In Deutschland sind bislang vier Anbieter auf dem Markt aktiv: EasyPark (Duisburg), M-Parking (Berlin) sowie Parkmobile (München), und hinzu kommen die Stadtwerke Lemgo, die mit ihrem OWL-Parking ein eigenes System aufgebaut haben.

Die Technik ist überall ähnlich: Vor der Nutzung steht die Registrierung. Persönliche Daten, Mobilfunknummer und Autokennzeichen müssen angegeben werden. Abgerechnet wird entweder über Kreditkarte, per monatlicher Rechnung oder Bankeinzug. Bei einigen Anbietern werden Gebühren für die Abrechnung oder zwischen 5 Cent und 46 Cent pro Parkvorgang fällig, bei manchen beides.

Für die Kommunen ist das System eine weitaus sicherere Einnahmequelle als herkömmliche Parkuhren und -automaten. Der Autobesitzer muss eine Vignette sichtbar an der Scheibe anbringen. Die städtischen Kontrolleure können dann durch das Kennzeichen feststellen, ob die Parkzeit ordnungsgemäß angemeldet wurde.

Die meisten Kommunen würden die Kosten der herkömmlichen Parksysteme unterschätzen, vermutet der Leiter der Kölner Verkehrszentrale. So belaufen sich in Köln die jährlichen Parkeinnahmen auf rund 11 Mio €. Von jedem Euro gehen 2 Cent in die Verwaltung der Parkautomaten. Dazu kommen Verluste durch Diebstahl und Veruntreuung, die Weil für seine Stadt mit rund 150 000 € pro Jahr errechnet hat. Noch nicht eingerechnet sind dabei die Kosten für Instandhaltung. Und sogar die Papiermenge kennt der Kölner Verkehrsexperte. Rund 1,6 t Papier bedrucken die städtischen Automaten in der rheinischen Metropole jedes Jahr.

Dennoch zögerte die Stadt Köln bislang mit der Einführung des virtuellen Tickets: Weil wollte seine Bürger nicht auf einen Anbieter verpflichten. Ab 2007 soll nun aber auch dort das Handy-Parken eingeführt werden, mit freier Betreiberwahl. Und einem System, das zumindest langfristig über die Stadtgrenze hinaus reichen soll.

Voraussetzung für ein flächendeckendes System ist ein gemeinsames Portal der Betreiber. Bislang gibt es dafür nur ein Konzept. Nötig ist aber auch Rechtssicherheit für Betreiber, Kommunen und Autofahrer, damit nur Unternehmen mit dem nötigen Kapital, die zudem technische Qualität garantieren und Datenschutzbestimmungen einhalten, als Vermieter des knappen Parkraums auftreten. Die ersten drei Unternehmen M-Parking, Parkmobile und die Stadtwerke Lemgo haben die dafür nötigen Schritte getan: Sie erhielten in dieser Woche in Berlin ihre Zertifizierung.

BIRGIT BÖHRET

Von Birgit Böhret
Von Birgit Böhret

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