Mobilfunk 08.11.2002, 18:22 Uhr

Erotik auf Handys und PDAs soll salonfähig werden

Anbieter von Sex-Inhalten haben auf der Erotik-Messe Venus 2002 Dienste für Handhelds und Mobiltelefone vorgestellt. Die Palette reicht von Steckchips für den PDA bis zur Premium-SMS. Auf der Suche nach Umsätzen zeigen viele Netzbetreiber Interesse.

Das ist Multimedia“, sagt John Pruzanski, Entwickler bei der Private Media Group, begeistert. Er fingert mit der einen Hand eifrig auf seinem PDA herum und fischt mit der anderen einen Kopfhörer aus der Tasche. „Hören Sie, zu der Dia-Show gibt es sogar eine Audio-Begleitung.“ Während sich auf dem Display bildschirmfüllend Männlein und Weiblein in eindeutiger Pose zeigen, erläutert ein Erzähler nun die nicht ganz jugendfreien Details. Zu sehen und zu hören sind diese Inhalte mit Hilfe des neuen, 32 MByte fassenden Speicherchips des etablierten spanischen Erotikhauses. Von Februar an sollen sie in Sex-Shops und in zollfreien Läden am Flughafen für etwa 35 ® feilgeboten werden. Neben den Striptease-Bilderserien finden sich auf den Steckmodulen für Handhelds mit dem Pocket-PC-System oder Palms mehrere etwa fünf Minuten lange Videos sowie einschlägige Spiele.
Private vermarktet die „heißen“ ROM-Chips als „den ultimativen tragbaren Porn“. Vorab Konkurrenz machen wollen sich die in diesem Jahr mit etwa 45 Mio. ® Umsatz rechnenden Katalonen mit Premium-SMS-Diensten, dank derer sich der Fan eines Private-Babes direkt von seiner Lieblingsdarstellerin ab Dezember „persönliche Botschaften“ aufs Handy schicken lassen kann. Im avisierten Preis von 1,70 ® enthalten ist ein Zugangscode für das neue SMS-fähige „Starportal“ Privates.
„Da muss man nicht mehr erst auf eine Website zugreifen“, so der zuständige Wireless-Chef des an der Technologiebörse Nasdaq gelisteten Erotik-Anbieters, David Jarvis, über die „sofortige Bedürfnisbefriedigung am Mobiltelefon“. Die soll noch intensiviert werden durch bunte und bildlastige MMS-Nachrichten (Multimedia Messaging Service), die Private vom Sommer an absetzen will.
Die Konkurrenz hat „Mobile Sex“ ebenfalls als Wachstumsmarkt entdeckt. Schließlich rechnen die Auguren des Forschungshauses Visiongain mit Umsätzen in Höhe von 4 Mrd. Dollar bis 2006 in diesem Sektor. Der europäische Platzhirsch, die rund 250 Mio. ® jährlich umsetzende Beate Uhse AG aus Flensburg, konnte eine Kooperation mit dem neuen, auf der schnellen GPRS-Technik basierenden WAP-Dienst Vodafone Live abschließen.
Bislang waren die großen Netzbetreiber eher zurückhaltend, was eine Zusammenarbeit mit den Anbietern der „Schmuddelinhalte“ anging. Sie überließen das Business rund um die Display-Lust lieber speziellen Mobilportalen wie Wapsexy.com oder Jamba. Doch die Schuldenlast der UMTS-Lizenzen und das Erreichen von Sättigungsgrenzen in Kerngeschäften – etwa beim Versand von SMS – versüßen den Flirt mit den Sexlieferanten und lassen Erotikrubriken erblühen. „Die Netzbetreiber klopfen reihenweise an unsere Tür“, sagt Beate Uhses New-Media-Mann Oliver Pfeiffer, der neben Bildern und kleinen Videos für WAP wie Private vom Winter an auch mit Premium-SMS für 1,99 ® experimentieren will. Auch mit T-Mobile würden Gespräche laufen. In England haben zudem die Mobilfunker Hutchison und Virgin Mobile mit dem Playboy vereinbart, gemeinsam Softpornos auf die Handys zu bringen. Eine Vodafone- Sprecherin betonte, dass auf dem Love-Channel von Vodafone Live „nur Jugendfreies“ (FSK 16) zu finden sei.
Viele der angepriesenen mobilen Erotikdienste sind noch im Teststadium. Die Anbieter suchen nach der Killer-Applikation, die aus den technischen Beschränkungen der kleinen, langsam Farbe zeigenden Displays und schmalen Bandbreiten das Beste herausholen. Dabei haben sich viele Versuche als frühreif erwiesen. „Unser PDA-Portal haben wir eingestellt“, sagt Pfeiffer von Beate Uhse. „Es war für den Nutzer zu kompliziert, da er erst ein Installationsprogramm aus dem Netz ziehen musste.“ Inzwischen sei alles „rein webbasiert“. Auch ein in Java programmiertes Strip-Quiz für Handys erwies sich im Verhältnis als „zu kostspielig“. Trotz des plattformübergreifenden Charakters von Java seien für fast jedes Endgerät Adaptionen nötig gewesen. Moralapostel können also noch hoffen. STEFAN KREMPL

Erotik-Inhalte
Probleme mit Jugendschutz und Spam
Die Umwandlung tragbarer Kommunikationsapparate in virtuelle Sexmaschinen wird nicht überall gern gesehen. „Für Eltern wird es extrem schwierig, ihre Aufgaben zu erfüllen“, klagt Robert Peters, Präsident der US-Organisation Morality in Media. Kinder hätten in Zukunft viel leichteren Zugang zu solchen Inhalten. Sorgen bereiten der Branche auch schwarze Schafe in der Branche. Die Trittbrettfahrer locken Nutzer mit kostenlosen Handy-Logos oder „scharfen Bildern“ – und überfluten ihre „Kunden“ daraufhin mit unerwünschten Werbemails, u. a. für teure 0190-SMS. „Das macht uns den Markt kaputt“, gibt Beate-Uhse-Manager Oliver Pfeiffer zu. Sein Haus werde daher eng mit den Providern zusammenarbeiten. sk

Ein Beitrag von:

  • Stefan Krempl

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