Smart Grid 09.11.2012, 19:55 Uhr

Energiewende nur mit Köpfchen

Nur gemeinsam mit IT und Telekommunikation können Stromnetze für die Energiewende fit gemacht werden. Doch die neue intelligente Stromwelt lässt noch viele Fragen offen. Das mussten sich Politik wie Industrie auf dem „Smart Grid“-Kongress des VDE Anfang dieser Woche in Stuttgart eingestehen.

Ernst Burgbacher, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, brachte am Montag dieser Woche eine Nachricht für die Energiebranche mit nach Stuttgart. „Letzte Nacht haben wir in der Koalitionsrunde beschlossen, das EEG grundlegend zu reformieren“, erklärte er auf dem VDE-Kongress. Das sei bei allen Diskussionen um Betreuungsgeld, Praxisgebühr und Maßnahmen gegen Altersarmut untergegangen. Durch die Fördermaßnahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) habe man zu viel aus dem Wettbewerb herausgenommen. Ganz im Sinne des FDP-Ministeriums soll Konkurrenz die Energiewende beleben.

Doch Wettbewerb alleine reicht nicht aus, das weiß kaum jemand besser als die Anfang der Woche in Stuttgart versammelten Energie- und Telekommunikationsexperten. „Die eigentliche Energiewende findet im intelligenten Netz statt“, erklärte Alf Henryk Wulf, Chef von Alstom Deutschland. Grund genug für den VDE, sich auf seinem „Energiegipfel“ zwei Tage lang mit dem Thema Smart Grid zu beschäftigen.

„Alle Volkswirtschaften suchen nach Leuchtturmprojekten, um Vorreiter in einer Technologie zu sein, langfristig Forschung zu binden und letztendlich Arbeitsplätze zu sichern.“ Für Wulf ist die Energiewende der Leuchtturm für das 21. Jahrhundert in Deutschland.

Kein einfaches Unterfangen, in dem es gilt, das Zusammenspiel aus Energieerzeugung und -verbrauch zu managen. Zumal der unstete Strom aus Wind und Sonne die Netze belaste. Schon heute, so rechnete der VDE vor, werden pro Jahr europaweit rund 10 % des nicht konventionell erzeugten Stroms durch „Abregelung“ verschenkt, bis 2030 könnten es 45 % sein.

Um den Strom intelligent zu verteilen und ihn auch zu nutzen, ist dringend ein Smart Grid vonnöten, waren sich alle in Stuttgart einig. Doch aktuell ist die hiesige Energiewelt gespalten. Auf der Ebene der großen Übertragungsnetze existiert bereits vieles – ein Ausbauplan ebenso wie die Fähigkeit, über das Hochspannungsnetz zu kommunizieren und Daten auszutauschen. Anders im Nieder- und Mittelspannungsbereich, dem Verteilnetz: Hier tummeln sich 850 verschiedene Netzbetreiber und 550 000 nichtautomatisierte Ortsnetzstationen. Kommunikation? Mehrheitlich Fehlanzeige.

Doch genau im Verteilnetz – an dem Verbraucher, dezentrale Energieerzeuger, Speicher und mehr hängen – spielt künftig die Musik. Da muss aufgerüstet werden, wie Jochen Kreusel, Smart-Grid-Chef der ABB, weiß. Das reicht von elektronischen Zählern über kleine und große Speichersysteme bis hin zur Netz-
infrastruktur. „Da können wir jede Menge aus dem Mobilfunk und dem Festnetz lernen.“ Um den unsteten Strom intelligent zu verteilen, könnten IT und Telekommunikation (ITK) einen wichtigen Beitrag leisten.

Bruno Jakobfeuerborn, Technikchef der Deutschen Telekom, beschwor daher die anwesenden Branchenvertreter. ITK und Energiewirtschaft sollten im ureigensten Sinne ihre Netze zusammenschalten: „Wir werden nur gewinnen, wenn wir in der Lage sind, unsere Kräfte zu bündeln.“ Da will auch der Riese Telekom – wie René Obermann es formulierte – nicht Player, sondern Partner sein. Im Smart Grid müsste eine Vielfalt von Daten in Echtzeit miteinander verknüpft werden. Der Telekom-Chef weiß, dass auf die Energienetze eine wahre Datenflut zukommt. „Wenn wir künftig einen Zähler allein alle 15 min ablesen, dann sind das 35 000 Messwerte pro Jahr – und eben nicht nur einer.“ Doch die schnelle ITK und die in Jahrzehnten denkende Energiewirtschaft – müssen erst lernen miteinander klarzukommen.

Für Alstomchef Wulf besteht dringender Handlungsbedarf. „Wir sind arg im Verzug.“ Der Ausbau der Übertragungsnetze komme nur schleppend voran, die Automatisierung der Verteilnetze hänge in der Warteschleife und das Risiko größerer Störungen mit überregionalen Auswirkungen wachse. Mini-Blackouts im Bereich von wenigen Sekundenbruchteilen könnten spannungsempfindliche Industrieprozesse – etwa in der Halbleiterindustrie – empfindlich stören.

Wulf fordert daher schnellstens einen wasserdichten Masterplan für ein neues Systemdesign. Außerdem solle eine Roadmap her, die alle Fragen schlüssig beantwortet: von der Normung bis hin zu Netzsicherheit und Datenschutz. Dabei gehe es auch darum, mit variablen Tarifen die intelligente Stromwelt für Verbraucher attraktiv zu machen. Allerorten sind die Protagonisten auf der Suche nach Geschäftsmodellen. Smarte Energielösungen könnten eine einzigartige Chance für die deutsche Industrie und Forschung bieten. Eine Riesenaufgabe, die laut Wulf niemanden zur Hysterie verleiten sollte: „Unter den aufmerksamen Augen der Weltöffentlichkeit und unter Zeitdruck dürfen wir uns keine Fehler leisten.“   K. SPILOK/R. BÖNSCH

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