Neues Warnsystem entwickelt 16.10.2013, 14:50 Uhr

Eine Katastrophenwarnung für alle Handys, Navis und Bahnsteiganzeigen

DLR-Forscher haben ein neuartiges Warnsystem entwickelt, das im Krisenfall die Bevölkerung auf verschiedenen Kommunikationswegen überall warnen kann. Die neue Technik wurde im Testbetrieb bereits erfolgreich angewendet.

Ein Rollkoffer steht unter Polizeischutz am 15.10.2013 vor dem Haus der Bremischen Bürgerschaft: In solchen Fällen könnte das unter anderem vom DLR entwickelten System „Alert4All“ die Menschen über die verschiedensten Informationskanäle waren. Denkbar sind Textnachrichten auf Handys, Navis, Displays auf Bahnhöfen und Lautsprecherdurchsagen.

Ein Rollkoffer steht unter Polizeischutz am 15.10.2013 vor dem Haus der Bremischen Bürgerschaft: In solchen Fällen könnte das unter anderem vom DLR entwickelten System „Alert4All“ die Menschen über die verschiedensten Informationskanäle waren. Denkbar sind Textnachrichten auf Handys, Navis, Displays auf Bahnhöfen und Lautsprecherdurchsagen.

Foto: Florian Kater/dpa

Kommt es zu einer Katastrophe im benachbarten Chemieunternehmen oder rollt eine überraschende Hochwasserwelle in kleinen Nebenflüssen heran, kommt es auf jede Minute an, um die Bevölkerung zu warnen. Doch nicht alle Menschen sitzen gerade vor dem Fernseher oder hören einen Radiokanal, der die Warnmeldungen überträgt. Und viele sind gerade am Arbeitsplatz ohne zu wissen, dass gerade eine Windhose Kurs auf den Vorort nimmt, um Dutzende Dächer abzudecken.

Künftig könnten Smartphones, Displays an Bushaltestellen und Bahnsteigen oder gar Lautsprecheranlagen an öffentlichen Plätzen die Bevölkerung warnen. Gemeinsam mit elf europäischen Partnern sowie dem Netzwerk für europäische Sicherheitsindustrie „Euroalarm“ haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt das neue Alarmsystem„Alert4All“ entwickelt. Es warnt und informiert die Bevölkerung im Falle einer Krise überall, egal wo sich die Menschen gerade befinden.

Multimediale Kommunikation über alle Kanäle

Das Besondere an diesem Warnsystem ist die Vielfalt der Informationswege. In Schrift- oder Sprachform können die Nachrichten über bodenstationierte Transmitter (terrestrische Systeme) oder via Satellit verschieckt werden. Dabei sind Textnachrichten auf Mobiltelefone genauso möglich wie auf Navigationsgeräten. Weitere Wege sind Textbanner auf Fernsehbildschirmen und LED-Anzeigen auf Bahnhöfen, Flughäfen und Haltestellen.

Bei Verknüpfung von verschiedenen Informationskanälen könnten die Menschen künftig automatisch durch Textnachrichten auf Displays in der S-Bahn oder zentral gesteuerten Lautsprecherdurchsagen auf Bahnsteigen vor Gefahren gewarnt werden.

Bei Verknüpfung von verschiedenen Informationskanälen könnten die Menschen künftig automatisch durch Textnachrichten auf Displays in der S-Bahn oder zentral gesteuerten Lautsprecherdurchsagen auf Bahnsteigen vor Gefahren gewarnt werden.

Foto: Ole Spata/dpa

Selbst Lautsprecherdurchsagen in öffentlichen Räumen und Gebäuden gehören zum System. Der Vorteil der Übertragung per Satellitensystem ist deren Verfügbarkeit auch im Katastrophenfall. „Oft sind terrestrische Systeme während Katastrophen nicht verfügbar, weil deren Infrastruktur beschädigt oder zerstört wurde“, erklärt Projektleiterin Cristina Párraga Niebla vom DLR-Institut für Kommunikation und Navigation. Satellitensysteme bleiben dagegen in aller Regel verfügbar.“ Zudem soll für das Notfall-System ein Frequenzbereich im S-Band dauerhaft reserviert werden.

Echtzeit-Reaktionen über Rückkanal

„Alert4All“ soll von der Bevölkerung auch als Kanal verwendet werden können, um Rückmeldungen zu geben. Im Falle einer Alarmierung wie bei einer Hochwasserkatastrophe können Beiträge zur Krisensituation dann in soziale Netzwerke gestellt werden. Sprachalgorithmen filtern die Beiträge und ordnen sie entsprechenden Emotionen zu, so dass der Verfasser anonym bleibt. Nur die Stimmung wird schließlich veröffentlicht.

Eine Besonderheit von „Alert4All“ ist, dass die Warnmeldung nur einmal im System erstellt werden muss und automatisch über sämtliche Kommunikationskanäle verbreitet wird.

Eine Besonderheit von „Alert4All“ ist, dass die Warnmeldung nur einmal im System erstellt werden muss und automatisch über sämtliche Kommunikationskanäle verbreitet wird.

Foto: DLR

Das Alarmierungssystem bietet eine enorme Integrationsfähigkeit. Es funktioniert auch in Kombination mit bereits bestehenden Warnsystemen, denen die neuen „Alert4All“-Kanäle zur Verfügung gestellt werden. Zudem kann „Alert4All“ auch in Systeme integriert werden, die es derzeit noch gar nicht gibt. Sicherheitssysteme großer Firmen, Einkaufszentren und Schulen können dem System hinzugefügt werden. Die Kooperation mit dem Euralarm-Projekt „PEARS“ (Public Emergency Alert & Response Systems in Buildings) ermöglichte dies. Hilfreich dafür war die erfolgreiche Zusammenführung mit dem „Modularen WarnSystem“ (MoWaS) des deutschen Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Die Koordination übernimmt ein Webportal, auf dem sich sämtliche Sicherheitsverantwortliche, Einsatzkräfte und Behörden miteinander vernetzen können, um sich entsprechend über die Lage zu informieren. Einmal in das System eingegeben, wird eine Warnung unverzüglich in der jeweiligen Landessprache ohne Zwischenschritte europaweit weitergegeben. Die Menschen erhalten Informationen zur Gefahrenlage und bekommen Hinweise zum Schutz.

Nach Abschluss der Forschungsarbeiten für „Alert4All“ will das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt nun ein System zum  Gefahrenmonitoring entwickeln. Beide Systeme sollen Teil eines umfassenden Katastrophenschutzsystems werden, das sogar den Einsatz von Helfern steuern soll.

Von Petra Funk

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