Schluss mit Ausspionieren 27.02.2013, 14:32 Uhr

Eine App legt neugierigen Apps das Handwerk

Saarbrücker Forscher haben ein Programm entwickelt, mit dem sich das Ausspähen von Daten auf Smartphones und Tablet-PCs verhindern lässt.

Seit das Mobiltelefon zum Smartphone und damit ins Internet eingebunden wurde, ist es, wie Computer, anfällig für Cyberattacken. Etwa durch Apps, also kleine Programme, die ursprünglich für Smartphones entwickelt wurden. Vordergründig gaukeln einige von ihnen nützliche Funktionen vor, während sie unbemerkt im Untergrund aktiv werden und private Daten ausspähen. Auf der Computermesse Cebit, die  vom 5. bis 9. März in Saarbrücken stattfindet, präsentiert das Center für IT-Security, Privacy and Accountability (CISPA) der Universität des Saarlandes einer breiten Öffentlichkeit eine App, die das Smartphone ebenso wie Tablet-PCs vor Spionage-Apps schützt.

Die Dimension des Problems umreißt Informatik-Professor Michael Backes von der Universität des Saarlandes, der auch CISPA-Direktor ist, so: „Mein Smartphone weiß doch fast alles über mich: Angefangen von meinem Namen, meiner Telefonnummer, meiner E-Mail-Adresse über meine Interessen bis hin zu meinem aktuellen Aufenthaltsort.“

Die App aus dem Saarland, die für das Betriebssystem Android entwickelt wurde, analysiert jede App auf Smartphones und Tablet-PCs, auf die sie aufgespielt werden. Anschließend zeigt sie an, was jedes dieser Programme im Geheimen anrichtet: Ob es die gespeicherten Kontakte abgreift, ungebeten eine Verbindung zum Internet herstellt oder den aktuellen Aufenthaltsort verrät. Das Programm namens  SRT Appguard kann kostenlos aus dem Internet heruntergeladen (www.backes-srt.de/produkte/srt-appguard).

Bisher kann man sich nur schützen, indem man auf das Herunterladen der kleinen Programme verzichtet. Mit SRT Appguard  ist es jetzt möglich, jeder App nachträglich bestimmte Zugriffsrechte zu entziehen.

Selbst seriöse Unternehmen bieten kritische Apps an

29 der 88 beliebtesten Applikationen in Deutschland greifen nach einer Analyse des Sicherheitsunternehmens Trend Micro, das die WirtschaftsWoche in Auftrag gegeben hat, so viele Daten ab, dass sie nicht eingesetzt werden sollten. Besonders neugierig seien Facebook und LinkedIn, der Kurznachrichtendienst WhatsApp, die Internet-Telefoniesoftware Skype, die ÖPNV-Auskunft und die Navigations-App von Navigon. Selbst Apps von Ebay, der Deutschen Bahn, von Twitter und dem bei Jugendlichen beliebten Spiel „Mega Jump“ seien nicht ganz ungefährlich, meint Trend Micro, das mit seinen Warnungen nicht allein steht. Die Stiftung Warentest hatte im Mai des vergangenen Jahres gleich 37 populäre Apps als „kritisch“ eingestuft.

 

Von Wolfgang Kempkens

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