Mobilfunk 25.11.2005, 18:41 Uhr

Ein Hauch Mobilfunkzukunft  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 11. 05 – Noch beschäftigt die vorweihnachtlichen Handykäufer die dritte Mobilfunkgeneration, UMTS, da rüsten T-Mobile, Vodafone & Co. ihre Netze schon mit der Nachfolgetechnik HSDPA aus. Die fünf Buchstaben stehen vor allem für schnellere E-Mail- und InternetAbrufe auf Mobiltelefonen. Was 2006 kommerziell eingeführt wird, lässt sich schon jetzt in einigen Einkaufszentren bestaunen.

Es wird ernst in Deutschlands Mobilfunknetzen: Nachdem vielerorts UMTS-Technik implementiert wurde, steht nun eine weitere Veränderung bevor. HSDPA oder High Speed Download Packet Access soll die mobile Datenkommunikation rund fünfmal so schnell machen. Nach UMTS, der dritten Mobilfunkgeneration (3G), sei HSDPA, die 3,5G-Technik, „ein bedeutender Entwicklungsschritt“, erklären unisono Netzbetreiber und -ausrüster.

Hinter den Kulissen haben sie längst zum Wettrennen geblasen. T-Mobile hat mit seinen Netzpartnern Nokia, Siemens und Alcatel bereits die CeBIT 2006 als festen Einführungstermin genannt. „Wir wollen uns als Technologieführer positionieren“, erklärte unlängst Philipp Humm, Geschäftsführer von T-Mobile Deutschland. HSDPA sei dabei ein wichtiger Baustein.

Konkurrent Vodafone bleibt in puncto Starttermin noch etwas diffuser: „Ab der ersten Jahreshälfte 2006 wird Vodafone sein HSDPA-Netz kommerziell seinen Kunden öffnen“, so Deutschland-Chef Friedrich Joussen. Der hiesige UMTS-Promoter wird 3,5G gemeinsam mit seinen UMTS-Netzausstattern Ericsson und Siemens einführen.

Noch zurückhaltender geben sich die kleinen Betreiber. Sobald der Bedarf bestehe, werde man die Netze mit HSDPA aufrüsten, so E-Plus-Technik-Chef Thorsten Dirks. Im Frühjahr wolle man mit ersten Tests starten.

Bei O2, deren Tochter Manx Telecom seit November auf der Isle of Man den ersten kommerziellen HSDPA-Dienst offeriert, steht immerhin fest, dass die neue Technik „im Laufe des Jahres 2006“ eingeführt wird.

Bis dahin wird fieberhaft getestet, implementiert und demonstriert. So wie im Centro Oberhausen, wo ein Testlauf des UMTS-Nachfolgers von Vodafone läuft. Ausgewählte Geschäftskunden können im Einkaufszentrum mit Notebook und HSDPA-Datenkarte im Internet surfen. Shop- leiter und das Centro-Management bearbeiten unabhängig von Ladenlokal und Festnetzverbindung E-Mails und Onlinebestellungen. Zudem werden in Europas größtem Shoppingzentrum 70 Großbildschirme per HSDPA mit Werbeclips versorgt. „Wenn HSDPA erst einmal großräumig verfügbar ist, erfahren mobile Datenanwendungen sicherlich einen weiteren Schub“, glaubt schon jetzt Centro-Geschäftsführer Frank Pöstges.

T-Mobile hat Notebooks mit passenden HSDPA-Karten in zehn ausgewählten T-Punkten aufgestellt. So auch im Alstertal-Einkaufszentrum im Hamburger Norden. Hier kann jeder sehen, wie schnell ein Videofilm geladen wird, manchmal auch zwei parallel. „Eine Marketing-Maßnahme“, verrät Bernhard Preilowsky, Leiter Technik der Region Nord.

Die Demonstration zeigt: HSDPA ist speziell für Datensauger – also alle, die einen größeren Download benötigen – gedacht. Surfen, E-Mails und Dateien laden, Musik- und Video-Downloads profitieren von den neuen Raten. Videotelefonate dagegen werden noch immer mit den niedrigeren Uplink-Geschwindigkeiten zu kämpfen haben. „Zur CeBIT werden wir 1,8 Mbit/s im Download, im Laufe des nächsten Jahres 3,6 Mbit/s, später 7,2 Mbit/s realisieren können“, verspricht Preilowsky. „Wir nähern uns also im Mobilfunk DSL-Geschwindigkeiten.“

Noch unspektakulärer als im T-Punkt selbst sieht es im Keller des Einkaufszentrum aus. Ein grauer Kasten mit Einschubkarten, auf denen LEDs blinken, dominiert den kleinen Technikraum. Rein äußerlich unterscheidet sich diese Basisstation nicht von ihren UMTS-Vorgängern und doch sind T-Mobile und Nokia-Manager sichtlich stolz auf das graue Etwas. „Das ist unsere HSDPA-Note-B“, verkündet Frank Ostrowski, Netzwerk-Manager bei Nokia. Eine zusätzliche Einschubkarte zur Speichererweiterung, ansonsten ist hardwaretechnisch nichts verändert worden.

Das Geheimnis der fünf Buchstaben nämlich liegt einzig und allein in der Software, die von außen aufgespielt wurde. Mit Hilfe mathematischer Kapriolen können jetzt Datenpakete besser gepackt werden. Werden letztere noch in UMTS-Netzen vom Funknetzknoten (RNC) gesteuert, so kann dies bei HSDPA direkt an der Basisstation geschehen. Ein Vorteil, wie Nokia-Mann Ostrowski erklärt. Mögliche Fehler, die bei der Übertragung von der Datenkarte oder dem Handy zur Note-B passieren, können dank der Nähe zur Luftschnittstelle viel schneller korrigiert werden.

Ein anderer Vorteil: Die Latenzzeiten sinken von heute 200 ms bei UMTS auf dann 100 ms. Experten sprechen vom so genannten „Kick-off-Effekt“. Das macht z. B. den Start von Internetanwendungen rund doppelt so schnell.

Genau hier wird deutlich, warum sich Ingenieure und Unternehmen so viel Mühe mit HSDPA geben. Mobile Internet- und Intranetzugriffe werden so, wie man ihn uns längst mit UMTS versprochen hatte, schnell und damit attraktiv. T-Mobile-Kollege Humm ist sich sicher: „Das Internet wird auf dem Handy eine ähnliche Rolle spielen wie jetzt auf dem PC.“

Fest steht: Kunden werden sich für HSDPA neu eindecken müssen. Seit Ende September offerieren beide großen Netzbetreiber PC-Karten für den Datenturbo. „Für alle, die ganz früh dabei sein wollen“, heißt es. Mobile DSL-Karte, nennt T-Mobile die PC-Karte, die allerdings erst mit Ausstattung der Netze richtig schnell Daten übertragen kann. „Update im Februar 2006“ steht da im Onlineangebot der Bonner – ebenso wie bei der Düsseldorfer Konkurrenz. Ab dem zweiten Quartal sollen erste HSDPA-Handys zu haben sein. Vor allem LG und Samsung scheinen hier die Entwicklung voranzutreiben.

Für alle Beteiligten steht derweil fest, dass die fünf Buchstaben nur eine von vielen Stufen auf dem Weg zur vierten Mobilfunkgeneration (4G) sind. Denn HSDPA hat auch seine Tücken. Die Technik des so genannten Spectrum-Sharing erschwert Netzplanern die Arbeit. Mehrere Nutzer müssen sich wie bei UMTS die offerierte Bandbreite teilen. Zudem sinkt die Geschwindigkeit rapide, sobald man sich aus dem eigentlichen Zellkern wegbewegt. Eine Zelle hat einen Radius von max. 2,5 km. Statt 1,8 Mbit/s sind am Rand nur noch 250 kbit/s zu haben.

Ein Grund, warum Wissenschaftler wie Bernhard Walke von der RWTH Aachen für 4G bereits einen Generationswechsel in der Technik erwarten- allerdings erst nach 2009. Bis dahin dürfte sich auch die drahtlose Funktechnik Wimax etabliert haben.

Für Nokia-Manager Ostrowski kein Gegensatz: „Wir arbeiten daran Wimax auf HSDPA-Basisstationen aufzusetzen“, verkündete er im Hamburger Einkaufszentrum. Dort, wo die normalen Mobilfunkkunden einen Hauch von Zukunft erhaschen können. Die Realität kurz vor Weihnacht sieht dort anders aus. Sie dreht sich um schöne neue Handys und ein bisschen auch um UMTS. R. BÖNSCH

Von R. Bönsch
Von R. Bönsch

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