Telekommunikation 05.05.2000, 17:25 Uhr

Diverse Services kommen aus nur einer Hand

Wenn Großunternehmen in Übersee ein Kommunikationsnetz aufbauen, suchen sie oft nach einem Partner, der ihnen informations- und kommunkationstechnische Dienste aus einer Hand anbietet. Daher sind Unisys und die Deutsche Telekom eine Allianz eingegangen.

Um multinationalen Kunden ein weltweit identisches, integriertes Angebot an IT- und Telekommunikationsdiensten anbieten zu können, haben die Unisys Corporation und die Deutsche Telekom eine gemeinsame Service- und Produktpalette unter dem Namen „Global Desktop Services“ auf den Markt gebracht. Auch nach der Übernahme des debis Systemhauses durch die Deutsche Telekom benötigt der TK-Riese für seine Internationalisierungsstrategie den globalen Partner Unisys vor allem in Asien und in Nordamerika.
„Wir haben Anfang vergangenen Jahres zeitgleich mit der Deutschen Telekom AG und ihren Tochtergesellschaften DeTeCSM, dem IT-Leistungserbringer im Konzern, und DeTeSystem als Systemhaustochter und Vertriebskanal für Telekom-Großkundenprojekte begonnen, Gespräche zu führen“, so Ulrich Max Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung der Unisys Deutschland GmbH zur Entstehungsgeschichte der Allianz. Die Unternehmen hatten sich vorgenommen, die sog. Global Desktop Services in weltweitem Maßstab aufzugreifen. Müller: „Im Dezember haben die Partner: Unisys Corporation, Unisys Deutschland GmbH, Deutsche Telekom AG, DeTeCSM und DeTeSystem den Vertrag unterschrieben. Während der CeBIT ist noch die Telekom-Tochter DeTeLine dazugekommen.“
Hinter dem Produktnamen Global Desktop Services verbirgt sich ein weltweites Angebot von Dienstleistungen, das von Consulting und Einkauf über Installation bis hin zur Integration von Netzen sowie Instandhaltung von Einrichtungen, ferngesteuertem Netzmanagement, Desktop-Unterstützung und Helpdesk-Diensten für den Endnutzer reicht. Die Partnerschaft zwischen Unisys und Deutscher Telekom rankt sich also um nahezu alle Produkte und Services des deutschen Telekommunikationsriesen, die nötig sind, um beispielsweise PCs in Brasilien in Betrieb zu nehmen oder ein Local Area Network in Indonesien aufzubauen. Dabei steht der Arbeitsplatzrechner im Vordergrund und nicht das Rechenzentrum. Es geht um die einheitliche Gestaltung der Arbeitsplatzumgebung, den gesamten LAN- und WAN-Bereich und die Kommunikation über die Kontinente hinweg. Vom Produktportfolio deckt Unisys mit „Headquarter“ in Blue Bell, Pennsylvania/USA, weltweit die entsprechenden Leistungen ab, für die in Deutschland die Deutsche Telekom zuständig ist. Müller: „Wir übernehmen für die Top 200 und einen erweiterten Kundenbereich weltweit diese Services vom Design bis hin zur Implementierung.“
Für Unisys als IT-Serviceunternehmen besteht der „Added Value“ in der neuen Partnerschaft insbesondere darin, mit einem der großen Telekommunikationsplayer zusammenzuarbeiten. Die Bedeutung für die Deutsche Telekom liegt vor allem in der Chance, ihre Produkte und Services, die sie über ihre Tochtergesellschaften DeTeCSM, DeTeLine und DeTeSystem in Deutschland anbietet, auch im Ausland umzusetzen. Müller: „Da haben wir unsere besonderen Stärken. Unisys ist nahezu weltweit in jedem Land vertreten.“
Mit vereintem Know-how können die Partner zwei Arten von Services aus einer Hand anbieten: Zum einen die TK-Services, die von der Deutschen Telekom kommen, und die IT-Services, die Unisys zusammen mit DeTeCSM, DeTeLine, DeTeSystem und den Nutzern entwickelt. Gemeinsam wollen die Partner potentiellen Kunden – wie beispielsweise Firmen mit vielen Auslandsniederlassungen – einen einheitlichen Service anbieten.
Für die deutsche Unisys GmbH hat das Abkommen zur Folge, dass die weltweite Projektkoordinierung, Preisgestaltung und Angebotsentwicklung von einem sog. Global Project Office (GPO) aus stattfinden wird, das am Standort der deutschen Niederlassung in Sulzbach/Ts. bei Frankfurt/ M. eingerichtet wurde. Für die Kunden der Telekom ergibt dies den Vorteil, dass sie einen festen Ansprechpartner haben und die gesamte Koordination aus einer Hand bekommen. Müller: „Ein Vertrag muss von den Menschen, die für die Umsetzung verantwortlich sind, auch gelebt werden. Dies geschieht bei uns im GPO.“
Der Vertrag zwischen beiden Unternehmen hat keine Endlaufzeit und ist so gestaltet, dass auch über weitere Produktportfolios gesprochen werden kann. So kann sich der Unisys Deutschland-Chef beispielsweise vorstellen, zukünftig auch über die Global Desktop Services hinausgehende Dienstleistungen in die Partnerschaft einzubinden. Müller: „Ich denke dabei an eine mögliche Zusammenarbeit im Application Hosting oder bei E-Business-Lösungen.“
Konkrete Zahlen und Umsatzerwartungen sind von den beteiligten Unternehmen noch nicht zu bekommen: „Wenn wir über die Top-200-Kunden, sogar über die Top 300 und 400 reden, wird schnell klar, dass wir über eine große Summe sprechen“, so der Geschäftsführer von Unisys Deutschland. Bei den weltweit zu installierenden Desktops gehe es nicht um zehn PC, sondern in der Regel um größere Einheiten. Müller: „Für diese gilt es, eine einheitliche Arbeitsplatzumgebung zu gestalten, sie zu vernetzen – und zwar weltweit gemäß dem in Deutschland gewohnten Standard.“
„Für beide Unternehmen ist es zunächst besonders wichtig, dass unsere eigenen Mitarbeiter erkennen, welche Vorteile der Kunde aus dem Vertrag heraus bereits in der Angebotsphase hat“, zieht Unisys-Chef Müller sein Resümee. Dank der Partnerschaft zwischen seinem Unternehmen und der Telekom könne der Nutzer auf einheitliche weltweit verfügbare IT- „Skills“ zugreifen. „Es ist einfach etwas anderes, wenn man beispielsweise ein Netzwerk in Brasilien plant, und vor Ort die lokalen Anforderungen und Gegebenheiten kennt, als von Deutschland aus sich ad hoc irgendwelcher Ressourcen zu bedienen.“ HARALD LUTZ
Unisys-Chef Ulrich M. Müller: „Wir wollen eine einheitliche Arbeitsplatzumgebung gestalten.“
Rund um Arbeitsplatzrechner rankt sich das gemeinsame Diensteangebot von Unisys und der Deutschen Telekom. Dabei stehen Großkunden im Vordergrund, die alle Services von nur einem Ansprechpartner wünschen.

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  • Harald Lutz

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