IT-Sicherheit 16.03.2001, 17:28 Uhr

Digitale Wasserzeichen im Kampf gegen Internetpiraten

Ein Mausklick im Internet kann eine CD, ein Buch, oder ein Video an Millionen Nutzer verschicken. Doch die Schöpfer und Rechte-Inhaber kriegen davon oft nicht einen Groschen. Digitale Wasserzeichen für elektronische Medien sollen Raubkopierern einen Riegel vorschieben.

Ranjit Singh sitzt mit seinem Büro in McLean, Virginia, im Zentrum der Größten und Blutigsten der vielen Schlachten, die das Internet in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts formen könnten. Die Frontlinien sind scharf gezogen. Auf der einen Seite stehen die Inhaber des geistigen Eigentums oder „Content“: Bücher, Musikwerke, Videoproduktionen, fotografische Bilder und anderes mehr. Auf der Gegenseite finden sich die Internet-Nutzer – man denke an Napster. Sie wollen die freie Verteilung des Content.
Und dann ist da Ranjit Singh, Präsident von Contentguard. Seine Firma wurde aus dem Palo Alto Xerox Research Center (Parc) ausgegliedert – mit der Mission, in einer vernetzten Welt den Schutz von Inhalten zu kommerzialisieren. „Das Internet verändert alles“, sagt Singh, 48, ein in England geborener Technologiemanager, dessen Lebenslauf mit leitenden Positionen bei Xerox, Citibank und Digital Equipment, plus einer Anzahl von Startups nur so funkelt. „Das Internet“, fährt Singh fort, „ermöglicht die vollkommene Wiedergabe digitaler Inhalte und ihre absolut ungehinderte Verbreitung.“ Ein paar Mausklicks können ein Werk an Millionen Nutzer schicken. Doch die Schöpfer und Rechte-Inhaber kriegen davon oft nicht einen Groschen.
Das tut weh – und man kann wetten, dass der Schmerz der Rechte-Inhaber, die ihre Stoffe überall durchs Netz flitzen sehen, bald in Aktionen mündet. Genau damit befassen sich Singh und seine Firma Contentguard: mit Digital Rights Management. DRM ist „der Katalysator für eine Revolution beim E-Content“, sagt Singh. „DRM erlaubt den Rechte-Inhabern eine viel breitere und tiefere Verbreitung als je zuvor“, führt er aus. „Sie können sehen, wer Ihre Inhalte an wen weiter gibt.“
Im Wesentlichen ist DRM, wie es von Contentguard und einer Anzahl von Wettbewerbern angeboten wird, ein Verschlüsselungsschema mit eingebauter Registrierkasse für den E-Kommerz. Die Inhalte sind verschlüsselt. Und den Schlüssel erhält der Nutzer nur, wenn er etwas dafür tut – Geld überweist oder eine E-Mail-Adresse nennt. Die DRM-Provider liefern die Tools zum Inhalts-Schutz den Rechte-Inhabern bleibt es überlassen, die Bedingungen zu setzen. Contentguard verwendet eine Methode mit „multiplen Schlüsseln“: Jeder, der illegal kopierte Inhalte empfängt, muss den Schlüssel nochmals knacken. „Selbst wenn ein Hacker Teile des Inhalts knackt“, erklärt Singh, „kann er sie nicht weiter verbreiten.“
Warum ist DRM also noch nicht Flächen deckend eingeführt? Zwei Gründe: Erstens denken die Rechte-Inhaber gerade hart über Preiskalkulation und Distribution nach. Da kämpfen sie plötzlich mit der Frage, welcher Preis für dreimaliges Abhören eines Songs gelten soll, oder für das Herunterladen eines gering auflösenden Bildes, das nicht an Andere weiter gegeben werden kann. „Die Rechte-Inhaber testen zurzeit unterschiedliche ökonomische Modelle zur Bewertung des Inhalts“, sagt Singh. Seine Firma liefert DRM-Tools unter anderem an die US-Verlage John Wiley & Söhne und Houghton Mifflin. „DRM öffnet viele Möglichkeiten“, fügt er hinzu.
Das zweite Problem ist vielleicht noch brennender: „Das Nutzererlebnis muss die Kompliziertheit der Schutztechnologien verbergen“, sagt Singh. Die Nutzer müssen die gewünschten Inhalte erwerben können, „ohne dass sie dazu spezielle Web-Viewer oder Downloads brauchen und zu viele Barrieren überwinden müssen“, argumentiert er. Um das zu lösen, unterhält Contentguard Partnerschaften mit Marktführern wie Microsoft und Adobe Systems und hat seine Technologie so erweitert, dass sie viele Medien, einschließlich Bücher, Musik und Video umfasst.
So einladend die Möglichkeiten sind, DRM steckt noch in den Kinderschuhen. John Schwarz, CEO von Reciprocal, Distributor von Contentguard und anderen DRM-Lösungen sagt: „Wir stehen vermutlich etwa ein Jahr vor der breiten Adoption von DRM im Markt.“
Manche Analysten sind skeptischer: „Ich bin nicht davon überzeugt, dass Inhalte in der Internet-Ära schützbar sind“, sagt Eric Scheirer, der bei Forrester Research den Komplex DRM verfolgt. „Die Leute wollen flexiblen Zugriff auf die Inhalte.“ Der Beweis: Napster, ein Phänomen, das Scheirer „unaufhaltbar“ nennt. Selbst wenn Napster gerichtlich gestoppt wird, sieht er voraus, wird die ungehinderte Verbreitung digitaler Inhalte unter Millionen Internet-Nutzern weiter leben.
Singh hingegen wettet, dass DRM die Oberhand gewinnt. Ironischer Weise schreibt er das Napster gut. „Napster hat das ganze Thema auf CEO-Ebene gehoben. Die obersten Firmenchefs befassen sich jetzt mit dem Copyright-Management, und sie möchten natürlich ihr Eigentum schützen.“
Das, sagt Singh, spricht für den breiteren Einsatz von DRM. „Hier ist der virtuelle Zyklus, den Sie sehen werden: Je mehr Inhalte ein Anbieter online stellt, desto schneller wird er noch mehr Inhalte einstellen wollen. Denn er sieht den ökonomischen Vorteil. Und die Nutzer werden den Vorteil des Zugangs zu weiteren Inhalten erkennen. Deswegen erwarten wir hier eine Explosion.“ ROBERT MCGARVEY
Aus dem amerikanischen von Werner Schulz.  

Ein Beitrag von:

  • Robert Mcgarvey

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