Netzbetreiber 21.06.2002, 18:20 Uhr

BT Ignite mit neuer Europa-Strategie

VDI nachrichten – Während die Mobilfunksparte von Viag Interkom jetzt „O2“ heißt, firmiert der Festnetz- Bereich nun unter „BT Ignite“. Nicht nur der Name, auch die neue Unternehmensstrategie ist eng mit Konzernmutter British Telecom abgestimmt.

Otto Normalverbraucher kennt das Unternehmen mit dem für deutsche Zungen diffizilen Namen „BT Ignite“ (sprich: Bie-tie Ig-nait) meist aus Rundfunkspots für die Call-by-Call-Rufnummer 01090. „Dieser Geschäftszweig macht uns nach wie vor sehr viel Freude“, gibt Deutschland-Chef Wolfgang Essig gerne zu. Wohlweislich verrät die Call-by-Call-Reklame nur die Spar-Rufnummer, der dahinter stehende Firmenname wird gar nicht erst erwähnt. Denn mit dem Kerngeschäft von BT Ignite hat die Billig-Vorwahl wenig gemein.

Nach seiner Umstrukturierung setzt der Konzern europaweit auf das Großkundengeschäft. Kleinere Unternehmen sind nur dann interessant, wenn sie über mehrere, zu vernetzende Filialstandorte verfügen. Die von der alten Viag Interkom gepflegte Mittelstands-Klientel spielt in der Euro-Strategie von BT bestenfalls eine Nebenrolle; Privatkunden will die Firma hierzulande nur für die 01090-Vorwahl begeistern.

Schon im Frühjahr vergangenen Jahres ging das Festnetzgeschäft von Viag Interkom auf die neu gegründete BT Ignite GmbH & Co über. Mehrere Manager an der Interkom-Konzernspitze schmissen seitdem entnervt das Handtuch. Mehr oder weniger offen kritisierten sie die britischen Konzerneigner, die ihren Deutschland-Ableger auf Kurs bringen wollten.

Der heutige Geschäftsführer und Vice President Central Europe Wolfgang Essig erläutert die neue Strategie aus der Londoner Firmenzentrale: „Das Unternehmen konzentriert sich jetzt vorrangig auf die Segmente Large und Very Large Enterprises.“ Auch die Sprache ist „very british“ geworden.

Der Viag-Ansatz, ein flächendeckendes Daten- und Telefonnetz für Privat- und Geschäftskunden aufzubauen, wird von BT Ignite nicht weiter verfolgt. Anstatt der Deutschen Telekom in allen Geschäftsfeldern Paroli zu bieten, konzentriert man sich in Festland-Europa auf vermeintlich lukrative Nischen. Geld verdienen will das Unternehmen z. B. durch die Vermietung von Sprach- und Datenleitungen, die Speicherung und Pflege von Internet-Dateien und verschiedene Sicherheitslösungen für die wertvollen Datenbestände einiger Großkonzerne. Das Kundenspektrum: andere Telefon-Carrier, Internet-Provider, Behörden, multinationale und andere Konzerne. In Deutschland sind das u. a. BMW, Lufthansa und Visa.

Dieser Klientel präsentiert sich BT Ignite als Festnetz-Telefongesellschaft, Firmen-Netzwerk- und Internet-Dienstleister in einem. Für Deutschland-Chef Essig steht fest, dass sein Unternehmen aufgrund des breiten, aber speziell auf große Geschäftskunden zugeschnittenen Angebots von der Krise anderer Carrier profitieren kann.

Als unmittelbare Konkurrenz sieht Essig neben der Deutschen Telekom vor allem andere Business-Anbieter wie Equant und Colt, aber: „Man kann heute nicht mehr nur schwarz und weiß malen.“ Im Klartext: Konkurrenten von heute können morgen schon neue Kooperationspartner sein.

Ein Beispiel hierfür ist die erst vor wenigen Wochen vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Kölner DSL-Anbieter QSC AG. BT Ignite nutzt die DSL-Infrastruktur und kann damit erstmals auch auf der SDSL-Technologie basierende Lösungen wie Virtual Private Networks oder integrierte Sprach/Datenlösungen anbieten.

Mit dem Rückzug aus der Fläche beugt sich der Carrier BT Ignite in erster Linie gesamtwirtschaftlichen Zwängen: Kredite für einen kostspieligen Netzausbau sind auf den Kapitalmärkten derzeit nicht erhältlich. Um die Stimmung der Aktionäre zu heben, muss das Unternehmen sparen, Schulden abbauen und mit den vorhandenen Mitteln ordentliche Gewinnzahlen erwirtschaften. Das gelingt bislang ganz gut: Im kürzlich beendeten Geschäftsjahr machte BT Ignite 599 Mio. « Umsatz – im Vorjahr waren es 426 Mio. «. Auch in diesem Jahr erwartet der Konzern stattliche 15 % Wachstum. Für Essig steht fest: „Umsatz kann man heute nicht mehr zukaufen.“ Der Zuwachs solle also aus eigener Kraft kommen. Ziel ist es, den Investoren im kommenden Frühjahr erstmals ein positives Ebitda-Ergebnis (Einnahmen vor Steuern) zu präsentieren.

Damit die deutsche Firmentochter ein noch profitablerer Ignite-Ableger wird, ist ein weiterer Stellenabbau schon bis ins Detail durchgeplant: Von den derzeit 1292 Mitarbeitern sollen im April 2003 exakt 1049 übrig bleiben. Betriebsbedingte Kündigungen – insbesondere im Netzwerkbereich – schließt Essig nicht aus. In den Bereichen Vertrieb und Solutions will er auch neue Kräfte einstellen.

 

Die VDI nachrichten porträtieren in loser Folge Netzbetreiber und ihre unterschiedlichen Konzepte. Bislang erschienen: Lambdanet (Nr. 19, 10. 5. 02), Telia (Nr. 21, 24. 5. 02), Equant (Nr. 24, 14. 6. 02)

 

Ein Beitrag von:

  • Folker Lück

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