Industrie 12.11.1999, 17:23 Uhr

Die zweite industrielle Revolution

Las Vegas, 17. 11. 99. Auch am zweiten Tag der Comdex drehte sich alles um das Internet. Einer der am häufigsten gebrauchten Begriffe hier sind die „dot coms“, Unternehmen, die bereits e-Business praktizieren. Der Name ist eine Anspielung auf die Endung „.com“ einer normalen Web-Adresse. Selbst die Comdex nennt sich auf Ihrem Katalog jetzt .comDEX…

Vor allem mit den sozialen und soziologischen Aspekten des Internet beschäftigte sich John Chambers, CEO von Cisco-Systems, in seiner Keynote-Präsentation am Dienstag Morgen. Doch zunächst ging es auch ihm um Fakten: „Bis in die frühen neunziger Jahre stieg die Produktivität in den USA jährlich um 1,5 bis 1,6 %. Seitdem das Internet in die Geschäftswelt Einzug gehalten hat, ist dieses Wachstum bis auf 4,8 % hochgeschnellt.“ Sämtliche Prognosen der vergangenen Jahre über das Volumen des e-Commerce seien schon wenige Monate nach ihrer Präsentation Makulatur. Derzeit rechne IDC mit 1000 Mrd. Dollar elektronisch getätigtem Umsatz im Jahr 2003.
Doch der e-Commerce ist für Chambers nur ein Aspekt der Internet-Nutzung unter vielen, die letztlich in ihrer Gesamtheit zu drei Effekten führen: Höheren Einkommen, höherem Wirtschaftswachstum und niedriger Inflation. Doch nur dann, wenn die Internet-Nutzung wirklich in alle Bereiche der Arbeits- und Lebenswelt der Menschen vordringt. Neben dem e-Commerce und Konzepten zur virtuellen Produktionsunternehmen, spielt für den Cisco-Chef hier vor allem die „Virtuelle Nähe“ eine bedeutende Rolle. Chambers: „In der industriell geprägten Wirtschaft der Vergangenheit gab es strikte Hierarchien, das Führungskonzept war Kontrollieren und Befehlen. In der Internet-Economy haben wir die Chance, unsere Mitarbeiter zu stärken. Sie zu wissenden und verantwortlichen Mitarbeitern zu machen, die ihre Rolle im Produktions- oder Verkaufsprozess genau kennen.“
Dazu bedarf es der Information – z.B. in einem Firmeninternen Intranet – und der lebenslangen Aus- und Weiterbildung. Chambers sieht in Zukunft das e-Learning, das Lernen über das Internet, als wichtige Stufe zur Realisierung seiner Visionen. „Heute sind wir von vernünftgien e-Learning-Lösungen noch weit entfernt, so wie im e-commerce vor zwei bis drei Jahren.“ Im Endeffekt werden die neuen Ausbildungskonzepte aber zu einer Abkehr des alten „Denkens in Hochschulabschlüssen“ führen und zu einer Art neuer Kompetenz durch Ausbildung führen.
Chambers teilt auch nicht die Befürchtung, dass das Internet zu einer weiteren Aufspaltung zwischen hohen und niedrigen Einkommen führen werde. Er sieht das Netz vielmehr als „globalen Gleichmacher“, der auch heute niedrigen Einkommenschichten Chancen zu besserer Bezahlung biete. Cisco selbst geht übrigens mit einer Netzwer-Akademie bereits den Weg, Ausbildung über das Internet anzubieten – in mittlerweile 52 Ländern dieser Welt.
Eine Aussage aus der Chambers-Keynote sollte auch in Deutschland manchem Politiker ins Stammbuch geschriebn werden: „Die Arbeitsplätze in der Internet-Economy werden dort geschaffen, wo die beste Ausbildung ist.“ Und weiter: „Das Internet wird alles verändern: Wirtschaft, Poltik, Ausbildung, ja die gesamte Gesellschaft.“ Und als Kernfrage stellte er an den Schluß der Präsentation: „Sind Sie bereit?“
Novell weitet Directory-Service auf das Internet aus
Auch Novells CEO Eric Schmidt sieht die Internet-Nutzung derzeit in einer zweiten Phase. In der ersten ging es darum, überhaupt dabei zu sein. Geprägt war diese Phase durch die Diskussion um Browser, Übertragungsgeschwindigkeiten, Chats und reiner Internet-Präsenz. In der zweiten Phase geht es nun darum Beziehungen über das Netz zu knüpfen. Beziehungen z.B. zwischen Geschäfstpartnern. Zu diesem Zweck hat Novell auf der Comdex eine Reihe von neuen Internet-Produkten vorgestellt. Das wichtigste: Das NDS eDirectory. Dabei handelt es sich laut Schmidt um einen Directory-Service, der auf verschiedenen Plattformen läuft und auch externe Ressourcen über das Internet anbinden kann. Statt sich umständlich Usernamen und Passworte für verschiedene Web-Sites und Dienste zu merken, werden diese in einem Verzeichnisdienst integriert und stehen dann transparent zur Verfügung. Schmidt: „Wir integrieren Ressourcen, die weit verteilt sind, in ein Netzwerk. Das ist das Ende der Entfernung.“ Natürlich spielen dabei auch Sicherheits- und Datenschutzaspekte eine Rolle, aber Schmidt ist davon überzeugt, dass bisherige Firewell-Lösungen eine Sackgasse sind. „Ein Firewall sagt im Zweifelsfalle einfach nein zu Diensten oder Services, die er nicht kennt.“
High-Speed-Druck und digitale Dokumente
Am Rande der Comdex hatten die VDI nachrichten Gelegenheit, zu einem kurzen Gespräch mit John Sealy Brown, Direktor des berühmten Palo Alto Research Center (PARC) von Xerox.
Brown: „Bei uns arbeiten 300 Ingenieure und Wissenschaftler – vom Elektrotechniker oder Informatiker bis hin zu Soziologen, Psychologen und Künstlern.“ Er selbst hat Mathematik und Physik studiert und später Zusatzqualifikationen in Soziologie erworben.
Und woran arbeiten diese Menschen?
Brown: „Wir arbeiten daran, die Grenzen der menschlichen Aufnahmefähigkeit zu erweitern. Oder anders gesagt: Wir wollen unsere heutigen Kernprodukte verbessern und vielleicht sogar überflüssig machen. Wir sind dabei nicht streng produktorientiert. Wir suchen Antworten auf Fragen, die dann möglicherweise zu Produkten führen. Aber wir denken auch weiter. Wir suchen nach Lösungen und Technologien, die Industrien auf Dauer verändern.“
Beispiele?
Da fällt dem PARC-Chef zunächst das schon im letzten Jahr vorgestellte „digitale Papier“ ein. Brown: „Mit diesem Papier und einer Technologie drumherum können Sie ein komplettes Buch auf einem einzigen Blatt unterbringen. Ein anderes Beispiel ist der erste zweistrahlige Halbleiterlaser – Abstand der Strahlen nur 25 Mikrometer, der für neue Hochgeschwindigkeits-Laserdrucker verwendet wird. Aber das sind alles nur Einzelschritte auf dem Weg hin zu total digitalen Dokumenten.“
Doch die Menschen und ihre Sicht der Umwelt wird immer analog bleiben.
Damit hat Brown keine Probleme: „Unsere Technologie muss unsichtbar werden. Nehmen Sie Ihren Kugelschreiber: Ein wundervolles Stück High-Tech, das reibungslos funktioniert und fast nie Probleme macht. Sie denken über dessen Benutzung gar nicht mehr nach. Das muss auch das Ziel unserer Entwicklungen sein: Technologie unsichtbar zu machen. Sie muss sich dem Menschen anpassen und nicht umgekehrt.“
Comdex Splitter
Am zweiten Messetag gab es schon drei Varianten des berühmten Microsoft-Werbespruches. Zunächst das Original: „Where do You want to go today“, dann die HP-Variante: „What do You want the net to do for You“ und als kürzeste die von Novell-Chef Eric Schmidt: „What do You want to do“.
Auch was mögliche Strafen für Microsoft-Chef Bill Gates angeht – sollte er im Anti-Trust-Verfahren verurteilt werden – zeigten sich die Wettbewerber kreativ. Zwei Beispiele: Er muß 1000 mal schreiben „ich habe einen Fehler gemacht“ – und zwar in Java. Oder: Er muß Mike Tyson Windows 98 erklären.
Andere halten Bill Gates schon für gestraft genug. Zitat eines bekannten US-Fernsehmoderators: „Gott hat zu Bill gesagt: OK, Du kriegst 100 Mrd. Dollar, aber dafür musst Du Dein ganzes Leben lang aussehen wie eine Schildkröte.“
Novell-Chef Eric Schmidt präsentierte folgende, natürlich nicht ernst gemeinte, Geschäftsidee für eine Internet-Firma: „Wir schenken unseren Kunden ein virtuelles Haustier und lassen sie dann für das Futter zahlen. Wer nicht bezahlt, dessen Tier wird umgebracht.“ Im Klartext: Keine Idee ist verrückt genug, um in diesem Geschäft umgesetzt zu werden.
Jens D. Billerbeck

 

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